ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:01 Uhr

Guben
AfD-Kandidat läuft sich warm

Daniel Münschke (l.) tritt für die AfD bei der Bürgermeisterwahl in Guben an. Der 38-jährige Vermögensberater spielt beim BSV Fußball.
Daniel Münschke (l.) tritt für die AfD bei der Bürgermeisterwahl in Guben an. Der 38-jährige Vermögensberater spielt beim BSV Fußball. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Daniel Münschke spielt beim BSV Fußball und will Gubens neuer Bürgermeister werden. Von Silke Halpick

Die Alternative für Deutschland (AfD) schickt den 38-jährigen Daniel Münschke für die Bürgermeisterwahl ins Rennen. Der gebürtige Gubener lebt in Cottbus, hat aber den Kontakt in die Neißestadt, seine „wahre Heimat“, wie er sagt, nie verloren. Hier spielt er auch Fußball beim BSV.

Münschke sieht Guben meist viel zu negativ in der Öffentlichkeit dargestellt. „Zu unrecht“, wie er findet. Als Beispiel nennt er die Posse um den Apfelkönig. Um das Image der Stadt aufzupolieren, „etwas zurückzugeben“ und den „Stillstand der letzten Jahre“ zu beenden, will er nun Bürgermeister werden.  Schon vor vier Jahren trat er bei der Landtagswahl für die AfD an, scheiterte aber in seinem Cottbuser Wahlbezirk.

Sollte Daniel Münschke die Bürgermeisterwahl in Guben gewinnen, wäre er das erste Stadtoberhaupt mit AfD-Mandat im gesamten Land Brandenburg. Ganz dicht dran war schon Detlef Frye im Amt Lebus (Märkisch-Oderland). Allerdings wurde dort die Bürgermeisterwahl Ende 2017 von der Kommunalaufsicht nachträglich für ungültig erklärt, weil sie im Vorfeld nicht ordnungsgemäß auf der Tagesordnung stand.

Als „Rechter“ sieht sich Daniel Münschke nicht. Seine Glatze sei der eigenen Eitelkeit und dem mangelnden Haarwuchs geschuldet. Er stehe „in der Mitte der Partei“, wie er betont. 2013 ist er in die AfD eingetreten, zuvor war er Mitglied der SPD. Diese verließ er, weil er unzufrieden war, auch mit der EU-Finanzpolitik.

Finanzen – das ist Münschkes Metier. Der 38-Jährige verdient sein Geld als selbstständiger Vermögens- und Unternehmensberater. Derzeit absolviert er einen berufsbegleitenden Bachelor-Studiengang für Business Management und Verwaltungsbetriebswirtschaft an der Technischen Akademie Wuppertal in Cottbus. Er berät Privatpersonen und Unternehmen.

Sein selbst gestecktes großes Ziel ist, den demografischen Wandel zu stoppen und neue Arbeitsplätze in Guben zu schaffen. Wie er das erreichen will, das verrät Münschke allerdings nicht. Erst bei der Präsentation seines Wahlprogrammes in zwei Wochen wolle er mit seinen Ideen an die Öffentlichkeit gehen, kündigt er im RUNDSCHAU-Gespräch an. „Ressourcen“ bescheinigt er auch dem Gubener Haushalt und der Verwaltung, aber konkreter wird er auch bei diesen Themen nicht.

Schon um die Kandidatur ihres Kandidaten hatte der AfD-Kreisverband ein Geheimnis gemacht. Eine RUNDSCHAU-Anfrage an die AfD wurde nicht beantwortet, auf der Internetseite bis zuletzt auf später verwiesen auch als die Personalie längst feststand. Dem Kreisvorsitzenden Steffen Kubitzki zufolge war das „Taktik“, um die Kandidaten, die ja keine Berufspolitiker seien, zu schützen. Jeder wolle schließlich dann mit ihnen sprechen. Kubitzki selbst kandidiert für den Landratsposten. Andere Parteien wie die CDU und Die Linke hatten zu ihren Nominierungsveranstaltungen teilweise auch öffentlich eingeladen.

Im Fall eines Wahlsieges wäre Daniel Münschke in Guben mindestens ein Jahr lang ein Bürgermeister ohne eigene Hausmacht. Denn die AfD ist in der Stadtverordnetenversammlung bislang nicht vertreten. Münschke will fraktionsübergreifend Mehrheiten finden. Angst, ins Abseits zu geraten wie  der ehemalige Forster Bürgermeister Phillip Wesemann (SPD) habe er nicht. Er bezeichnet sich selbst als „robust“ und „Realist“.

Bei der Bundestagswahl haben 25,8 Prozent der Gubener der AfD ihre Zweitstimme gegeben. Mit „ähnlich guten Ergebnissen“ rechnet der AfD-Kreisvorsitzende Steffen Kubitzki auch bei den Kommunalwahlen im Herbst 2019. Danach will die Partei mit Fraktionen in allen drei größeren Stadtparlamenten in Spree-Neiße vertreten sein. AfD-Ortsverbände gibt es nicht, der Kreisverband hat rund 50 Mitglieder, Hochburg ist Spremberg.