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| 15:40 Uhr

Guben
Trennung als Problemfall

Die Berater Peter Wroblewski (l.) und Susanne Beley sind im Gespräch mit Pastor Stefan Süß, Rektor des Naemi-Wilke-Stiftes.
Die Berater Peter Wroblewski (l.) und Susanne Beley sind im Gespräch mit Pastor Stefan Süß, Rektor des Naemi-Wilke-Stiftes. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Die Gubener Erziehungs- und Familienberatungsstelle berät immer mehr Scheidungskinder Silke Halpick

Insgesamt 120 Familien haben die Mitarbeiter der Gubener Erziehungs- und Familienberatungsstelle im Vorjahr betreut. Die Gesamtzahl der Fälle ist im Vergleich zu 2015 zurückgegangen, dafür waren die Probleme komplexer. Besonders häufig benötigen Kinder aus Scheidungsfamilien Hilfe.

„Trennung – das ist unser großes Hauptthema“, bestätigt Diplom-Sozialpädagogin Susanne Beley. Fast die Hälfte der Beratungen machen Kinder aus, die bei einem alleinerziehenden Elternteil leben. Für diese sei die Belastung besonders hoch. Alleinerziehende tragen die Verantwortung für die Erziehung und müssen häufig auch das Familieneinkommen sichern.

Als Beispiel berichtet Beley vom Fall eines zehnjährigen Jungen, dessen aggressives Verhalten der Mutter zunehmend Angst machte. Im Beratungsgespräch stellte sich heraus, dass der Junge die Trennung der Eltern vor zwei Jahren noch längst nicht verwunden habe. Der Vater schimpfte im Beisein des Sohnes über die Ex-Frau, die wiederum wegen der beruflichen Belastung wenig Zeit für den Jungen hatte. Nach der Trennung musste sie in zwei Jobs arbeiten, weil der Mann keinen Unterhalt zahlte.

„Nach einem halben Jahr Beratung hat sich die Situation gebessert“, berichtet Beley. Die Wutanfälle des Sohnes haben sich deutlich von zwei pro Woche auf einen pro Monat reduziert. Der Junge habe auch den Trennungsverlust verarbeitet und die Beziehung zu seiner Mutter geklärt. Dafür waren ihren Angaben zufolge 15 Sitzungen nötig.

Wie lange die Familienberatung dauert, ist sehr unterschiedlich, betont Beley. Fast 45 Prozent der Ratsuchenden können die Probleme im Rahmen von bis zu fünf Gesprächen mit den Experten klären. Bei 40 Prozent dauert es länger – mitunter bis zu 20 Sitzungen. Insbesondere bei Scheidungskindern seien häufig auch Einzelgespräche mit den Eltern nötig, um eine optimale Lösung für das Kind finden zu können.

Die Erziehungs- und Familienberatungsstelle des Naemi-Wilke-Stiftes ist eine von vier derartigen Einrichtungen im Landkreis Spree-Neiße. Zum Team gehören Fachkräfte mit psychologischem, sozialpädagogischen und theologischem Hintergrund. Die Beratung von Kindern und Jugendlichen bis zum 21. Lebensjahr ist eine Pflichtaufgabe des Landkreises Spree-Neiße und wird auch von diesem finanziert.

Allerdings lag die Zahl der geleisteten Beratungsstunden im vergangenen Jahr mit 2170 Stunden über dem mit dem Landkreis vereinbarten Soll von 1872. Den Überhang trägt das Naemi-Wilke-Stift. „Es gibt Problemlagen, die können wir nicht einfach ins nächste Jahr verschieben“, begründet Rektor Stefan Süß. Den Bereich der Ehe-, Partnerschafts- und Lebensberatung finanziert das Wilkestift ebenfalls aus eigenen Mitteln.

Hier geht es vorrangig um Menschen in besonderen Lebenssituationen. Trauerbegleitung, aber auch der Verlust des Arbeitsplatzes, Geldnot, Mobbing oder die Frage nach dem Sinn des Lebens spielen eine Rolle, wie Peter Wroblewski informiert. Insgesamt 41 Fälle hat der ehemalige Pfarrer und Krankenhausseelsorger im Vorjahr betreut. Davon wurden 19 „abgeschlossen“, 16 davon „gemäß dem Beratungsziel“. Aus Sicht des Theologen ist das eine erfolgreiche Bilanz.

Neue Wege will Wroblewski nun bei der Paarberatung gehen, wie er ankündigt. Von Gruppensitzungen mit zwei bis drei Paaren gleichzeitig erhofft er sich, dass die Teilnehmer von den Erfahrungen der anderen profitieren. Erfolgreich praktiziert wurde dieses Modell bereits im Rahmen der Trauerberatung.