Gubin hat ein Problem, vor dem die Gubener vor zwei Jahren standen: die Schließung der Mülldeponie. Die Gubener ist seit Jahresbeginn 2004 zu, das Ende für die fünf Kilometer nördlich von Gubin liegende Deponie naht Ende 2007. Künftig müssten die Einwohner ihren Hausmüll nach Zielona Góra (Grünberg) oder Zary (Sorau) bringen lassen. „Das wären rund 60 Kilometer längere Wege als bisher, und es würde eine Erhöhung der Transportkosten bedeuten“ , sagte Krzystof Sikora, Beauftragter des Gubiner Bürgermeisters für Stadtmarketing, der RUNDSCHAU. Dass eine Ausnahmegenehmigung für eine längere Betreibung der Deponie erteilt wird, hält Sikora für unwahrscheinlich. Es würde viel Geld kosten.
Günstiger wäre es, eine neue Mülldeponie im Kreis Krosno (Crossen) zu eröffnen. Doch um diese effektiv betreiben zu können, braucht es etwa 100 000 Einwohner. Gubin und die umliegenden Gemeinden haben sich deshalb bereits zu einem Zweckverband zusammengeschlossen. Aber die dazu gehörenden rund 60 000 Einwohner reichen nicht aus.
Deshalb wandten sich die Gubiner an die Partner westlich der Neiße mit dem Anliegen, dass diese ihren Müll auch auf einer neuen Deponie bei Krosno entsorgen. Aber das ist eine Sache, die so vom Prinzip her noch nicht geht. Denn der Gubener Müll wird vom Spree-Neiße-Kreis entsorgt. „Und als wir den Zuständigen in der Kreisverwaltung unser Anliegen mühevoll erklärt hatten, haben sie zunächst äußerst zurückhaltend reagiert“ , sagt Fred Mahro, Erster Beigeordneter des Gubener Bürgermeisters. Denn für das vom Kreis beauftragte Entsorgungsunternehmen gibt es zeitliche Bindungen.
Mitarbeiter des Translocal-Projektes auf Gubener Seite wurden deshalb beauftragt, zunächst die Situation in Guben und im Spree-Neiße-Kreis hinsichtlich der Langfristigkeit der Verträge zu klären. In einer zweiten Arbeitsrichtung initiierte Gubin eine Studie, die klärt, in welcher Form Müll aus Gubin und seinem Umland entsorgt werden könnte - nach Zielona Gòra oder im Gubiner Umfeld. Die Gubener Studie ergänzt, welche Kooperationen grenzübergreifend nötig sind und in welcher Form und wann europäisches Recht den Transport von Müll über die Grenze zuließe. Denn in Bezug auf die neuen Mitglieder der Europäischen Union ist längst noch nicht das möglich, was an der deutschen Westgrenze Alltag ist.
Wenn sich die Betreibung der Gubiner Mülldeponie noch etwas verlängern ließe, so Mahro, würden die Chancen wachsen, dass der Spree-Neiße-Kreis einbezogen werden könnte.

Hintergrund Translocal
 Transfernetzwerk zum Aufbau lokaler Fähigkeiten in der grenzüberschreitenden Entwicklung (Translocal) ist ein von der EU gefördertes, grenzüberschreitendes Projekt, das in diesen Tagen auf ein Jahr Praxis verweisen kann und noch weitere zwölf Monate läuft. . Anliegen ist es, die Zusammenarbeit benachbarter kommunaler Verwaltungen in EU-Ländern zu intensivieren und effizienter zu gestalten. Guben und Gubin sowie der österreichische Gemeindeverein Intercom Waldviertel und die Regionalagentur Trencin aus der Slowakei sind Partner in diesem EU-Projekt.