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| 20:30 Uhr

Positiver Trend
Erstmals mehr Zu- als Wegzüge in der Neißestadt

 So entwickelt sich die Bevölkerung 2019 in Guben.
So entwickelt sich die Bevölkerung 2019 in Guben. FOTO: LR / Foto: Daniel Schauff/Grafik: Lehmann/lr
Guben. Auch wenn mehr Menschen nach Guben ziehen als die Stadt zu verlassen: Guben schrumpft. Trotzdem gibt es Indizien für eine positive Entwicklung. Von Daniel Schauff

Die Stadt schrumpft. Das ist nichts Neues. Und trotzdem gibt es Grund, positiv auf die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Monate zu blicken. Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) startet mit ihr sein Rückblick aufs erste Jahr als gewählter Bürgermeister und hat sich vom Service Center der Stadt aktuelle Zahlen geben lassen. Darüber berichtet Mahro bei Facebook. Die Zahlen, so der Verwaltungschef, seien wesentlich aktueller als die des Statistischen Landesamtes.

Die Einwohnerzahl ist weiter rückläufig. Im Juni 2018 lebten den Angaben der Stadtverwaltung zufolge 17 264 Menschen in der Neißestadt. Ende des Jahres waren es noch 17 115. Bis Ende Juli dieses Jahres wäre die Einwohnerzahl von Guben beinahe unter die 17 000-Einwohner-Grenze gefallen. Genau 17 002 Menschen lebten am 31. Juli in der Stadt.

Das Durchschnittsalter ist gesunken. Das zwar nur minimal, für die Neißestadt aber ist das eine kleine Trendwende. Im Juni 2018 lag das Durchschnittsalter bei 52 Jahren, 13 Monate später bei 51 Jahren. Männer sind in Guben im Schnitt übrigens jünger als Frauen. Aktuell liegt das Durchschniitsalter der männlichen Gubener bei 50 Jahren. Die durchschnittliche Gubenerin ist 54 Jahre alt.

Die Sterbefälle sind immer noch der Hauptgrund für den deutlichen Bevölkerungsrückgang in der Neißestadt. Im Schnitt sind seit Januar dieses Jahres pro Monat 26 Gubener verstorben. Im Mai waren es mit 16 besonders wenige. Im Januar verstarben dagegen 39 Einwohner. Das bedeutet: Seit Beginn des Jahres sind 158 Gubener verstorben.

Geburten gibt es dagegen weitaus wenigere. In diesem Jahr war der Januar mit elf Geburten der geburtenreichste Monat, im März kamen nur vier Gubener Kinder auf die Welt. Im Schnitt waren es in diesem Jahr 7,5 Kinder, die pro Monat zur Welt gekommen sind. Den 158 Verstorbenen in diesem Jahr stehen 45 Geburten gegenüber. Ausgleichbar wäre das nur durch ausreichend Zuzüge.

Zuzüge gab es in diesem Jahr einige. Insgesamt sind seit Januar 2019 290 Menschen nach Guben gezogen. Die meisten (62) kamen im April, im Mai dagegen die wenigsten (28). Im Schnitt sind 2019 demnach 48 Menschen pro Monat nach Guben gezogen.

Allerdings gab es auch Wegzüge. 261 waren es bisher in diesem Jahr. Die meisten haben die Stadt im Januar verlassen (62), die wenigsten im Juni (29). „Uns ist es also gelungen, die Anzahl der Zuzüge über die Anzahl der Wegzüge zu bringen“, schreibt Mahro und ergänzt: Der Hinweis auf den Einfluss der Menschen mit Migrationshintergrund sei nicht stichhaltig, weil sich im Betrachtungszeitraum die absolute Anzahl nicht geändert habe.

Bei der Betrachtung aller Aspekte, die zu einer Veränderung der Einwohnerzahl führen, das heißt: Geburten, Sterbefälle, Zu- und Wegzüge, bedeutet das für dieses Jahr: In jedem Monat hat Guben Einwohner verloren. Waren es allerdings im Januar noch 35, waren es im April und im Juni jeweils nur einer. „Noch nie war das Delta zwischen Zu- und Wegzügen, Geburten und Sterbefällen so gering wie aktuell“, schreibt Mahro. Positiv sehe er die Umkerhung in der Entwicklung des Durchschnittalters. „Und auch die konstante Anzahl der Geburten (trotz leicht sinkender Einwohnerzahlen) sind ein Indiz für die Zukunft!“, so der Verwaltungschef bei Facebook.

Über 100 Jahre alt sind in Guben übrigens sechs Einwohner – allesamt Frauen. „Ich hoffe, dass ich demnächst auch mal einem Mann zum 100-jährigen Geburtstag gratulieren darf“, so Mahro. Der Stadtverwaltung zufolge ist die älteste Einwohnerin Gubens 106 Jahre alt.

Ein Blick nach Spree-Neiße: In Forst gab es im vergangenen Jahr 674 Zu- und 649 Wegzüge. Gleichzeitig stehen 117 Geburten 301 Sterbefälle gegenüber. In einem Jahr verlor Forst damit 181 Einwohner (18 533 waren es am 31. Dezember 2018).

Aktuelle Zahlen aus Spremberg lagen der Redaktion am Dienstag nicht vor. 2017 allerdings berichtete die RUNDSCHAU bereits, dass die Stadt Spremberg seit 2013 mehr Zu- als Wegzüge verzeichnet. Anfang 2017 war Spremberg sogar im Vorjahresvergleich um zwei Einwohner gewachsen. Ein Grund könnte der deutlich solidere Arbeitsmarkt in Spremberg sein. Den Zahlen der Agentur für Arbeit in Cottbus zufolge lag die Arbeitslosenquote in Spremberg im Januar 2019 bei 6,9 Prozent. In Guben beträgt sie 9,3 Prozent, in Forst 10,2 Prozent. In allen drei Städten allerdings sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahresmonat – in Guben am stärksten: um einen Prozentpunkt (Spremberg: 0,6, Forst 0,2).