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| 16:52 Uhr

Gesellschaft
Geglückt: Rückkehr nach Guben

Rückkehrerin Nicole Dentz ist mit Mann Nick und Tochter Eenie glücklich in Kerkwitz.
Rückkehrerin Nicole Dentz ist mit Mann Nick und Tochter Eenie glücklich in Kerkwitz. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Die 32-jährige Nicole Dentz kommt wegen besserer Kinderbetreuung zurück in die Heimat. Von Silke Halpick

Schöner kann das Gesicht einer glücklichen Rückkehrerin kaum aussehen: Die gebürtige Gubenerin Nicole Dentz ist rundum zufrieden mit ihrem Leben im beschaulichen Kerkwitz. heimgekommen ist sie vor allem wegen der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Als Halbtagskraft in einem Café hat die gelernte Mediengestalterin für Bild und Ton zuletzt in Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg) gearbeitet. „Eine ganztägige Kinderbetreuung konnten wir uns gar nicht leisten“, sagt sie. Statt einkommensabhängiger Elternbeiträge wurde ein Festpreis erhoben, den alle zahlen mussten – ob Arzt oder Berufskraftfahrer. Für dasselbe Geld kann ihre dreijährige Tochter Eenie  im Montessori-Kinderhaus in Guben jetzt zehn Stunden lang pro Tag betreut werden.

Auch ihren Traumjob hat Nicole Dentz in Guben gefunden: Sie arbeitet im Plastinarium. In der Werkstatt Gunther von Hagens werden Menschen und Tiere nach ihrem Tod präpariert. „Natürlich fragen mich die Leute gleich, ob ich auch an Leichen herumschnipple“, erzählt sie. Als Mediengestalterin ist Dentz hauptsächlich für die „Drucksachen“ zuständig, hat aber auch schon Erfahrungen im „Painting“, dem Nachzeichnen von Muskelgruppen.

„Ich gehe gern auf Arbeit“, betont die 32-Jährige. Das liege einerseits am guten Betriebsklima, aber auch an den familienfreundlichen Arbeitszeiten. „Die Arbeitsbedingungen sind viel besser als früher“, sagt sie. Mittlerweile ist auch ihr Mann Nick im Unternehmen beschäftigt. Er baut Körperwelten-Ausstellungen in allen Teilen der Welt auf. Ab September ist er in den USA.

Für die Rückkehrer-Initiative „Guben tut gut“ ist Nicole Dentz schlichtweg der „Klassiker“. „Vor allem Familien mit Kindern und ältere Jahrgänge wollen wieder zurück“, berichtet Koordinatorin Linda Geilich. Die von der Staatskanzlei des Landes Brandenburg unterstützte Initiative soll Rückkehr-Willigen und Zuzüglern bei der Vermittlung von Jobs und Wohnungen helfen.

Immerhin 20 Stellenangebote gibt es inzwischen auf der Internetseite www.guben-tut-gut.de. Der Polyestergarnhersteller Trevira sucht Textilingenieure, Produktionsleiter und Personalreferenten. Pflegefachkräfte werden in der „Herberge zur Heimat“, ein Koch im Berghotel Bresinchen, ein Monteur in der Glaserei Dulitz gebraucht. Ebenfalls weitere Unternehmen wie Hoffmann-Möbel oder Metall- und Balkonbau Hansmann seien interessiert, so Geilich.

Bei den Wohnungen ist die Auswahl mit nur sechs Angeboten hingegen sehr überschaubar. Noch sei die Seite nicht vollständig, erst nach und nach werden alle Offerten eingepflegt, erklärt Linda Geilich. Inserieren können auch private Vermieter. Bis zum Jahresende ist das sogar kostenlos möglich, wirbt die Koordinatorin.

Schwierig war die Wohnungssuche auch für Nicole Dentz, wie sie erzählt. „Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt sie. Drei bis vier Zimmer in der Altstadt war der Plan. Doch eine solche Wohnung ließ sich beim besten Willen nicht finden.  Schließlich wurde ihr ein Haus im sieben Kilometer entfernten Kerkwitz angeboten. Aufs Dorf wollte Dentz nie, nun lebt sie hier schon seit mehr als einem Jahr und ist glücklich.

„Wir fühlen uns wohl und sind angekommen“, stellt Dentz fest. Von ihren ehemaligen Schulfreunden kennt sie so einige, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, wieder nach Guben zurückzukehren, sofern sie hier einen Job finden.