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| 08:03 Uhr

Gubens Bürgermeister zieht Bilanz zum Stadtumbau
Die Stadt muss schrumpfen

 Der Abriss in der Leonhard-Frank-Straße war umstritten. Vor allem, weil die GWG-Gebäude in der Nachbarschaft stehen bleiben, während die Guwo-Bauten fallen mussten.
Der Abriss in der Leonhard-Frank-Straße war umstritten. Vor allem, weil die GWG-Gebäude in der Nachbarschaft stehen bleiben, während die Guwo-Bauten fallen mussten. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Seit 2003 sind nahezu 2700 Wohnungen sind aus Guben verschwunden. Das Stadtgebiet ist zu groß, um die Infrastruktur zu erhalten, sagt Bürgermeister Mahro. Von Daniel Schauff

Große Stadt = schlechte Gehwege. Eine kühne Gleichung, die Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) in den Raum wirft. Er lässt sie allerdings nicht ununtermauert im Raum stehen.

Im Zuge seines Rückblicks über das erste Jahr als gewählter Bürgermeister beschäftigt sich Mahro mit dem Thema Wohnen in Guben. Ein brisantes Thema angesichts des massiven Rückbaus.

Nahezu 2700 Wohnungen sind seit 2003 aus der Stadt verschwunden. Das sind die Zahlen, die Mahro liefert. Abriss kostet – dem Verwaltungschef zufolge sind acht Millionen Euro aus Guben bis 2010 in den Abriss geflossen. Zwar wird der gefördert, die Wohnungsgesellschaften bleiben nicht allein auf den Kosten sitzen. Allerdings gibt es auch nicht förderfähige Kosten. Und die haben die Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) vor knapp neun Jahren in eine schwierige wirtschaftliche Lage manövriert. Die Lösung: den Abriss bremsen.

Abriss von weniger als 100 Wohnungen pro Jahr

Seit 2006 werden laut Mahro weniger als 100 Wohnungen pro Jahr in Guben abgerissen. Heißt einerseits: Weniger Gubener müssen um ihr Zuhause bangen, heißt aber auch andererseits: Die Stadt schrumpft zu langsam. „Es gelingt uns nicht signifikant, den urbanen Raum in der Stadt zu verringern um die finanziellen Möglichkeiten der Stadtverwaltung zu konzentrieren“, so der Bürgermeister. Das führe zu einer Verschlechterung der Infrastruktur – zu der eben auch die Gehwege der Stadt gehören. Während etwa die Flemmingstraße saniert wurde, blieben die Gehwege in gewohnt schlechtem Zustand. Es fehlte an Geld.

Die Lage ist verzwickt: Den Rückbau sehen vor allem Betroffene kritisch, Beispiel Leonhard-Frank-Straße. Die Bewohner hatten jeden Strohhalm ergriffen, um die Stadt zu überreden, den Abriss abzusagen. Infrastrukturelle Problemfälle sind gleichermaßen Grund für Kritik an der Stadtverwaltung. Einwohnerfragestunden und Bürgerversammlungen liefern den Beweis. Gehwege und Straßenschäden sind regelmäßig Thema.

Gleichzeitig hält Mahro auch positive Nachrichten bereit: Die bislang schnelle Alterung der Gubener Stadtgesellschaft sei gebremst worden. Grund: Sowohl kann die Stadt eine Reihe von Zuzügen – vor allem aus Polen – verzeichnen, andererseits kehren laut Mahro mehr Menschen, die einst Guben verlassen haben, wieder zurück an die Neiße. Den Wohnraum in Guben füllen die aber nicht. „Unser Bestand an leerstehendem Wohnraum ist weiter zu hoch“, so Mahro. Leere Wohnungen, ein zu großes Stadtgebiet. Die Strategie der Stadt ist eindeutig: Gestärkt wird vor allem die Innenstadt.

Der Stadtverwaltung zufolge wächst die Altstadt Ost seit 2012, nachdem sie damals den „statistischen Tiefpunkt der Einwohnerentwicklung“ erreicht hatte. Die Altstadt West sei das stabilste Wohnquartier. Besonders stark seien die Einwohnerzahlen im Wohnkomplex (WK) IV zurückgegangen. Abgerissen wurden Wohnungen vor allem in den WK I, II und IV. Dass die Altstadt immer weiter aufgewertet werden soll und die Ausmaße des Stadtgebiets kleiner werden sollen, stößt nicht nur auf Verständnis. Viele Bewohner schätzen vor allem die Wohnungen in Wohnblöcken, können mit den Altbauten im Innenstadtbereich wenig anfangen.

Neubau trotz Abriss

Dass Mahro auch den Neubau als Strategie für Gubens Zukunft nennt, überrascht angesichts der Tatsache, dass die Stadt eigentlich nicht schnell genug schrumpft. Trotzdem: der Verwaltungschef sieht neue Wohnungen, die den Bedürfnissen potenzieller Zuzügler entsprechen, als notwendig an. Dazu kommen Investitionen in erhaltenswerte Wohnbausubstanz – siehe Frankfurter Straße. Die Guwo steckt Geld in Fassade und Balkone für ein Wohngebäude. Die Gubener Wohnungsbaugenossenschaft tut das in der Gerhard-Hauptmann-Straße – im Umfeld der Abrisskulisse. Seit 2009 allerdings baut nur noch die Guwo zurück.

Nicht zuletzt das stößt vom Rückbau betroffenen Mietern sauer auf. Hintergrund ist ein deutlich geringerer Leerstand bei der GWG als bei der Guwo. Trotzdem sitzt die GWG beim Stadtumbau mit im Boot. „Unabhängig von dem unterschiedlichen Tempo im Rückbau zwischen Guwo und GWG arbeitet die Projektgemeinschaft konstruktiv“, urteilt Mahro.