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| 13:58 Uhr

Erinnern an Komponisten
Guben feiert musikalische Größen

Das Ensemble der Klosterkirche präsentierte die Kantate „Jesu, meine Freude“ sowie Choralgesänge von Johann Franck und Johann Crüger.
Das Ensemble der Klosterkirche präsentierte die Kantate „Jesu, meine Freude“ sowie Choralgesänge von Johann Franck und Johann Crüger. FOTO: Ute Richter
Guben. Das Schaffen von Johann Franck und Johann Krüger rückte am Wochenende in den Vordergrund.

Die Geburtstage zweier Gubener Größen wurde am vergangenen Wochenende gefeiert. Beide hinterließen kirchenmusikalische Spuren, die aus kaum einem Gottesdienst des Landes, ja sogar der ganzen Welt mehr wegzudenken sind. Johann Franck (1618 bis 1677) und Johann Crüger  (1598 bis 1662) waren zwei Gubener, deren Schaffen an drei Tagen in Guben und Groß Breesen in den Vordergrund gerückt wurde.

 Johann Franck wäre Anfang Juni 400 Jahre alt geworden. Er war einst  Poet und Bürgermeister der Stadt. Er gehört neben Paul Gerhardt zu den  bedeutenden Liederdichtern seiner Zeit. Noch heute werden seine Verse in Gottesdiensten gesungen. Vertont wurden diese unter anderem von seinem Freund Johann Crüger. Der in Groß Breesen geborene  Melodienschöpfer und Komponisten feiert in diesem Jahr seinen 420. Geburtstag. Er ist der Schöpfer zahlreicher Konzertwerke und musikpädagogischer Schriften.

 Im Evangelischen Gesangbuch finden sich aktuell zwei Lieder, die aus der Feder der beiden Größen stammen: „Jesu, meine Freude“ (EG 396) und das Lied „Schmücke dich, o meine Seele“ (EG 218). Letzteres wurde jahrelang  zu Abendmahlsgottesdiensten in der Stadt- und Hauptkirche gesungen.  Darüber hinaus schuf Johann Franck weltliche Lieder und Gedichte. Viele davon zählen zu Gelegenheitsdichtungen sowie zu den Liebesgedichten und zur Natur- und Heimatlyrik.

 Das Jubiläumswochenende startete am Freitagabend mit einer Andacht, in der in der Klosterkirche die Buntglasfenster der Kirche im Mittelpunkt standen. Die Gemeindepädagogin im Pfarrdienst, Ina Vetterick, erzählte von ihren Emotionen beim Betrachten der Fenster. „Die Fenster unten rechts und links sind eine Interpretation des Liedes ,Jesu, meine Freude`. Auch wenn es uns gut geht, so erinnern die Fenster an das Leid in der Welt. Sie sind auf Augenhöhe eingesetzt und sagen uns: Genieße was du hast, genieße das Leben.“ Die größeren Fenster im oberen Bereich des Kirchenschiffes sowie die drei hinter dem Altar stehen für Zukunft, für Optimismus, für Freude und Lebensfreude. Die Glasfenster der Klosterkirche wurden in den Jahren 1998/99  vom Berliner Künstler Helge Warme entworfen und eingebaut. Die in Form und Farbe modernen Kompositionen der 33 Fenster haben in ihrer Aussage viel mit Guben zu tun.

 Natürlich kamen auch die Lieder und Texte der beiden Jubilare Franck und Crüger am Freitagabend nicht zu kurz. Bläser der Selbständig Evangelisch-Lutherischen Gemeinde und der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben wirkten dabei ebenso mit wie Sopranistin Almut Wilke, die von Karin Freitag begleitet wurde. Fred Mahro, amtierender Bürgermeister, erinnerte in einem kurzen Grußwort an die Lebenswege Francks und Crügers. „Die Stadt Guben sollte beide in stetiger Erinnerung behalten“, sagte er.

 Am Samstag wurden die Feierlichkeiten in der Kirche in Groß Breesen, dem Geburtsort Johann Crügers, fortgesetzt. Das Ensemble der Klosterkirche präsentierte die Kantate „Jesu, meine Freude“ sowie Choralgesänge der beiden Jubilare. Ulrich Stephan, ein 83-jähriger Hobbyhistoriker aus Groß Breesen, zeigte den Lebensweg Johann Crügers als einen Sohn des heutigen Gubener Ortsteiles auf. „Johann Crüger ist seinerzeit nie richtig gewürdigt worden, deshalb ist es gut, dass wir ihn nicht vergessen“, so Stephan. Als Geschenk übergab er ein Bildnis Crügers an die Kirchengemeinde. Das Bild ergänzte umgehend die kleine Ausstellung über Franck und Crüger in der Groß Breesener Kirche. Kantor Hansjürgen Vorrath erinnerte an die umstrittene Namensgebung der Gubener Musikschule von Guben 1998 zum 400. Geburtstag Johann Crügers. Seitdem trägt die Musikschule den Namen des Melodienschöpfers und Komponisten, hat sich weit über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen gemacht und viele musikalische Preise in die Neißestadt geholt.

 Das Wochenende mit Johann Franck und Johann Crüger endete Sonntagvormittag mit einem  Festgottesdienst in der Gubener Klosterkirche. Die Festpredigt hielt Dr. Uwe Weise, einst ein Gubener, jetzt Pfarrer an der Oberkirche in Cottbus.