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Weinbergfest
Grano lockt weiter Besucher an

Grano. Das Weinbergfest in Grano ist längst Tradition. Und trotzdem ist dieses Jahr alles anders: Nicht mehr der Weinbauverein ist Gastgeber, sondern die Weingut Patke GbR aus Pillgram. Nachdem der Verein zehn Mal zum Fest eingeladen hatte, will der neue Betreiber an diese Tradition anknüpfen.

Ob es der Tradition, der Liebe zum Wein oder der Neugier auf den neuen Betreiber geschuldet war, blieb offen. Der Besucherandrang zum Langen Rücken jedenfalls nahm nicht ab. Immer wieder fuhr der Traktor-Shuttle Besucher von den Parkplätzen auf den Berg, immer wieder spazierten die Menschen den schmalen Weg hinauf auf den Berg. „Das Shuttle ist neu. Wir wollen, dass uns auch Leute, die nicht so gut zu Fuß sind, erreichen“, erklärte der geschäftsführende Gesellschafter der Weingut Patke GbR, Matthias Jahnke. Und er strahlte mit der Sonne um die Wette. „Schön, dass die Leute uns so gut annehmen und das Weinfest trotz Betreiberwechsel so gut besuchen. Schließlich kennen die meisten uns noch gar nicht.“ Einfach mal schauen wollten Gisela und Horst Schneeweiß. Sie sind fast in jedem Jahr zum Weinfest gekommen. „Mal schauen, wie die Neuen das organisieren“, sagte Horst Schneeweiß augenzwinkernd. Klar, dass das Ehepaar alles mitnahm: Zwiebelkuchen, Federweißer, Schmalzstullen – und die Führung durch den Weinberg. Die Führungen wurden von Lothar Müller und Karl-Heinz Schmolke vom Weinbauverein geleitet. Lothar Müller hatte jede Menge Wissenswertes zur Geschichte und zum Weinbau allgemein parat. „Ohne Chemie geht es beim Weinanbau nicht“, versicherte Lothar Müller. Vor allem, weil der Mehltau den Reben an die Substanz geht. Da müsse beizeiten vorgebeugt werden. Müller erinnerte sich, dass er sich einmal freute, dass noch alles in Ordnung war bei seinen hauseigenen Reben. Nur die einjährigen Triebe der Reben setzen Trauben an. Deshalb sei der Schnitt im späten Herbst oder im Winter an frostfreien Tagen wichtig.

Dagmar Langhammer war mit ihrer Bekannten an den Langen Rücken in Grano gekommen. Während Dagmar Langhammer die Trauben probierte – was beim Weinbergfest ausdrücklich erwünscht war – wollte ihr Bekannte einiges zum Weinanbau wissen, schließlich hatte sie im eigenen Garten drei Stöcke gepflanzt, die sie nun nach besten Wissen pflegte. Das Fachwissen allerdings fehle ihr. Sie war begeistert von den Tipps des Fachmanns während der Führung. Dagmar Langhammer indes resümierte nach der Weinberg-Trauben-Verkostung: „Der Grauburgunder schmeckt mir als Frucht am besten.“

Lothar Müller war ein wenig melancholisch, schließlich ist der Weinberg sein „Baby“. Der Weinbauverein hatte händeringend mehrere Jahre lang auf Nachwuchs und Hilfe gehofft. Doch leider fand sind niemand, der ein Herz für die Weinbautradition in der Region hatte, und helfen wollte. Letztlich blieb nur der Verkauf des Weinberges. „Wir haben unser ganzes Herzblut in diesen Weinberg gelegt, es tut schon weh, ihn wegzugeben“, versicherte Lothar Müller. Die Qualität, die der Verein aufgebaut hatte, sollte weiter bestehen. „In der Weingut Patke GbR aus Pillgram fanden wir würdige Nachfolger. Wir haben unsere Arbeit in gute und würdige Hände gegeben“, ist sich Müller sicher. Und er betonte, dass die Weinbauvereinsmitglieder den neuen Betreiber unterstützen werden, so lange es möglich ist.

Für diese Hilfe ist Matthias Jahnke dankbar. Er habe zwar auch schon eine etwa siebenjährige Erfahrung, aber sei immer für Tipps, Erklärungen und Hilfe dankbar. Stolz sei er, dass er an der langen Tradition des Weinbaus in der Region festhalten kann. Jahnke betonte, dass sie Zusammenarbeit mit der Schüler-AG des Gubener Pestalozzi-Gymnasisums bestehen bleibt. „Und natürlich werden wir auch weiterhin die Trauben für andere Vereine keltern, wie beispielsweise die aus Neuzelle“, sagte er.

Matthias Jahnke schätzte, dass in diesem Jahr etwa 10000 Liter Wein aus den Trauben aus Grano und Pillgarm in Grano gekeltert werden können. „Wir hoffen auf noch einige Sonnentage in diesem Jahr. Trotz des durchwachsenen Wetters sollte es eine gute Lese werden“, so Jahnke. Er möchte ab 2019 auch eine Brennerei betreiben. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal für die Region“, erklärte er.

Die kleineren Halbliterflaschen für die Weine des Granoer Langen Rücken indes gehören zur Geschichte. Die Weingut GbR setzt auf 0,75 Liter-Flaschen. „Die werden nicht nur in der Gastronomie besser angenommen“, sagte Matthias Jahnke.