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Gefrorener Fuchs treibt Artgenossen in die Flucht

Martin Pehle
Martin Pehle FOTO: Pozar/zar1
Guben. Veterinäre erleben bei ihrer Arbeit nicht nur kratzbürstige Schmusetiger und wehrhafte Hunde, sondern auch nicht minder aufgeregte Tierhalter. Der Gubener Tierarzt Martin Pehle hat Erlebnisse aus seiner 15-jährigen Praxistätigkeit aufgeschrieben. Einige Geschichten hat er jetzt der Öffentlichkeit im WerkEins des Fabrikvereins präsentiert. Jana Pozar / zar1

Fast bis auf den letzten Platz besetzt war unlängst der große Saal, als der Gubener Martin Pehle über seine Erlebnisse als Tierarzt berichtete. Er präsentierte Geschichten, die ihm erzählt wurden, die er und seine Familie selbst erlebt haben und Geschichten rund um den Praxisalltag. In anderthalb Stunden brachte Martin Pehle seine Zuhörer zum Schmunzeln, zum Nachdenken und vor allem zum Lachen.

Dazu trugen unter anderem die fast komödiantische Art des Erzählens und das perfekte Spiel mit Worten sowie die witzige Umschreibung mancher Begebenheiten bei. Manch einer konnte sich kaum halten vor Lachen - vielleicht auch, weil er sich selbst in den Geschichten wiederfand.

Martin Pehle und seine Einzigartige - so betitelt er seine Frau Sabine - sind ein eingespieltes Team. Nicht ganz so gut haben sie allerdings zusammengearbeitet, als es darum ging, einen rotfelligen Eindringling vom heimischen Hof zu vertreiben. Einem Fuchs galt die Kampfansage. Er hatte den Garten als neue Heimstatt auserwählt. Die Wachhunde - zwei Weimaraner - waren in der Ausbildung, die Sabine Pehles übernahm, noch nicht so weit, um Füchse zu verjagen. Das musste Martin Pehle nun also selbst in die Hand nehmen.

Das Publikum tobte vor Lachen, als er die Dialoge des Ehepaars wiedergab und den Hunden sprichwörtlich die Worte ins Maul legte. Ein toter Fuchs erwies sich letztlich als wertvolles Hilfsmittel. Eingefroren, unter Brot, Fleisch, Gemüse und einem angefahrenen eisigen Hasen, sollte der Fuchs eigentlich zu "Forschungszwecken" dienen. Schließlich sorgte er aber dafür, dass Reinecke seinen Sonnenplatz im Garten freiwillig verließ. "Unsere beiden Hunde sahen aus, als wollten sie mich auslachen", so Pehle.

Auch verschiedene Tiertransporte hat der Veterinär auf Papier festgehalten. Karl-Heinz, ein wunderschöner Fjällrind-Bulle, wurde beispielsweise im Familienauto vom Norden Deutschlands nach Guben chauffiert. "Was mögen die Leute gedacht haben, als der Bulle vorwitzig zwischen Fahrer und Beifahrer auf den Verkehr geachtet hat?", fragte Martin Pehle in seiner Geschichte.

Dass Tierärzte auch auf der Flucht vor ihren eigenen Patienten sein können, sei gar nicht so selten. Doch Pehles hatten ein besonderes Erlebnis mit einem Rottweiler, der nur seinem polnischen Herrchen gehorchte. Bruno sollte es an seine Männlichkeit gehen. Nur mit Mühe gelang es den beiden Tierärzten, den 60-Kilogramm-Hund in Narkose zu versetzen. Doch das Tier erwachte vorzeitig und besetzte mit ganzer Kraft die Praxis. Tierärztin und Tierarzt flüchteten in verschiedene Räume. Doch es gelang ihnen schließlich - mithilfe des Herrchens - die eigene Praxis wieder zurückzugewinnen.

Wann wird er die Geschichten als Buch veröffentlichen?, fragten viele im Publikum. "Ich muss erst einmal schauen, wie die Erzählungen ankommen. Doch ein Buch ist nicht ausgeschlossen", sagte Martin Pehle.