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Freie Fahrt auf neuer B 112 zwischen Grießen und Taubendorf

Verkehrsministerin Kathrin Schneider (Mitte) war bei der Eröffnung dabei
Verkehrsministerin Kathrin Schneider (Mitte) war bei der Eröffnung dabei FOTO: sha
Taubendorf/Grießen. Unter Polizeischutz rollt der gelbe Leag-Mannschaftswagen den neuen Teilabschnitt der B 112 zwischen Grießen und Taubendorf entlang. Vorerst nur für geladene Gäste. Silke Halpick

Mit an Bord sind die beiden Ortsvorsteher Hartmut Fort und Jürgen Handreck. Für sie hält die Fahrt allerdings keine Überraschungen mehr bereit. "Ich kenne die Strecke, ich bin sie schon mehrfach mit dem Fahrrad abgefahren", erzählt Handreck gut gelaunt. Sein Amtskollege Fort ist "vollauf" zufrieden und froh, dass es nun keine langen Wartezeiten mehr an der Baustellenampel am Ortsausgang gibt.

Seit Donnerstagnachmittag ist der neue rund 4,3 Kilometer lange Streckenabschnitt auch für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Zwölf Monate haben die Bauarbeiten gedauert. Freuen können sich die Autofahrer vor allem über die zusätzliche Überholspur. Ähnlich wie auf der B 169 zwischen Cottbus und Drebkau ist die neue Strecke zwei-plus-einspurig ausgebaut. Hintergrund für diese Entscheidung ist eine Verkehrsprognose, nach der ab dem Jahr 2025 mit 4000 Fahrzeugen pro Tag auf dieser Strecke gerechnet wird.

Als "ganz wichtige Querverbindung" für die Region bezeichnet auch Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider die Bundesstraßen B 112 und B 97, die Bestandteil der Oder-Lausitz-Trasse sind. Die SPD-Politikerin hat die neue Strecke offiziell freigegeben. Die Umsetzung des Projektes sei nicht immer einfach und vor allem auch vom Konflikt zur Weiterführung des Tagebaus geprägt gewesen, betont sie. Die erste Vereinbarung zur Umverlegung gab es 2008/2009.

Der Planfeststellungsbeschluss stammt aus dem Jahr 2015.

Kritik kam damals auch aus der Gemeinde Schenkendöbern. Befürchtet wurde, dass der Tagebaubetreiber bei der Planung des Teilabschnitts bereits eine mögliche Umverlegung der B 97 für den Tagebau Jänschwalde-Nord einkalkuliere und damit dem Braunkohleplanverfahren vorgreife. Im Frühjahr 2017 hatte dann die Leag als Vattenfall-Nachfolger bekannt gegeben, auf den Aufschluss von Jänschwalde-Nord zu verzichten.

Der genehmigte Tagebau Jänschwalde zieht allerdings planmäßig weiter und wird voraussichtlich Ende 2017 den Bereich der alten B 112-Trasse zwischen Grießen und Taubendorf überbaggern. Die Straße ist seit Donnerstag bereits teilweise gesperrt und soll Schritt für Schritt abgetragen werden.

Entlang der neuen Trasse, die Richtung Osten verlegt und fast parallel zur bisherigen Strecke verläuft, gibt es einen Rad- und Wirtschaftsweg. Auch die sogenannte Waldautobahn, die um den Tagebau herumführt und vor allem von Ortskundigen als kurze Verbindung nach Jänschwalde Ost genutzt wird, bleibt erhalten. Auf Wunsch der Taubendorfer rückt die Bushaltestelle nicht an die neue B 112, sondern bleibt am Ortseingang. Stattdessen fährt der Bus auf seiner Route zwischen Forst und Guben künftig eine Schleife.

Die Umverlegung sei "die letzte große Infrastrukturmaßnahme" für den Weiterbetrieb des Tagesbaus Jänschwalde, betont Leag-Vorstand Uwe Grosser. Rund 7,5 Millionen Euro sind in das Projekt geflossen. Die Kosten trägt der Bergbaubetreiber, der erstmals auch als Bauherr auftritt. Der Tagebau Jänschwalde ist 2023 "ausgekohlt", das Kraftwerk soll noch acht bis zehn Jahre länger und dann mit Kohle aus dem Südrevier betrieben werden, sagt Grosser. Aktuell versorgt das Kraftwerk Jänschwalde fünf bis sechs Millionen Haushalte mit Energie. "Jede zehnte Kilowattstunde Strom, die in Deutschland produziert wird, kommt aus der Lausitz", betont Grosser.