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Große Bühne für kleine Geigerin

Die Geige ist das Lieblingsinstrument von Selina Werner aus Krayne (Gemeinde Schenkendöbern). Die Zwölfjährige tritt regelmäßig beim Jugend-musiziert-Wettbewerb an und spielt am Montag zusammen mit dem Brandenburgischen Staatsorchester.
Die Geige ist das Lieblingsinstrument von Selina Werner aus Krayne (Gemeinde Schenkendöbern). Die Zwölfjährige tritt regelmäßig beim Jugend-musiziert-Wettbewerb an und spielt am Montag zusammen mit dem Brandenburgischen Staatsorchester. FOTO: Stefan Csevi
Guben/Krayne. "Junge Klassiker am Start" ist eine neue Konzertreihe des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder). Dabei dürfen vier ausgewählte Nachwuchstalente zusammen mit den Profis musizieren. Auf der Bühne steht am Montag auch die Violinistin Selina Werner aus Krayne. Silke Halpick

Nur noch zwei Tage. Dann geht für Selina Werner ein großer Traum in Erfüllung: Die Zwölfjährige wird auf der Bühne der Konzerthalle "Carl Philipp Emanuel Bach" stehen. Hier ist die Heimstatt des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder). Hier traten schon Musikgrößen wie Ludwig Güttler, Gisela May oder das Royal Philharmonic Orchestra auf.

Selina Werner wird am Montag Joseph Haydns Allegro moderato aus dem Violinkonzert G-Dur vortragen. "Acht bis neun Minuten dauert das Stück", erzählt ihre Mutter Madlen Werner. Sie ist schon aufgeregter als die Tochter. Als Solistin muss Selina Werner die Partitur beherrschen, auch ohne Blick in die Notenblätter.

"Wir ergründen in den Proben jeden einzelnen Ton, jede Klangfarbe und Phrasierung", sagt Musiklehrerin Anja Hawlitzki. Auch sie wird im Publikum sitzen. Als "einmalige Chance" bezeichnet sie den Auftritt. "Da ist höchste Professionalität gefordert", betont sie.

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) will mit diesem besonderen Konzert, das künftig regelmäßig stattfinden soll, junge, besonders begabte Musiker fördern. Neben Selina Werner werden Johanna Krech (Klarinette), Macej Smolag (Klavier) und Konstantin Thiersch (Pauken) zu hören sein. Gespielt werden Stücke der Wiener Klassik.

Als Berufsmusikerin in einem großen Orchester zu spielen, das ist auch Selinas Traum. Bereits seit ihrem vierten Lebensjahr spielt sie der Geige. "Andere Mädchen haben mit Barbies gespielt, ich musste Selina die Geige aus der Hand nehmen, damit sie überhaupt mal spielen geht", erzählt ihre Mutter schmunzelnd. Woher das musikalische Talent ihrer Tochter stammt, sei ihr allerdings ein Rätsel.

Madlen Werner beherrscht jedenfalls kein Instrument, singt aber bereits seit vielen Jahren im Chor der Gubener Klosterkirche unter Leitung von Kantor Hansjürgen Vorrath. "Die Teilnahme an den Chorreisen ist bei uns schon zur Familientradition geworden", erzählt sie. Auf den Weg nach Ungarn in diesem Sommer hatten sich gleich drei Generationen gemacht: Oma, Mutter, Selina und ihr jüngerer Bruder.

Neben der Violine spielt die Zwölfjährige auch Klavier und Saxofon. Bereits mit fünf Jahren trat sie zum ersten Mal beim Wettbewerb "Jugend musiziert" an. Im März 2016 stand sie beim Landeswettbewerb im Duo mit Marlene Freitag (Klavier) auf der Bühne und errang einen ersten Platz. Für die Teilnahme am Bundeswettbewerb war sie allerdings noch zu jung.

"Selina ist außerordentlich talentiert", bestätigt ihre Lehrerin. Allerdings reiche Talent allein nicht. Es müsse auch regelmäßig und lange geübt werden. An der Gubener Musikschule bekommt die zwölfjährige Gymnasiastin Förderunterricht und kann ihre Fähigkeiten im Einzelunterricht sowie im Trio und im Zupf-Streich-Orchester schulen. "Eine Stunde täglich spiele ich mindestens", erzählt sie.

Ihr ganz großes Vorbild ist Star-Geiger David Garrett. Beim Livekonzert hat sie dem populären Musiker schon auf die Finger geschaut - und ist begeistert. "Seine Technik ist perfekt. Er spielt alle Doppelgriffe absolut sauber", erzählt sie. Ihn einmal persönlich zu treffen, das ist ein weiterer großer Traum der jungen Violinistin.

Doch am kommenden Montag steht erst einmal Selina Werner selbst auf der Bühne, gemeinsam mit dem Staatsorchester. Das Konzert beginnt um 16 Uhr. Die Karten kosten zehn Euro.

Zum Thema:
Die Musikschule "Johann Krüger" in Guben ist die einzige städtische Musikschule im gesamten Spree-Neiße-Kreis. Hier werden rund 440 Schüler in 27 Fächern unterrichtet. Bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert" sind die Gubener immer besonders erfolgreich. So nahmen im Mai 2016 fünf Schüler am Bundeswettbewerb in Kassel teil.