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| 11:57 Uhr

Sicherheit
Geschockte oder Verletzte – Übungsszenarien für den Notfall

Die Leiter der Kreisauskunftsbüros aus Guben und Görlitz: Peter Schiele (Guben), Christiane Bruszig und Gerd Diedtemann (beide Görlitz) sowie Hans-Joachim Hübscher (Guben, v.l.).
Die Leiter der Kreisauskunftsbüros aus Guben und Görlitz: Peter Schiele (Guben), Christiane Bruszig und Gerd Diedtemann (beide Görlitz) sowie Hans-Joachim Hübscher (Guben, v.l.). FOTO: Ute Richter
Guben. Wie in Spree-Neiße für ein Großschadensereignis geprobt wird – derzeit wird eine Suchdienstübung mit fast 100 Beteiligten vorbereitet.

Wenn es zu einem Großschadensereignis, wie es im Fachjargon heißt, kommt, ist schnelle Hilfe gefragt. Wenn im Ernstfall Betroffene völlig geschockt und meist handlungsunfähig sind, ist es nicht nur wichtig, dass Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr schnell vor Ort sind, sondern dass es auch Menschen gibt, die rein organisatorisch den Überblick behalten und alles genauestens dokumentieren.

Für solch einen Fall gibt es die Personenauskunftsstelle (PAST) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) des Kreisverbandes Niederlausitz, die ihren freiwilligen Dienst für alle Bürger im Landkreis Spree-Neiße absolviert. Hans-Joachim Hübscher leitet seit zehn Jahren eine Gruppe von gegenwärtig 13 aktiven Ehrenamtlichen in Guben. Sie bilden im Notfall in kürzester Zeit ein Kreisauskunftsbüro (KAB), welches sowohl für Angehörige als auch für Blaulicht-Einsatzkräfte Ansprechpartner ist. Vor allem die Registrierung der Menschen, die eventuell verletzt sind oder in Notunterkünfte gebracht werden müssen, hat dabei oberste Priorität. „Die Personenauskunftsstelle des Landkreises Spree-Neiße (PAST-SPN) ist für jedes Auskunftsersuchen während eines aktuellen Geschehnisses zuständig“, so Hübscher. „Wir müssen genau Auskunft geben können, wo beispielsweise Verletzte zur medizinischen oder sonstigen Versorgung hingebracht wurden“, sagt er weiter.

Und damit im Ernstfall alles reibungslos klappt, üben die KAB-Mitglieder in jedem Jahr mindestens einmal diesen Fall. Realitätsnah wird dann ein Szenario vorgegeben, was die „Suchdienstler“ jedes Mal vor neue Herausforderungen stellt. „Echte“ Angehörige melden sich telefonisch oder persönlich beim KAB und suchen Freunde oder Familienmitglieder. „Wir nehmen die jeweiligen Daten auf und gleichen diese mit Meldungen aus Krankenhäusern oder Notunterkünften ab“, erzählt Hübscher.

Das stelle die im KAB-Büro Sitzenden richtig auf die Probe, denn in der Übung sind die Mitwirkenden angehalten, sich realitätsnah zu verhalten. Aufgeregtheit am Telefon oder weinende Angehörige sind beim Schadensfall keine Seltenheit. Deshalb ist es wichtig, dass die Daten alle passgenau und qualitativ gut aufgenommen werden, damit man den Vermissten auch finden kann.

„Gott sei Dank haben wir bis heute noch nie einen echten Einsatz gehabt“, so der Gubener KAB-Leiter. Anders in Görlitz. Dort gab es schon mehrere Großschadensereignisse, wie zum Beispiel zwei Neißehochwasser oder einen Bombenfund, bei denen das KAB vor Ort zum Einsatz kam. Guben und Görlitz verbindet bereits seit einigen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Im Mai dieses Jahres findet wieder eine gemeinsame Übung beider Kreisauskunftsbüros hier in Guben statt. Dann kommt KAB-Leiterin Christiane Brußig mit ihrem KAB-Team aus Görlitz und unterstützt das Büro in der Neißestadt. „Es könnten bei einem Bus-, Zug- oder Flugzeugunglück oder bei einem Großbrand auch Menschen aus dem Görlitzer Raum unter den Betroffenen sein. Theoretisch sogar aus den ganzen Welt“, erzählt sie. Ihr KAB-Team umfasst gegenwärtig etwa zehn ehrenamtlich Tätige.

In dieser Woche trafen sich die Leiter beider KAB-Büros beim DRK in Guben. Es wurde das Übungsszenario, welches bis zum Start für alle Mitwirkenden geheim ist, besprochen und alle organisatorischen Fragen geklärt. Mehr als 70 Betroffene und 50 Suchende werden bei der Übung zu erfassen sein. Alle müssen vom Kreisauskunftsbüro, das sich in der Gubener DRK-Geschäftsstelle befinden soll, registriert werden.

Das erfolgt mithilfe des elektronisch internen Datennetzes Xenios. Regelmäßig werden die KAB-Mitarbeiter darin geschult. Vermisstensuche und Meldungen von Krankenhäusern und Polizei werden damit zusammengebracht. Je nach Schadenslage ist die Xenios-Vernetzung lokal, landes-, aber auch bundesweit möglich. Bis zur zentralen Personenauskunftsstelle nach München reicht der heiße Draht.

(utr)