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Gerhard Gunia war Gubens Geschichte-Erzähler

Ende Juli ist mit Gerhard Gunia einer von Gubens wichtigsten Historikern verstorben.
Ende Juli ist mit Gerhard Gunia einer von Gubens wichtigsten Historikern verstorben. FOTO: Halpick
Guben. Mindestens einmal hat sich Gerhard Gunia über die RUNDSCHAU geärgert. Damals wurden die Autoren der fortgeschriebenen Gubener Stadtchronik als "Hobby-Historiker" bezeichnet. Daniel Schauff

Den studierten Historiker wurmte das. Zu recht. Doch er konnte auch vergessen und verzeihen. Gunia kam weiterhin regelmäßig in der Redaktion vorbei - mal, um einen Artikel einzureichen; mal, um einfach nur ein paar Worte zu wechseln; öfter, um nach einem Griff in sein umfangreiches Archiv Bilder zur Verfügung zu stellen, die Stadtgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar machten.

Am 29. Juli ist Gerhard Gunia verstorben, nach schwerer Krankheit. Seine Kenntnis von der Geschichte der Stadt hat er in zahlreichen Schriften hinterlassen. Allein im Archiv der RUNDSCHAU gibt es unzählige Eintragungen unter dem Autorennamen Gerhard Gunia oder seinem Kürzel: ggg. Er hat Artikel über Wohnungsbau, öffentliche Einrichtungen und zahlreiche andere Aspekte eine Stadt geschrieben. Alle Manuskripte tippte er auf der Schreibmaschine.

Vor einem Jahr stellte Gerhard Gunia mit weiteren Stadthistorikern im Museum die fortgeschriebene Stadtchronik vor - er sei verantwortlich für die Aufarbeitung des Geschehens in der Stadt während des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik gewesen, erklärte er. Allerdings, das fügte er wenige Tage später hinzu, sei noch eine Menge Arbeit nötig, bis sein Anteil an der Chronik wirklich vollständig sei. Gerhard Gunia brachte sich ein in die Diskussionen in Guben, zum Beispiel mit zahlreichen Leserbriefen. Traf man ihn auf der Straße, konnte man ihn aus dem Stand nach historischen Begebenheiten oder der Geschichte von Gebäuden fragen.

In der Anzeige, mit der seine Familie über Gerhard Gunias Versterben informierte, steht ein Satz von Adalbert Stifters Erzählung "Der Nachsommer": "Alles, was ist, wie groß und gut es sei, besteht eine Zeit, erfüllt einen Zweck und geht vorüber." Für Gerhard Gunias Leben trifft das zu - seine Arbeit zur Aufarbeitung der Geschichte Gubens aber bleibt auf Dauer.