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| 17:40 Uhr

„Brandbrief“ an die Verwaltung
Brennpunkt Friedensschule in Guben

 Die Gubener Friedensschule. Eltern haben sich in dieser Woche über das aggressive Verhalten zweier Schüler besorgt geäußert und einen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben.
Die Gubener Friedensschule. Eltern haben sich in dieser Woche über das aggressive Verhalten zweier Schüler besorgt geäußert und einen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben. FOTO: lr / Engelhardt
Guben. Mit einem „Brandbrief“ haben sich Eltern von Schülern der Friedensschule an Gubens Stadtverwaltung gewandt. Sie bringen darin ihre Sorgen zum „extrem aggressiven Verhalten“ zweier Sechstklässler zum Ausdruck. Von Thomas Engelhardt

Das Schreiben, das in dieser Woche an die Stadtverwaltung als Träger der Schule gerichtet wurde, sorgt seit Donnerstag für enormes Aufsehen in den sozialen Medien. Demnach zeigen zwei Schüler aus den Klassen 6a und 6b seit mehreren Wochen ein „extrem aggressives Verhalten verbal als auch körperlich“. Die Aggressivität der beiden habe in kurzer Zeit stark zugenommen. Kinder würden fast täglich von Attacken berichten. Bei der Staatsanwaltschaft seien mehrere Strafanzeigen eingegangen.

Laut dem Brief ist einem Schüler auf offener Straße eine Plastiktüte über den Kopf gezogen worden, ein anderer sei gewürgt worden. Mädchen würden sexuell belästigt. „Eltern haben Angst, ihre Kinder alleine in die Schule zu schicken“, heißt es in dem Brief. Mütter, die einschreiten wollen, würden lautstark beschimpft. „Die genannten Schüler haben keinerlei Respekt“, so das Fazit.

Der Verfasser des Briefes, der namentlich nicht in Erscheinung treten will, erklärte auf Anfrage, dass hinter dem Brief mehrere Eltern stehen und dass es die dargestellte Situation so erst seit diesem Schuljahr gebe. Neben dem Verhalten der beiden Schüler kritisieren die Eltern in erster Linie die Schule. „Aus unserer Sicht wird hier von Seiten der Schule nicht genügend getan, um unsere Kinder zu schützen“, heißt es im Brief.

„Es ist immer wieder darauf hingewiesen worden, zum Beispiel bei Elternversammlungen. Aber das Problem wird totgeschwiegen“, so die ergänzende Einschätzung des Vaters am RUNDSCHAU-Telefon.

Auf den Brief haben inzwischen auch Politik und Behörden reagiert. Bürgermeister Fred Mahro (CDU) äußerte sich am Donnerstag kurz vor Mitternacht unmittelbar nach einer Dienstreise auf seiner Facebook-Seite zu dem Thema. Er verstehe den Brief als Hilferuf, den er sehr ernst nehme. „Ich hege, nach den mir vorliegenden Informationen vom heutigen Tag, keinen Zweifel an der Darstellung der Situation.“

Am Freitagvormittag traf sich der Bürgermeister dann mit dem Leiter der Friedensschule, Frank Müller, und dem zuständigen Schulrat, Frank Nedoma. Nach dieser Beratung sagte Mahro: „Es gibt keine Rechtfertigung für ein derartig respektloses und aggressives Verhalten. Dabei spielt die Herkunft für mich keine Rolle. Jeder muss sich an Regeln und Vorschriften halten, was ich ausdrücklich von allen Schülerinnen und Schülern erwarte. Es gilt jetzt, die Vorwürfe vorbehaltlos aufzuklären.“

Gespräche führte der Bürgermeister auch mit Landrat Harald Altekrüger (CDU) und dem Leiter der Gubener Polizeiwache, Matthias Rammholdt. Über die Ergebnisse dieser Beratungen will Mahro am kommenden Montag ab 18 Uhr im Raum 250 in der Stadtverwaltung Guben informieren. Eingeladen seien interessierte Eltern der Friedensschule. „Der Termin soll und kann auch für klärende Gespräche und einen weiteren Austausch mit den Eltern genutzt werden“, so Mahro. Ein entsprechendes Gesprächsangebot hatte Mahro bereits in seiner ersten Reaktion auf Facebook unterbreitet.

Die Ereignisse lassen manche Eltern auch über das Thema Schulwahl nachdenken. Ein Vater schreibt in einer Mail an die RUNDSCHAU: „Meinen großen Sohn konnten wir zum Glück in Neuzelle auf der Privatschule unterbringen. Nur um ihm das zu ersparen, haben wir für diese vier Jahre rund 8000 Euro investieren müssen.“