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| 01:06 Uhr

Grabkoer Gaststätte als „Schicksalsort“ für’s Amt

Amt Schenkendöbern.. Am kommenden Mittwoch besteht das Amt Schenkendöbern genau zehneinhalb Jahre. Aber mehr als vier weitere Tage sind ihm nicht beschieden. Denn am Tag nach der Kommunalwahl am 26. Oktober gibt es dieses Amt nicht mehr. B. Remus

Seine sechs bisherigen Gemeinden Atterwasch, Bärenklau, Gastrose-Kerkwitz, Grabko, Lutzketal und Pinnow-Heideland bilden dann die neue Großgemeinde Schenkendöbern.
Den holprigen Weg von der Amtsgründung am 22. April 1992 in der Grabkoer Gaststätte bis zur jüngsten Gemeindegebietsreform ließ Amtsdirektor Peter Jeschke in der letzten Amtsausschusssitzung am Mittwoch dieser Woche Revue passieren - ebenfalls in der Gaststätte in Grabko. Im Gegensatz zu seiner Wiederwahl als Amtsdirektor am 15. Oktober 2000 fiel diese Bilanz jedoch wesentlich knapper aus, dauerte akkurat nur 35 Minuten.

Von Anfang an dabei
Gründungsmitglieder des Amtes Schenkendöbern, die auch heute noch ehren- oder hauptamtlich für das Amt tätig sind, waren die heutige Amtskämmerin Marion Schenk, Amtsdirektor Peter Jeschke, der jetzige Amtsausschussvorsitzende und Grabkoer Bürgermeister Walter Quilisch sowie der Reicherskreuzer Gemeindevertreter Olaf Ruhig.
Genehmigt wurde das Amt, dem zunächst auch Jänschwalde, Horno, Drewitz und Grießen zugeordnet waren, am 23. September 1992. Zur Wahl des Amtsdirektors stellten sich erstmals 13 Bewerber, davon fünf aus der Region. Gewählt wurde ein 52-Jähriger aus dem Westen Deutschlands, der jedoch die Wahl nicht annahm. Das Amt Jänschwalde erlebte einen ähnlichen Reinfall.
Als Amtsdirektor für Schenkendöbern wurde schließlich der bisherige Pinnower Bürgermeister Peter Jeschke gewählt. Er erhielt am 25. Januar 1993 seine Ernennungsurkunde - wieder in der Grabkoer Gaststätte. Drei Tage später fand die konstituierende Amtsausschusssitzung statt, auf der Jürgen Kröber aus Krayne als Amtsausschussvorsitzender hervorging. Arbeitsbeginn für die Schenkendöberner Amtsverwaltung war jedoch erst am 1. März 1993. 13 Mitarbeiter hatten 15 rote Gemeindehaushalte zu verwalten. „Manchmal wussten wir nicht mal, wovon wir die Lohngelder bezahlen sollten“ , erinnerte Jeschke in seiner Bilanz.

Umzug lange in Arbeit
Ihre Arbeitsverträge erhielten die Amtsverwaltungsmitarbeiter am 12. März in Grano. Im dortigen Herrenhaus sowie in einer Baracke auf dem Gelände der ULT an der Cottbuser Straße in Guben befanden sich die beiden Gebäude der Amtsverwaltung. An der Beseitigung dieses unbefriedigenden räumlichen Zustandes arbeiteten das Amt und der Amtsausschuss kontinuierlich. Doch ehe der Amtsdirektor für den favorisierten Umzug ins Schenkendöberner Schloss das Okay aller Amtsausschussmitglieder erhielt, vergingen Jahre. Erst am Nikolaustag 1995 kam die Änderung der Öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zustande, die den Amtssitzwechsel von Guben nach Schenkendöbern festschrieb.
Ebenso brisant wie dieses Thema war die Schulentwicklungskonzeption mit der schließung der Bärenklauer Schule. Beschlossen wurde sie nach heißen Diskussionen am 29. März 1995 in Lübbinchen. Der Lauschützer Bürgermeister Hartmut Schenk übernahm den Vorsitz der Arbeitsgruppe Schulen, die die Umsetzung der Konzeption vorbereitete und begleitete.
Die Gemeindegebietsreform spielte in ihrer ersten Stufe für das Amt Schenkendöbern erstmals im September 1996 eine Rolle - in einer Beratung von Brandenburger Amtsdirektoren mit dem damaligen Innenminister Alwin Ziel. Bereits eineinhalb Jahre später stimmten die Gastroser und die Kerkwitzer im Bürgerentscheid für den Zusammenschluss ihrer beiden Gemeinden. Sie sorgten damit nicht nur für eine handfeste Überraschung, sondern wurden auch Vorzeigegemeinde für die Fortführung der Gemeindegebietsreform.
Doch am 29. Januar 1997 hatte der Schenkendöberner Amtsausschuss in Groß Gastrose zunächst einen neuen Amtsausschussvorsitzenden zu wählen. Der bisherige - Jürgen Kröber - war aus Krayne und aus dem Amt weggezogen. Walter Quilisch aus Grabko trat seine Nachfolge an und wurde am 25. November 1998 wiedergewählt.
Nach der Gemeindegebietsreform konstituierte sich am 16. Juni 1999 der neue Amtsausschuss. Statt bisher 30 hat er seitdem nur noch zehn Mitglieder und auch keinen Vorstand mehr. Die Arbeit wurde mehr in die Ausschüsse verlagert.
Am 26. Juli 2000 krönte das Amt mit dem Partnerschaftsvertrag mit der polnischen Gemeinde Trzebiechów die bisherige dreijährige Zusammenarbeit mit dieser. „Wir haben erst praktisch zusammengearbeitet und dann einen Vertrag geschlossen“ , hob der Amtsdirektor in seiner Bilanz hervor. Am 15. September desselben Jahres wurde er für weitere acht Jahre wiedergewählt.
An Presseschelte aus unterschiedlichen Gründen ließ es Jeschke in seiner Bilanz auch nicht fehlen. Und in eine andere Richtung sagte er: „Meckerköppe werden wir immer haben - meist sind es die gleichen.“ Zur Arbeitsweise im Amtsausschuss hieß es: „Ich bin froh, dass wir kein Parteiengeplänkel erlebt haben.“

Dank vom Vorsitzenden
Amtsausschussvorsitzender Walter Quilisch dankte mit geröteten Augen den Amtsausschussmitgliedern für die jahrelange Zusammenarbeit und dem Amt Schenkendöbern und dessen „Oberen“ dafür, dass sie immer da waren, wenn sie gefordert waren.