Die Schüler wurden von Mitgliedern des Vereins Gubener Tuche und Chemiefasern durch die Ausstellungen des ehemaligen Chemiefaserwerkes und zur Geschichte der Gubener Tuchmacher geführt. Angelika Schröder vom Verein erklärte beispielsweise, wie eine alte Webmaschine funktioniert.

Dort durften die Schüler auch selbst einmal Hand anlegen. "Ach, das ist ja ganz einfach", sagte Sophie Motschalow. Klassenlehrerin Kerry Wahnig betonte, dass, wenn die Arbeiter den ganzen Tag an dieser Maschine standen, die Arbeit doch sehr anstrengend sein musste. Da wurden die Grundschüler dann doch etwas kleinlaut. "Heute kann diese alten Maschinen kaum noch jemand bedienen", wusste Angelika Schröder.

Die Grundschüler erfuhren zudem viel über die industrielle Geschichte der Stadt Guben, zum Beispiel, dass die einstige Gubener Wolle im Jahr 1965 eine Goldmedaille auf der Leipziger Messe für ihre Produkte erhielt. "Das ist wie bei einer Olympiade, Gold für die Besten", sagte die Klassenlehrerin den staunenden Schülern. Und die mussten tatsächlich richtig aufpassen, denn was sie erfuhren, wurde im anschließenden Quiz getestet.

Ein Höhepunkt des Vormittages war die Vorführung eines Filmes zur Geschichte. Historische Bilder und Filmaufnahmen weckten das Interesse. Dass im Jahr 1985 35 000 Menschen in Guben lebten, weckte ebenso das Erstaunen der Schüler wie alte Fotografien vom Dreieck und der Berliner Straße. "Es ist wirklich wie eine Zeitreise. Ich habe auch erst nach genauem Hinschauen die Karl-Marx-Straße erkannt, in der ich aufgewachsen bin", erzählte die Lehrerin.

Wer wollte konnte im Anschluss auch einen schweren Wollmantel aus Gubener Tuche anprobieren. "Es ist wirklich interessant, zu erfahren, wie die Stoffe aussahen und wie sie hergestellt wurden", gab Marc Schnierstein zu. Und das Anschauen der alten Musterkarten war für einige "wie Stoffe fürs Sofa aussuchen".

"Wir wollen den Schülern die Geschichte von Guben nahe bringen und dabei vor allem auf die Industrie eingehen", erklärte René von Quennaudon vom Verein Gubener Tuche und Chemiefasern das Projekt. Ein positiver Nebeneffekt sei, dass auch mehr Besucher in die Ausstellungen gelockt werden. "Denn die Kinder erzählen zu Hause davon", so von Quennaudon.