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| 14:37 Uhr

LR vor Ort in Guben
Auf dem Weg zum Strukturwandel

 Gubens Bürgermeister Fred Mahro (2. v. l.) und Andreas Stahlberg von der Gemeinde Schenkendöbern (2. v. r.) im Gespräch mit den RUNDSCHAU-Reportern Daniel Schauff (l.) und Thomas Engelhardt.
Gubens Bürgermeister Fred Mahro (2. v. l.) und Andreas Stahlberg von der Gemeinde Schenkendöbern (2. v. r.) im Gespräch mit den RUNDSCHAU-Reportern Daniel Schauff (l.) und Thomas Engelhardt. FOTO: Roswitha Werner
Guben. Die RUNDSCHAU diskutierte mit Gästen über die Chancen für Guben und Schenkendöbern. Von Thomas Engelhardt

Er wird das bestimmende Thema der nächsten Jahrzehnte in der Lausitz: der Strukturwandel. Welche Chancen er für Guben und Schenkendöbern mit sich bringt, das diskutierte die RUNDSCHAU am Donnerstag beim Forum „LR vor Ort“ im Ausstellungsraum der Stadtverwaltung mit ihren Gästen. Deutlich wurde: Der Strukturwandel ist weit mehr als nur der Ausstieg aus der Kohle. Und in diesem Prozess können Guben und Schenkendöbern eine positive Rolle spielen.

Als Gesprächspartner im Podium hatte die Redaktion Gubens Bürgermeister Fred Mahro und Andreas Stahlberg, bei der Gemeinde Schenkendöbern zuständig für bergbaubedingte Sonderaufgaben, eingeladen. Mahro betonte, dass die anstehenden Veränderungen de facto ein Strukturwandel 2.0 seien, nachdem bereits die Wende vor knapp 30 Jahren weitreichende Änderungen mit sich brachte. Aktuell seien rund 160 Menschen aus den Orten mit der Postleitzahl 03172 bei der Leag beschäftigt. Dazu kämen die Unternehmen, die im Auftrag des Bergbauunternehmens arbeiten. Doch nicht nur all diese seien vom Strukturwandel betroffen, sondern beispielsweise auch die Landschaft. Wichtig sei aus seiner Sicht, speziell in puncto Arbeitsplätze das Vorhandene zu sichern.

Stahlberg sieht dem anstehenden Wandel „relativ entspannt“ entgegen. Gründe dafür seien unter anderem die Altersstruktur der Leag-Beschäftigten und die qualitativ gute Ausbildung von Lehrlingen durch das Bergbauunternehmen. Sorgen bereiten ihm aktuell das Thema Grundwasserabsenkung und die schwierige Lage in puncto Bergschäden. Anders sehe das beim Tagebau bei Gubin aus. Diese Pläne seien wohl vom Tisch.

Wenn es beim Strukturwandel um das Thema Arbeitsplätze geht, sieht Gubens Bürgermeister die oberste Priorität bei den Unternehmen, die schon in Guben angesiedelt sind. Vorhandene Betriebe könnten auch eine unterstützende Rolle bei der Ansiedlung neuer Unternehmen spielen. Wichtig seien aber auch die Rahmenbedingungen. „Bevor ich Fachkraft werde, muss ich in die Schule gehen“, so Mahro. Er forderte, dass speziell das Gubener Gymnasium sich mehr Profil und Schärfe geben müsse. Ein klarer Standortvorteil sei Gubens Geschichte als Chemiestandort. „Wir haben hier einen geschlossenen, überwachten Standort, haben eine Werksfeuerwehr“, nannte der Bürgermeister Vorteile des Industriegebietes.

Auf die Frage von Volker Güldner, was denn nun mit der Hygienepapierfabrik werde, antwortete Mahro, dass der Investor gefordert sei, alle nötigen Unterlagen einzureichen. Die Stadt könne das nicht beeinflussen. Mahro geht davon aus, dass Mitte Juli die letzte Frist für den Investor abläuft.

Schenkendöbern hingegen bleibe eher die Rolle als „Grüne Lunge“ der Stadt, sagte Stahlberg. Schwierig empfinde er, dass Guben relativ weit entfernt von Potsdam liege. Vom Landesentwicklungsplan sei er in diesem Zusammenhang enttäuscht. Dieser habe zu wenig die Provinz im Blick.

 Volker Güldner wollte wissen, was mit der Hygienepapierfabrik wird.
Volker Güldner wollte wissen, was mit der Hygienepapierfabrik wird. FOTO: Roswitha Werner

Angesprochen wurden noch viele Aspekte. Peter Stephan machte sich für den Erhalt solcher Kleinode wie dem Touristenstützpunkt stark, Daniel Münschke sprach die Unterschiede beim Lohn zwischen Ost und West an. Und Werner Fuchs wollte wissen, wie es um die Mitverwaltung von Schenkendöbern durch Guben steht. Hier werden durch die Gemeinde verschiedene Optionen geprüft, berichtete der Vorsitzende der Gemeindevertretersitzung, Ralph Homeister. Fred Mahro machte sich für die Ansiedlung einer medizinischen Fachschule in Cottbus stark. Dies sei nachhaltiger als der Umzug eines Ministeriums.

Am Ende blieb eine Erkenntnis: Der bevorstehende Strukturwandel wird ein langwieriger und komplexer Prozess, der aber von Guben und Schenkendöbern durchaus als Chance betrachtet werden kann. Und dass es noch manche Diskussionsrunde geben könnte, in der man sich diesem Thema widmet.