Konzentriert verfolgt Landestrainerin Tatjana Melamed die Züge ihres Schützlings Benjamin Wagner. Aus dem Gedächtnis bewegt er Schritt für Schritt die weißen und schwarzen Figuren über das Schachbrett und stellt die Partie nach. Nach- dem über drei Stunden dauernden Spiel kann sich der Zwölfjährige noch sehr genau an die Züge der gewonnenen Partie erinnern. Gibt es Lücken, schaut er auf den Spielbericht, auf dem die Schachspieler ihre und die gegnerischen Züge dokumentieren.

Ganz so gut lief es bei Malte Hundrieser, der genau wie Benjamin Wagner zum Kader der Landesschachjugend Sachsen-Anhalt gehört, nicht. Er verlor in der sechsten Runde der Gubener Neujahrs-Open gegen einen stärkeren Gegner. "Irgendwann merkt man, dass die Partie verlorengehen wird. Dann versuche ich zwar, noch zu kämpfen, aber es ist schwierig, dann noch zu gewinnen", erklärt der Elfjährige.

Seit fünf Jahren sind die Mitglieder des Kaders der Landesschachjugend, die teilweise bei der Jugendweltmeisterschaft bereits angetreten sind, regelmäßig zu Gast. "Die Wettkampfbedingungen sind hier einfach optimal und bei uns sind noch Ferien", lobt Landestrainerin Tatjana Melamed das größte Turnier dieser Art in Brandenburg.

Organisiert werden die Neujahrs-Open von der Schachabteilung des Sportvereins Chemie Guben seit 19 Jahren. "Unser Turnier hat sich zu einer festen Größe entwickelt und wir freuen uns, dass wir allen Altersklassen etwas bieten können und eine sehr große Bandbreite beim Leistungsniveau anbieten können", erklärt Organisator Harry Thiel.

In insgesamt neun Runden wird der Sieger des Turniers aus mehr als 100 Teilnehmern ermittelt. Jede Runde kann bis zu fünf Stunden dauern, weswegen das komplette Turnier an fünf aufeinanderfolgenden Tagen stattfindet. Jeweils vormittags, zwischen neun und 14 Uhr, und nachmittags, ab 15 Uhr, wird in drei Räumen des Hotel Waldow gespielt.

Unter der bunten Silvesterdekoration herrscht in dieser Zeit konzentrierte Stille, nur das Klicken der Schachuhren ist zu hören, Trainer begutachten die Spielzüge ihrer Schützlinge. Die siebenjährige Vera Marie Krejci wartet auf den Zug ihres Gegners, der vom Alter her ihr Vater sein könnte. Ihr Kontrahent nimmt sich Zeit, überlegt lange und drückt den Knopf der Schachuhr, die anzeigt, wie lange er noch Zeit hat für seine Züge.

Insgesamt 120 Minuten hat jeder Spieler für seine Züge. Ist sie abgelaufen und hat ein Spieler noch nicht 40 Züge vollzogen, hat er automatisch verloren, so besagen es die Regeln des Internationalen Schachverbandes FIDE, nach denen in Guben gespielt wird. Am Ende hat es für die jüngste Teilnehmerin des Turniers nicht zu einem Sieg gereicht, auf das erzielte Remis ist sie aber sichtlich stolz. Denn das ist das gleiche Ergebnis, dass ihre Mutter Vera Medunova erzielt hat, und die ist schließlich seit vielen Jahren Internationale Meisterin.

Ergebnisse des Turniers und weitere Informationen unter www.schach-guben.de