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| 02:36 Uhr

Grenzenlos ins neue Jahr gestartet

Bei der Einweihung des Zwischenbaus sprachen Stift-Rektor Stefan Süß und Bischof Hans-Jörg Voigt (v.l.).
Bei der Einweihung des Zwischenbaus sprachen Stift-Rektor Stefan Süß und Bischof Hans-Jörg Voigt (v.l.). FOTO: dsf
Guben/Gubin. Was ist der Unterschied zwischen einem Polen und einem Arzt? Die Antwort auf die Frage gab es bei der deutsch-polnischen Neujahrsbegegnung des Naemi-Wilke-Stifts. Dazu kamen viele Visionen für die Zukunft. Daniel Schauff

"It was a very good year”- "Es war ein sehr gutes Jahr”, sang einst Frank Sinatra. Ein Titel, der im Fall des Gubener Naemi-Wilke-Stifts wie die Faust aufs Auge passt. Kurz vor dem Ende des vergangenen Jahres kam die wichtige Nachricht aus Potsdam: Das 450 000 Euro teure Projekt "Gesundheit ohne Grenzen" erhält die erhoffte Förderung aus dem Interreg-Programm.

Das Herzstück des Projekts ist eine Machbarkeitsstudie zur grenzübergreifenden Gesundheitsversorgung. Noch werden Gubiner Notfallpatienten aus rechtlichen Gründen nach Zielona Góra transportiert, seitdem das Krankenhaus in Krosno (Crossen) geschlossen hat. Perspektivisch sollen sie ins Gubener Krankenhaus eingeliefert werden. Tschechien und Österreich machen es vor, Guben und Gubin wollen nachziehen.

Verwaltungschef Gottfried Hain nutzte die Gelegenheit der "Deutsch-Polnischen Neujahrsbegegnung" am Freitagvormittag, um das Projekt den geladenen Gästen näherzubringen. Dolmetscherleistungen, Sprachkurse, ein zweisprachiges Wegeleitsystem und ins Polnische übersetzte Informationsmaterialien sollen in den kommenden Jahren die Voraussetzung für eine grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung schaffen, so Hain. "Die Felsen, die auf diesem Weg zu überwinden sind, können auch zu Bausteinen im Haus Europa werden", sagte Hain und beschrieb damit eine Vision, die das Stift mit der Zusage der Fördermittel nun auf den Weg bringen kann.

Wie stark der deutsch-polnische Gedanke im Stift bereits jetzt gelebt wird, zeigten nicht nur die zahlreichen Gäste aus Gubin, die an der Begegnungsfeier zu Beginn des neuen Jahres teilgenommen haben. Auch der ausführliche Auftritt des Kabarettisten Steffen Möller, Wuppertaler und seit mehr als zwei Jahrzehnten Wahlpole, verlieh dem Thema des Treffens Nachdruck. "Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und einem Polen?", wollte Möller wissen. "Der Pole weiß, was dir fehlt", antwortete er selbst und brachte damit weit mehr als nur die deutschen Zuhörer zum Lachen.

Eigentlich, so Möller, gebe es wesentlich mehr Ähnlichkeiten als Unterschiede zwischen den Deutschen und den Polen. Eine Reise dorthin sei in jedem Fall lohnenswert. Auch, wenn man sich auf dreistündige Verabschiedungsrituale und dreitägige Hochzeitsfeiern einstellen müsse. Einen deutschen Gast erkenne man in Polen immer daran, dass er um Mitternacht die Party verlässt und womöglich nicht einmal tanzen könne.

Für die Gäste war Möllers Auftritt deutlich am Gelächter und Applaus hörbar der Höhepunkt der Neujahrsbegegnung - für Rektor Stefan Süß wird es wohl das Goldene Kronkreuz gewesen sein, das er für seine vielen Ämter und Aufgaben von Barbara Hauschild, Diakoniedirektorin der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, übergeben bekam. "Davon habe ich nichts gewusst", so Stefan Süß. Die Diakonie-Direktorin betonte, dass es sich bei dem Kronkreuz um ein Zeichen des Dankes handele, nicht um eine Auszeichnung. Die Liste der Dinge, für die sich die Kirche bei Süß bedanken müsse, sei jedoch zu lang, um sie vollständig aufzuzählen.

Mit einem Gottesdienst wurde im Anschluss an die Ehrung des Rektors der neue Zwischenbau eingeweiht, in dem sich neben Zimmern für die Ärzte der Orthopädie auch ein mit eigens angefertigen Kunstwerken ausgestatteter "Raum der Stille" befindet, in dem Angehörige etwa Abschied von Verstorbenen nehmen können, aber auch Begegnungen stattfinden und Seelsorge-Gespräche geführt werden.

Zum Thema:
Stift-Rektor Stefan Süß nutzte die Gelegenheit des Neujahrstreffens am Freitag, um den Friedrich-Wilke-Preis des Stifts und der Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche auszuloben. Gesucht werden Projekte in Deutschland und Osteuropa, deren Ausrichtungen innovativ und sozial sind. Bewerbungen sind bis Mitte des Jahres beim Naemi-Wilke-Stift möglich. Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert.