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| 12:28 Uhr

Stadtfest
Doppelstadt gewinnt Stadtwette

 Auch die beiden Bürgermeister Fred Mahro (2.v.r.) und Bartlomiej Bartczak (r.) gehen beim Radkorso an den Start.
Auch die beiden Bürgermeister Fred Mahro (2.v.r.) und Bartlomiej Bartczak (r.) gehen beim Radkorso an den Start. FOTO: Ute Richter
Guben. Gubener Radsport feiert im Rahmen des Frühlingsfestes sein 150-jähriges Bestehen. Von Ute Richter

Als Punkt 14 Uhr am Samstag die Glocke das Startsignal zum Fahrradkorso „150 Jahre Gubener Radsport“ erklingt, ist klar: Guben und Gubin haben die diesjährige Stadtwette gemeinsam gewonnen. Beide haben gleich viel Starter aufgeboten.

Der Radsportverein Guben warb im Vorfeld kräftig und rief sowohl Gubener als auch Gubiner auf, sich an der Jubiläumsfahrt durch die Doppelstadt zu beteiligen. Selbstverständlich per Fahrrad. Mehr als 100 Menschen beidseits der Neiße waren zum Start an der Berliner Straße gekommen. Viele von ihnen waren schick gekleidet, manche mit lustigen Kostümen, andere nostalgisch. Mit in den Reihen waren  Wolfgang und Monika Baran. Das Paar ist aus Groß Düben  und mit Hochrad gekommen, in entsprechender Bekleidung, wie sie die Menschen Ende des 19. Jahrhunderts trugen. In ihrem Ort haben sie ein kleines Fahrradmuseum mit der Ausleihmöglichkeit für Oldtimer-Fahrräder.

Auch Bürgermeister Fred Mahro (CDU) hatte sich in Frack und Zylinder geworfen und strampelte mit seinem polnischen Amtskollegen Bartlomiej Bartczak in der ersten Reihe. Beide fahren auch privat oft und gern mit dem Rad. Zur Auswertung dieser Stadtwette sagte Vereinsmitglied Reinhard Schmiechen: „Es ging bei dieser Wette um die Freundschaft. Wir freuen uns sehr, dass so viele Menschen daran teilgenommen haben. Am Ende haben sowohl die Gubener als auch die Gubiner gewonnen.“ Und deshalb teilten sich auch alle nach dem Rennen den Gewinn – je ein Fass Bier und Brause.

Viel Mühe hatte sich der Radsportverein bei den Vorbereitungen zu ihrem Jubiläum gegeben. Dieses Jubiläum innerhalb des diesjährigen Frühlingsfestes zu feiern, erwies sich als eine gute Idee. Etliche Festbesucher nutzten die Möglichkeit, ein Hochrad auszuprobieren. Doch  selbst erfahrene Radsportler hatten dabei so ihre Probleme.

Bei einem symbolischen Straßenrennen der Hochräder wurde der aktuelle Weltmeister Helmut Arnold aus Sachsen erwatungsgemäß Sieger. Urgestein des Gubener Radsports und Chronist des Vereins, Horst Uibel, beendete mit diesem Rennen seine „aktive“ Laufbahn. Von ihm stammte übrigens auch die Idee der Stadtwette.

Und damit die Besucher nicht nur den Gubener Radsport feiern, sondern auch ein paar geschichtliche Hintergründe kennenlernen können, hatte der Verein eine kleine Ausstellung zur Geschichte aufgebaut.

Dort konnten Interessierte in zahlreichen Chroniken stöbern. Sie erfuhren beispielsweise, dass am 26. Juni 1869 der Schlossermeister Hugo Pietsch auf dem Kastaniengraben vor lebhaften, aber auch skeptischen Gubenern sein erstes Velociped vorstellte –  also vor 150 Jahren.

Der erste Radsportverein war der 1885 gegründete „Radfahr-Verein Guben“. „Das könnte der Vorgänger von Borussia 94 gewesen sein“, so Chronist Horst Uibel. Im Juni 1887 gewann Paul Strafe aus der Alten Poststraße 12 als Erster auswärts in Sorau ein Rennen. 1894  und 1992 fanden Gaufahrten (Ausflugsfahrten) mit 140 Teilnehmern statt.

Im Jahre 1900 hatte die Stadtverwaltung 1000 Fahrradkarten ausgegeben. In den Aufzeichnungen wurden 18 Fahrradwerkstätten und Händler zu dieser Zeit gefunden. Bis zum Ersten Weltkrieg und danach schossen die Radsportgemeinschaften in der Lausitzer Niedermark des Kreises Guben wie Pilze aus dem Boden. Die Chronisten fanden bisher um die 100 Radsport-Vereine bei fast ebenso vielen Fahrradwerkstätten und Händlern.

Die ersten „Kanonen“ waren Paul Lex, Bruno Knoll (Opa des späteren Olympiasiegers Lothar Thoms) und Fritz Schulz. Vereine nach dem Zweiten Weltkrieg  waren BSG Fortschritt (1951), BSG Motor (1953) und  BSG Lokomotive – Trainingszentrum Guben (1954).

Ab 1951 nahmen Gubener an Rundstreckenrennen, Lausitz Rundfahrten, DDR-Rundfahrten und der Friedensfahrt teil. Nach der Wende trainierten Radsportler beim ESV Lok und beim Gubener Radsportverein sowie in mehreren Freizeitgruppen.

Heute hat der Radsportverein etwa 40 Mitglieder. Jährlich organisieren sie das Gubener Anradeln mit. Jörn Manke ist Vorsitzender und will die Vereinsarbeit weiter voranbringen.

 Auch die beiden Bürgermeister Fred Mahro (2.v.r.) und Bartlomiej Bartczak (r.) gehen beim Radrennen mit an den Start.
Auch die beiden Bürgermeister Fred Mahro (2.v.r.) und Bartlomiej Bartczak (r.) gehen beim Radrennen mit an den Start. FOTO: Ute Richter