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| 15:01 Uhr

Stadtumbau in Guben
Ärger um Abrissblöcke

 Johann Staudinger steht dort, wo einst ein Wohnblock in der Leonhard-Frank-Straße stand. Die Abrissarbeiten hatten angefangen, ohne dass die erforderliche artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vorlag. Unterstützung bekommt Staudinger vom Gubener Stadtverordneten Werner Fuchs (SPD/Grüne).
Johann Staudinger steht dort, wo einst ein Wohnblock in der Leonhard-Frank-Straße stand. Die Abrissarbeiten hatten angefangen, ohne dass die erforderliche artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vorlag. Unterstützung bekommt Staudinger vom Gubener Stadtverordneten Werner Fuchs (SPD/Grüne). FOTO: LR / Daniel Schauff
Naturschützer entsetzt: Die Arbeiten starteten ohne notwendige Genehmigung.

Johann Staudinger hat Strafanzeige erstattet. Staudinger ist Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Cottbus. Und Staudinger sagt: Die drei Abrissblöcke in der Leonhard-Frank-Straße hätten gar nicht abgerissen werden dürfen. Zumindest noch nicht.

Der Grund: Als die Abrissarbeiten starteten, lag keine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vor. Die ist notwendig, wenn durch einen Abriss geschützte Tierarten wie Vögel oder Fledermäuse ihre Nist- und Lebensstätten verlieren. Die Ausnahmegenehmigung hatte das Ingenieurbüro NUB aus Felixsee auf Grundlage eines eigenen Gutachtens bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Spree-Neiße im März zwar beantragt, vorgelegen hat die aber erst am 13. Juni. Da lagen große Teile der Bauten bereits in Schutt und Asche, ein Wohnblock war bereits ganz verschwunden.

Dohlen und Mauersegler

Vor allem Dohlen und Mauersegler waren es, die das Ingenieurbüro dazu verlasst haben, beim Landkreis eine Ausnahmegenehmigung zu beantragen. Das Gutachten liegt der RUNDSCHAU vor. Ebenso eine Reaktion auf selbiges vom Landesbüro der anerkannten Naturschutzbehörden BUND, Nabu, Grüne Liga, Die Naturfreunde und SDW. Sie werden im Antragsverfahren einer artenschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung beteiligt und listen eine ganze Reihe von Kritikpunkten am Gutachten aus dem Ingenieurbüro.

So bemängeln die Naturschutzverbände unter anderem, dass die Begehungen im Rahmen der Erstellung des Gutachtens im Juli und August des vergangenen Jahres nicht zur Zeit des Sonnenaufgangs stattgefunden hätten. Somit, so heißt es in dem Schreiben der Verbände an die Untere Naturschutzbehörde, hätten einfliegende Mauersegler und ausfliegende Fledermäuse gar nicht erfasst werden können. Ende Juli gab es laut Gutachten eine Begehung in den Morgenstunden, Anfang Juli sowie Ende August nur am Nachmittag und am späten Abend. Zudem sei davon auszugehen, dass dort, wo Mauerseglerbruten zu finden sind, auch Sperlingsniststätten zu finden seien. Die allerdings brüten im April, heißt es im Schreiben der Verbände. Untersucht wurden die Gebäude allerdings erst ab Juni 2018.

40 statt 20 Nistkästen

Statt der im Gutachten vorgeschlagenen 20 Nistkästen seien mindestens 40 als Ersatzmaßnahme notwendig, fordern die Naturschutzverbände. Auch gehe man davon aus, dass in dem Gebäude Fledermäuse lebten, heißt es weiter. Im Gutachten ist von jagenden Fledermäusen die Rede, Nachweise, dass sich Fledermäuse im Gebäude einquartiert hatten, gab es dem Ingenieurbüro zufolge nicht. Die Naturschutzverbände fordern in ihrem Schreiben an den Landkreis die Baubegleitung durch einen „qualifizierten Fachexperten“. Als das Schreiben jedoch den Landkreis erreicht, sind die Arbeiten längst im vollem Gange.

Das rügt die Untere Naturschutzbehörde. Auf Anfrage heißt es, es sei zum aktuellen Zeitpunkt nicht erkennbar, dass mit der Baumaßnahme geschützte Tierarten selbst oder aktives Brutgeschehen beeinträchtigt würden. Der Vorhabenträger habe weitere über die Untersuchungsergebnisse hinausgehende Auflagen zur Schaffung von Ersatzlebensräumen erhalten. Die Auflagen berücksichtigten weitgehend die Forderungen der Naturschutzverbände.

Keine Stellungnahme von Ingenieurbüro

Das allerdings sieht Staudinger anders. So sehe die Untere Naturschutzbehörde weiterhin 20 Nistkästen als ausreichend an. Dazu kommen zwei Kästen für Haussperlinge, zwei Ersatzquartiere für Fledermause und zwei Nisthilfen für Dohlen. Eine fachliche Begleitung der Maßnahme setzt der Landkreis voraus. Die, so heißt es von der Unteren Naturschutzbehörde, erfolge laut Unterlagen zum Baufortschritt. Der Antragssteller habe aus seiner Kenntnis vorhergehender Abbruchverfahren bereits vorbeugend reagiert und vor Beginn des Brutgeschehens in diesem Jahr alle erforderlichen Maßnahmen zum Artenschutz veranlasst. „Das Abbruchunternehmen hat von Beginn der Maßnahme darüber Kenntnis, dass bei Auffinden von Individuen sowie Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Arten die Arbeiten sofort einzustellen sind und die Bauleitung zu informieren ist“, stellt die Untere Naturschutzbehörde klar.

Das zuständige Ingenieurbüro hat die Bitte um Stellungnahme der RUNDSCHAU nicht beantwortet.

 Johann Staudinger steht dort, wo einst ein Wohnblock in der Leonhard-Frank-Straße stand. Die Abrissarbeiten hatten angefangen, ohne dass die erforderliche artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vorlag. Unterstützung bekommt Staudinger vom Gubener Stadtverordneten Werner Fuchs (SPD/Grüne).
Johann Staudinger steht dort, wo einst ein Wohnblock in der Leonhard-Frank-Straße stand. Die Abrissarbeiten hatten angefangen, ohne dass die erforderliche artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung vorlag. Unterstützung bekommt Staudinger vom Gubener Stadtverordneten Werner Fuchs (SPD/Grüne). FOTO: LR / Daniel Schauff