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| 15:09 Uhr

Guben/ Gubin
Gemeinsam Grenzen überwinden

Der neue Büroleiter des Bürgermeisters hat bereits Erfahrung in deutsch-polnischen Kooperation.
Der neue Büroleiter des Bürgermeisters hat bereits Erfahrung in deutsch-polnischen Kooperation. FOTO: LR / Jenny Theiler
Guben/ Gubin. Krzysztof Zdobylak ist der neue Büroleiter des Bürgermeisters und setzt sich außerdem für die deutsch-polnischen Beziehungen innerhalb der Neißestadt ein.

Eine Grenze existiert zwischen Guben und Gubin nicht mehr. Dennoch gibt es bezüglich der Zusammenarbeit auf beiden Seiten der Doppelstadt noch viel zu tun, wie auch Krzysztof Zdobylak findet. Der 36-Jährige arbeitet seit 2016 als Kooperator nach Polen im Gubener Rathaus und ist seit ein paar Monaten der Büroleiter für Bürgermeister Fred Mahro. Er spricht sich für einen nachbarschaftlicheren Umgang zwischen der deutschen und der polnischen Seite der Neiße-Stadt aus. Die Basis dafür sei bereits geschaffen.

Für die Kooperation mit der polnischen Seite ist Krzysztof Zdobylak auch weiterhin verantwortlich. Zu seinen Aufgaben als Büroleiter gehört außerdem die Absicherung des Informationsflusses zwischen dem Bürgermeister und den Verwaltungsmitarbeitern des Bereiches Bürgermeister und Beratung des Bürgermeisters. Er hilft bei Korrespondenzfragen, liefert Zuarbeiten und koordiniert die Termine des Stadtoberhauptes.

Der gebürtige Gubiner ist auf beiden Seiten der Stadt zur Schule gegangen. Nach der Grundschulzeit in Gubin besucht er die Europaschule bis zum Abitur. Anschließend studiert er Jura an der Viadrina in Frankfurt/ Oder. „Ich habe aber nie konkret als Jurist gearbeitet. Stattdessen wurde ich Leiter der Zentralstelle des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes bei der polnischen Geschäftsstelle der Euroregion Spree-Neisse-Bober“, sagt er. Die positiven Erfahrungen, die er bereits mit dem kulturellen Austausch an der Europaschule und der Viadrina gemacht hat, kommen dem Magisterabsolventen zu Gute und prägen auch seine weiteren Berufsjahre.

Nach 18 Monaten beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk engagiert sich Krzysztof Zdobylak für den euroregionalen Kleinprojektefonds, der aus europäischen Mitteln deutsch-polnische Begegnungen in der Grenzregion unterstützt. Später wird er zusammen mit Günther Quiel Vorsitzender der gemeinsamen Kommission „Eurostadt Guben-Gubin“. Die Kommission verfolgt vor allem eine gemeinsame Projektarbeit und die Verbesserung der grenzübergreifenden Situationen in Guben-Gubin. Trotz des Postens im Rathaus kooperiert Krzysztof Zdobylak weiterhin mit der polnischen Seite und versucht vor allem, ein allgemeines Bewusstsein für gemeinsame Verständigung zu erwirken, denn oftmals würde gemeinschaftliches Handeln wegen der schlechten Verständigung gar nicht erst zustande kommen.

„Mit Fremdsprachen kann man immer alle Türen öffnen, egal ob es sich dabei um Englisch, Deutsch oder Polnisch handelt“, sagt Krzysztof Zdobylak. Mit einem Dolmetscher sei es oft nicht getan, effektiver sei es, die Sprache selbst zu lernen, mit der man regelmäßig zu tun habe. „Polnisch ist sicherlich eine sehr schwere Sprache, aber es gibt einige Gubener, die zumindest ein bisschen Polnisch sprechen, und das ist ein sehr guter Anfang“, sagt der Büroleiter und freut sich darüber, dass im Rahmen des Projektes „Zwei Rathäuser eine Eurostadt“ bereits 24 Mitarbeiter der Gubener Stadtverwaltung Polnisch lernen. Auf der anderen Seite lernen 25 Gubiner Beamte Deutsch. Vor allem in Verbindung mit dem Kleinprojektefonds könne man bezüglich der Fremdsprachenförderung viel erreichen. „Dazu sind wir aber auch auf die Mitarbeit der Kitas und Schulen angewiesen. Es sollte viel mehr Begegnungsprojekte für Jugendliche geben, und dazu fängt man am besten in den Kitas an“, so Krzysztof Zdobylak. Der 36-Jährige hat selbst einen Sohn, der die Kita in Gubin besucht und dort bereits deutsch lernt.

In Gubin ist Deutsch als Fremdsprache stärker verbreitet, da viele Polen in Deutschland arbeiten. Dennoch bestünde auch bei deutsch-polnischen Arbeitsverhältnissen Verbesserungsbedarf, insbesondere bezüglich der Absicherung. „Viele Polen gehen in Guben zum Arzt, wenn sie auf deutscher Seite arbeiten. Das ist möglich, aber die Krankenkassensysteme sind unterschiedlich und müssen besser aufeinander abgestimmt werden“, erklärt Krzysztof Zdobylak. Absprachen zwischen dem polnischen Gesundheitsfonds, der in Polen wie eine Krankenkasse funktioniert und den deutschen Krankenkassen, sollten noch stattfinden. Die Zukunft der Neißestadt betrachtet er optimistisch – insbesondere in Bezug auf die Wirtschaftsentwicklung „Seit 2010 passiert in Gubin unheimlich viel. Die Unternehmen wachsen auf beiden Seiten und das müssen wir unbedingt mit der Wohnungswirtschaft verknüpfen“, sagt er. Wichtig sei dennoch, dass sich keine Doppelstrukturen entwickeln.