Von Thomas Engelhardt

Das ging schnell: Gerade einmal ein halbes Jahr ist vergangen, seit der Vorstand des Gartenanlage „Süd-West“ die neuen Pächter der Vereinsgaststätte vorstellte. Das war im Dezember 2018. Doch nun ist die Episode schon wieder Geschichte: Seit Monatsbeginn ist die Gaststätte geschlossen – und das ausgerechnet zur kleingärtnerischen Hauptsaison.

Zwei Jahre lang hatte das traditionsreiche Gartenlokal, das in den 1950er-Jahren erbaut worden war, von Dezember 2016 an leer gestanden. Dann hatte der Vorstand mit Jörn Georg und Beate Franke neue Pächter gefunden. Die Frankes hatten klare Vorstellungen, was in ihrem Lokal passieren sollte. Zwar solle der Kneipen-Charakter erhalten bleiben, doch „auch  Kultur oder Tanz könnte ich mir vorstellen. Die Bühne ist geradezu perfekt dafür“, sagte Jörn Georg Franke der RUNDSCHAU bei der Wiedereröffnung. Vorstandsmitglied Harald Lerke freute sich damals: „Endlich kommt wieder Leben in unsere Anlage“, sagte er.

Inzwischen hat sich im wahrsten Sinne des Wortes Ernüchterung breit gemacht. Wer sich an einem der aktuell heißen Tage nach getaner Gartenarbeit im Vereinsheim erfrischen wollte, fand dieses verschlossen vor. An der Tür informiert ein Schreiben des Vorstandes über die Schließung. Darin heißt es – ein wenig verklausuliert – als Begründung: „Durch derzeit  bestehende, nicht geringfügige Differenzen wäre es nicht verantwortbar, auch vor allem gegenüber allen Gartenfreunden, dass die Gaststätte in dieser jetzigen Form weiter betrieben wird. Schlussfolgernd wurde gegenüber dem Pächter eine Schließung der Gaststätte veranlasst.“

Was mit den „nicht geringfügigen Differenzen“ gemeint ist, will ganz konkret keiner aussprechen. Vorstandsmitglied Lerke macht deutlich, dass es nicht ausschließlich um Finanzen gegangen ist. So habe der Pächter beispielsweise eigenmächtig Öffnungszeiten gekürzt. Nicht einmal zu Himmelfahrt sei geöffnet gewesen. Habe der Pächter bereits angedeutet, den Vertrag nach Ablauf eines Jahres auslaufen zu lassen, habe der Vorstand nun schon zum jetzigen Zeitpunkt die Reißleine gezogen und fristlos gekündigt.

Jörn Georg Franke hingegen sagt im Gespräch mit der RUNDSCHAU, per Einschreiben letzte Woche selbst gekündigt zu haben. „Die Gaststätte hat sich nicht gerechnet. Die Nebenkosten waren zu hoch, die Zahl der Besucher, speziell aus der Gartensparte selbst, zu gering.“ Er habe den Betrieb unter falschen Voraussetzungen übernommen. So habe die avisierte Skat-Runde sich für den Verbleib in ihrem jetzigen Domizil entschieden. Franke will nun erst einmal eine Pause einlegen und dann im heimischen Staakow eine neue Idee realisieren.

Für den Vorstand von Gubens ältester Gartenanlage mit ihren rund 140 Parzellen beginnt nun also die neuerliche Suche nach einem Pächter. Dass im „Süd-West“ aber noch in diesem Sommer aus einem Zapfhahn kühles Bier fließt, scheint eher unwahrscheinlich.