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| 18:09 Uhr

Pilotprojekt für Abwasseraufbereitungsanlage
Gegen Chemiefasermief: Trevira Guben und BTU arbeiten zusammen

 Seit Jahren beklagen sich die Anwohner in Nähe des Gubener Textilunternehmens Trevira über Geruchsbelästigung. Auch die Stadtverordnetenversammlung wurde eingeschaltet. Nun soll ein Pilotvorhaben mit der BTU dem Mief ein Ende bereiten.
Seit Jahren beklagen sich die Anwohner in Nähe des Gubener Textilunternehmens Trevira über Geruchsbelästigung. Auch die Stadtverordnetenversammlung wurde eingeschaltet. Nun soll ein Pilotvorhaben mit der BTU dem Mief ein Ende bereiten. FOTO: Trevira GmbH
Guben. Dank einer neuen Abwasseraufbereitungsanlage soll der strenge Chemiefaserduft in Guben bald ein Ende haben. Die Trevira GmbH arbeitet mit der BTU Cottbus-Senftenberg an einem Pilotprojekt. Von Jenny Theiler

Es ist ein Geruch, der an verschmortes Plastik erinnert und mit der Stadt Guben seit den 1970er Jahren eng verknüpft ist – Acetaldehyd. Insbesondere in den Wohngebieten, die sich um die Kaltenborner Straße befinden, wird der charakteristische Chemiefaserdurft, je nach Wetterlage, mehr oder weniger deutlich spürbar.

Seit Jahren beklagen sich die Anwohner über die Geruchsbelästigung und auch bei der Stadtverordnetenversammlung im November diesen Jahres, ist das Problem erneut angesprochen worden. Auf Nachfrage der RUNDSCHAU haben die Stadt Guben, das Unternehmen Trevira, sowie der Gubener Wasser- und Abwasserzweckverband (GWAZ) erklärt, dass in Kooperation mit der BTU Cottbus-Senftenberg aktuell an einer Lösung des Problems gearbeitet werde. Man rechne bereits im kommenden Jahr mit einer Verbesserung der Situation.

Trevira Guben verspricht Besserung

Dass in Industriegebieten während der Produktionsprozesse starke Gerüche entstehen ist nichts Ungewöhnliches und sei auch kein typisches Gubener Problem, wie Bürgermeister Fred Mahro zu Bedenken gibt. „Natürlich führt die zweitweise Geruchsbelästigung zur Einschränkung der Lebensqualität. Das Problem ist jedoch allen Beteiligten bekannt und der Verursacher hat eine Verbesserung der Situation zugesichert und wird sie realisieren“, so der Bürgermeister.

Der Markenfaserhersteller Trevira produziert seit den 1970er Jahren Polyester im Gubener Werk in der Forster Straße. Dafür wird auch der Stoff Ethylen Glykol eingesetzt. Als unfreiwilliges Nebenprodukt entsteht bei den chemischen Verfahren der Stoff Acetaldehyd mit seinem unangenehmen Geruch. „Ein sehr geringer Teil dieses flüchtigen Stoffes gelangt dann auf dem Weg zur Kläranlage ins Abwasser. Die Geruchswahrnehmungsschwelle ist zwar niedrig, kann aber durch stärkeren Wind eine Geruchsbelästigung begünstigen“, sagt Thomas Rademacher vom Entwicklungsmanagement der Trevira Guben.

Bio-Filter konnten Chemieduft-Problem nicht lösen

Erste Beratungen zum Thema Geruchsbelästigung und eventuelle Gesundheitsgefährdung finden im Jahr 2015 statt. „Mit dem Einbau von Bio-Filtern in verschiedenen Schächten und dem Umbau des Pumpwerkes auf dem Gelände der Trevira haben wir versucht die entstehenden Gerüche bereits im Industriegebiet auszugasen“, sagt der Geschäftsführer des GWAZ Michael Feige. Der Erfolg bleibt jedoch aus. „Nach einer weiteren Beratung hat sich die Trevira bereit erklärt wissenschaftliche Untersuchungen in Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus durchzuführen“, sagt Fred Mahro.

Bei der jüngsten Beratung im Oktober 2018, einberufen durch die Stadt Guben, haben Vertreter der Trevira die Arbeit an einer entsprechenden Anlage angedeutet, die das Problem lösen soll. „Es handelt sich um eine Abwasseraufbereitungsanlage, die auf der Grundlage eines sehr wirkungsvollen und zuverlässigen Oxidationsverfahrens unter Einsatz von UV-Licht funktioniert“, erklärt Thomas Rademacher. Das Unternehmen plant bis Mitte 2019 eine Pilotanlage zu installieren. Sofern das Projekt erfolgreich getestet wird, soll ab 2020 dauerhaft eine solche Anlage auf dem Gebiet der Trevira in Betrieb genommen werden.

Weniger Geruch, weniger Abwasser

Mit der neuen Anlage soll nicht nur das Geruchsproblem gelöst, sondern gleichzeitig eine Senkung der Abwasserlast des eingeleiteten chemischen Abwassers im Industriegebiet erreicht werden. „Nachhaltigkeit ist für die Trevira GmbH seit Jahren ein wichtiges Thema. Die Umwelt zu schonen und gleichzeitig wertschöpfend zu arbeiten sind die Kriterien für unser Nachhaltigkeitskonzept“, sagt Thomas Rademacher.