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| 14:05 Uhr

Ausstellung
Alte Menschen im Fokus

Rita Preuß (l.) und Marion Schütt haben die hochbetagten Senioren, die alle in Brandenburg leben, porträtiert.
Rita Preuß (l.) und Marion Schütt haben die hochbetagten Senioren, die alle in Brandenburg leben, porträtiert. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Wanderausstellung des Familienministeriums zeigt 18 Porträts in der Gubener Klosterkirche. Von Silke Halpick

18 Porträts von Menschen über 90 Jahren sind aktuell in der Klosterkirche in Guben zu sehen. Für die Ausstellung sind die Publizistin Rita Preuß und die Fotografin Marion Schütt durch Brandenburg gereist, haben mit zehn Frauen und acht Männer gesprochen. Entstanden sind beeindruckende Bilder und Interviews, die persönliche Biografien erzählen und ein Stück Zeitgeschichte sind.

„Ein Gubener ist leider nicht darunter“, räumt Preuß ein. Das sei eigentlich schade, gibt sie im Nachhinein zu. Zumal die Wanderausstellung ihre Premiere an der Neiße erlebt. Allerdings habe sich die „Rekrutierung“ von Bereitwilligen auch als gar „nicht so einfach“ erwiesen, wie die Kunsthistorikerin erzählt. Gelungen ist es letztlich durch Erfahrung und Netzwerksarbeit der beiden Macherinnen. Preuß und Schütt sind vor allem durch ihre Porträtserien zu Hundertjährigen in Berlin bekannt.

Nun waren sie anderthalb Jahre in der Provinz unterwegs, haben „Brandenburg, die Landschaften und Dörfer kennengelernt“, so Preuß. „Manchmal wurden wir auch von Einwohnern angesprochen“, erzählt sie. „Sie sehen so nett aus, wollen sie nicht hier leben, wurden wir gefragt.“ Doch das kommt für die Bremerin, die jetzt in Berlin lebt, nicht infrage. „Fürs Land muss man schon geboren sein“, vermutet sie.

Als „Aha-Effekt“ nimmt Preuß allerdings die Erkenntnis mit, dass fast alle Interviewten noch zu Hause wohnen. Einige werden von Nachbarn und Angehörigen unterstützt, andere leben sogar mit den Enkelkindern zusammen. „Das generationsübergreifende Wohnen steckt in Brandenburg ja noch in den Kinderschuhen“, sagt die Texterin. In Großstädten gehören solche alternativen Formen des Zusammenlebens bereits zum Alltag.

In der Ausstellung erzählen die Männer und Frauen unter anderem, wie sie den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. „Als junger Kerl hatte ich keine Jugend, mein Leben bestand nur noch aus Pflichten“, sagt Erwin M. aus Sielow (bei Cottbus). 1942 musste er die Wirtschaft übernehmen, sein Vater wurde eingezogen. Er selbst war da gerade 17 Jahre.

Der ehemalige DEFA-Kameramann Roland W. aus Freidorf (Halbe) im Dahme-Spreewald-Kreis gibt ganz offen zu, dass er noch immer von der sozialistischen Idee überzeugt sei. Gemeinsam mit Wilfried Junge hatte er zu DDR-Zeiten die Langzeitdokumentation „Die Kinder von Goltzow“ gedreht. Heute lebt er mit seiner Frau auf dem Land. „Stadt ist für mich kein Leben.“

„Als die LPG kam, mussten wir unser Vieh umsonst abgegeben und den Grundbesitz, da wir mehr als zehn Hektar Land besaßen“, erinnert sich Anna T. aus Dissen (Spree-Neiße) an die DDR-Zeit. Bei der Frühschicht musste sie „um dreie“ aufstehen und 53 Kühe melken. Das sei harte Arbeit gewesen. Noch immer wohnt noch sie auf dem Bauernhof ihrer Eltern.

Auf die Frage, was früher besser war, antwortet Käthe L. aus Vetschau (Oberspreewald-Lausitz): „Das Gesundheitswesen. Was ist denn jetzt? Da ist doch keine Zeit für den Patienten mehr!“ Besser finde sie hingegen die „Auswahl an Lebensmitteln“, wobei sie drauf achte, „aus unserer Region“ zu kaufen. Kritik übt sie an der Gesellschaft: „Die Menschen machen sich selber kaputt durch diese Hektik und dieses immer mehr haben.“

Ziel der Ausstellung ist, die Lebenssituation der alten Menschen darzustellen.  Gezeigt wird ein breites Spektrum – vom Komponisten bis hin zum gelernten Bauschlosser. Ganz bewusst werden auch aktuelle Probleme (Hildegard P. aus Templin: „Wer nicht kommt, ist der Bus!“) benannt.