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| 16:09 Uhr

Politik
Trauer um Gubens Bürgermeister

So kannten viele Gubener ihren ehemaligen Bürgermeister: Klaus-Dieter Hübner (M.) empfängt im Jahr 2009 Fördermittel in Höhe von 59 Millionen Euro für den Stadtumbau.
So kannten viele Gubener ihren ehemaligen Bürgermeister: Klaus-Dieter Hübner (M.) empfängt im Jahr 2009 Fördermittel in Höhe von 59 Millionen Euro für den Stadtumbau. FOTO: B.Remus
Guben. Der streitbare FDP-Politiker Klaus-Dieter Hübner ist im Alter von 66 Jahren verstorben. Von Silke Halpick

Wann endlich das Hausverbot gegen den Gubener Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner aufgehoben wird, hatte erst Anfang Dezember einer seiner Anhänger auf der Stadtverordnetenversammlung wissen wollen. Solche und ähnliche Fragen werden seit der Bürgermeisterwahl immer wieder gestellt. Klaus-Dieter Hübner galt als einer der schillerndsten und umstrittensten Politiker in der Neißestadt. In der Nacht zu Mittwoch ist der FDP-Mann im Alter von nur 66 Jahren gestorben.

„Ich bin tief betroffen über den plötzlichen Tod von Herrn Hübner. Mein tiefes Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden seiner Familie“, sagt Fred Mahro als sein Stellvertreter und aktuell amtierender Stadtchef. Mahro ist eigenen Angaben zufolge am Mittwoch persönlich durch einen Familienangehörigen über den Tod Hübners unterrichtet worden. Auch die Stadtverwaltung „trauert in stillem Gedenken“, wie es in einer offiziellen Mitteillung heißt.

Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU) erklärt: „Mit tiefem Bedauern habe ich Kenntnis vom viel zu frühen Tod von Herrn Klaus-Dieter Hübner genommen. Meine Gedanken und mein Mitgefühl gelten der trauernden Familie.“ Die Fraktion „Wir Gubener Bürger“ spricht ebenfalls den Angehörigen ihre Anteilnahme aus. „Trotz aller Kritik an der Amtsführung der letzten Jahre ist anzuerkennen, dass durch Entscheidungen von Herrn Hübner in seinen ersten Amtsjahren das Stadtbild wesentlich geprägt worden ist“, betont Fraktionschef Frank Kramer.

„Er war Zeit seines Lebens ein streitbarer Charakter, dem es aber stets gelang, die Mehrheit der Menschen um ihn herum für sich und seine Ideen zu begeistern“, sagt Felix Sicker, Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes Lausitz.

Erstmals zum Bürgermeister der Stadt Guben wurde Klaus-Dieter Hübner im Jahr 2001 gewählt. Viele Bürger sehen in ihm den „Macher“. In seiner Amtszeit wurden zahlreiche Prestigeprojekte realisiert. Die mit Fördermillionen sanierte Altstadt begeistert Einheimische und Gäste. Hübner holte Gunther von Hagens mit dem nicht unumstrittenen Plastinarium an die Neiße, von dem sich damals die Menschen zahlreiche Arbeitsplätze erhofften. 

Das Verhältnis zu den Stadtverordneten war hingegen angespannt. So hatte Hübner 2005 gegen das eigene Parlament geklagt, weil er als Bürgermeister auch weiterhin allein bei städtischen Verkaufsabschlüssen unter einem Volumen von 5000 Euro entscheiden wollte. Seine Kritiker verweisen auch immer wieder darauf, dass der Schuldenstand der Stadt während seiner Amtszeit von etwa zwei Millionen Euro auf fast 30 Millionen Euro zum Zeitpunkt seiner Suspendierung angestiegen sei.

Den Bürgermeisterstuhl räumen musste Hübner Ende 2011. Der Grund waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Korruption und Bestechlichkeit. Als Rathaus­chef hatte er in den Jahren 2005 bis 2012 städtische Aufträge an ein Gubener Gartenbauunternehmen vergeben, das ihm im Gegenzug kostenlos das Wochenendgrundstück pflegte. Zudem ließ er private Anwaltskosten aus der Stadtkasse begleichen und parkte sein Auto kostenlos in der Dienstgarage.

Der Prozess vor dem Landgericht Cottbus gegen Klaus-Dieter Hübner begann im Februar 2014. Die Richter verurteilten ihn wegen Bestechlichkeit und Untreue im Amt zu 18 Monaten Haft auf Bewährung. Hübner legte Revision ein, scheiterte damit aber. Das Urteil wurde im Jahr 2016 vom Bundesgerichtshof bestätigt.

Für viele überraschend trat der FDP-Mann bei den Bürgermeisterwahlen 2016 in Guben wieder an. Ermöglicht wurde ihm die Kandidatur durch eine Lücke im Brandenburger Kommunalwahlgesetz. Diese wurde erst 2017 geschlossen. Die Sensation folgte prompt: In der Stichwahl setzte sich Klaus-Dieter Hübner gegen die Gegenkandidatin Kerstin Nedoma (Linke) mit 58 Prozent der Stimmen durch.

Allerdings blieb dem gewählten Bürgermeister der Zutritt zum Gubener Rathaus weiterhin verwehrt. Die Stadtverordneten erteilten ihm Hausverbot, der Landrat leitete ein neues Disziplinarverfahren gegen ihn ein.

Protest-Demos vor dem Rathaus folgten. Hübner-Anhänger forderten immer wieder, den Weg für den Wahlsieger endlich freizumachen. Die Bürgerinitiative „Gläsernes Rathaus“ wurde gegründet, die eigenen Aussagen zufolge für mehr Transparenz in der Kommunalpolitik sorgen will. Hübner selbst ließ sich bei solchen Aktionen nicht blicken. Schon seit einiger Zeit wirkte der einstige Macher gesundheitlich sichtbar angeschlagen.