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Guben
Happy End im Gebührenstreit

Im Hintergrund der Kunstskulptur liegt das Kulturzentrum Obersprucke. In dem Komplex hatte es vor eineinhalb Jahren gebrannt. Viele Händler haben mittlerweile andere Geschäftsstandorte gefunden.
Im Hintergrund der Kunstskulptur liegt das Kulturzentrum Obersprucke. In dem Komplex hatte es vor eineinhalb Jahren gebrannt. Viele Händler haben mittlerweile andere Geschäftsstandorte gefunden. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Mit neuer Förderung will die Stadt Guben die Mietkosten für Kulturzentrum abfedern. Von Silke Halpick

Ein Happy End bahnt sich im Entgeltstreit für das Kulturzentrum Obersprucke in Guben an. Nach einer teils sehr emotional geführten Debatte im Sozialausschuss am Mittwoch gibt es letztlich sogar Lob von den Betroffenen für die neu vorgelegte Förderstrategie der Stadt.

„Seit zwei Jahren bemühen wir uns um den Erhalt unserer Heimstatt, dem Kulturzentrum Obersprucke“, sagt Gerlinde Märker. Gemeinsam mit ihrem Mann leitet sie die Ortsgruppe 17 der Volkssolidarität und leistet damit soziale Arbeit für die Gesellschaft, wie sie betont. Der Ortsverband, deren Mitglieder zwischen 76 und 80 Jahren alt und meist in der Mobilität eingeschränkt sind, sei auf die Räume im Kulturzentrum angewiesen, sagt Märker.

Die in der neuen Entgeltordnung ausgewiesenen Kosten in Höhe von 120 Euro pro Veranstaltung seien für die Ortsgruppe zu hoch, stellt die Gubenerin klar. Sie befürchtet zudem ein Antragsverfahren mit bürokratischen Hürden. „Wir wissen auch nicht, wie hoch unsere Chancen sind, Mittel zu  erhalten“, sagt sie. Grundsätzlich sei der Verein bereit, Miete zu zahlen, betont Märker. Doch mehr als 50 Euro pro Veranstaltung könne man sich nicht leisten.

Mit der neuen Förderrichtlinie wird die Ortsgruppe sogar noch unter dieser Summe liegen, verspricht Peter Stephan (Linke), Vorsitzender des Sozialausschusses. Zwar sind laut Entgeltsatzung als Mietkosten für den Saal 120 Euro pro Tag geplant. Doch gemeinnützige Vereine und Einrichtungen können eine entgeltfreie Nutzung beantragen.

Sollte dieser Antrag vom Hauptausschuss als zuständiges Gremium abgelehnt werden, kann es alternativ einen städtischen Zuschuss aus dem Fördertopf zur Unterstützung der kulturellen oder sozialen Arbeit in Höhe von 75 Prozent geben. Damit reduzieren sich die tatsächlich anfallenden Kosten auf 36 Euro statt 120 Euro pro Tag.

Lob für die Änderung der Förderrichtlinie kommt von Renate Scheel. „Das ist endlich eine gute Idee“, findet die Gubenerin, die mit den von ihr geleiteten Tanzgruppen ebenfalls das Kulturzentrum nutzt. „Ich habe schon alle Räume in der Stadt in Augenschein genommen“, erzählt sie. Doch nirgendwo seien die Bedingungen besser als hier.

Das Kulturzentrum Obersprucke im Gubener Neubaugebiet wird aktuell von „einer Hand voll“ Vereinen genutzt, wie der amtierende Bürgermeister Fred Mahro sagt. Die Auslastung der Immobilie liegt etwas über zehn Prozent. Die Gesamtkosten für die Stadt, inklusive Miete und Personalkosten, betragen fast 36 000 Euro pro Jahr.  Schon seit zwei Jahren wird um eine Lösung gerungen, die auch den Interessen der Nutzer entgegenkommt.

Entsprechend gereizt reagiert der amtierende Bürgermeister deshalb wohl auch auf die erneute Kritik zu fehlender Transparenz und Gleichbehandlung. Ob es im Sinne der Gleichbehandlung sei, wenn bestimmte Vereine Räume „per se kostenlos“ nutzen, ohne sich „Gedanken zu machen, was das kostet“, fragt er. Mahro verweist als Gegenbeispiel auf die zahlreichen Sportvereine, die ebenfalls Verträge mit der Stadt zur Nutzung der Turnhallen abgeschlossen haben und jedes Jahr aufs Neue auf die Zuschussgewährung warten. „Das funktioniert. Das wird in der Stadt bereits gelebt“, sagt er.

Monika Birkholz, Fraktionschefin der FDP, verweist darauf, dass es sich bei der Förderrichtlinie um freiwillige Leistungen handelt. Mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung fragt sie: „Sind wir in der Lage, das zu zahlen, dürfen wir das?“ Immerhin rechnet selbst die Stadt mit Mehrausgaben von fast 30 000 Euro pro Jahr. Um diese Gesamtsumme sollen die Fördertöpfe zur Unterstützung der sozialen und kulturellen Arbeit aufgestockt werden. Mahro ist in dieser Hinsicht zuversichtlich. Schließlich sehe auch der Landkreis Kapazitäten bei den Kommunen, um wieder die Kreisumlage zu erhöhen.

Für die Nutzer des Kulturzentrums soll es 22. Januar, ab 14 Uhr, nochmals eine Informationsveranstaltung geben.