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| 14:47 Uhr

Guben
Freche Karten für Rückkehrer

Kerstin Geilich vom Marketing- und Tourismusverein und Dirk Robinski von der beauftragten Agentur präsentieren die druckfrischen Postkarten.
Kerstin Geilich vom Marketing- und Tourismusverein und Dirk Robinski von der beauftragten Agentur präsentieren die druckfrischen Postkarten. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Gubener Initiative setzt bei Werbung bewusst auf provokante Themen. Ab sofort werden Jobs und Wohnungen online angeboten. Von Silke Halpick

Und die Gubener haben doch Humor: Ausgerechnet mit dem Apfelkönig wirbt die Neißestadt jetzt um Rückkehrer. Druckfrisch auf dem Tisch liegen die Postkarten, auf deren Vorderseite  Vollzeitrentner Heinz (85) feststellt: „Guben tut gut, weil man hier och Apfelkönigin werden kann.“  Die Karten werden beim Frühlingsfest verteilt.

„Die Idee entstand in der Arbeitsgruppe“, sagt Kerstin Geilich, Geschäftsführerin des Marketing- und Tourismusvereins (MuT). Gemeinsam mit der Stadt Guben und der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) wird die Rückkehrer-Initiative organisiert. Zum Apfelkönig-Motiv will Geilich nichts sagen. „Das Bild steht für sich“, findet sie. Und grinst.

Im vergangenen Jahr hatte der kuriose Rechtsstreit deutschlandweit für Aufsehen gesorgt. Nach seiner verlorenen Wahl im Jahr 2016 verklagte der unterlegene Kandidat den MuT als Veranstalter, verlor aber vor Gericht. Zeitung, Radio, Fernsehen berichteten darüber. Vielen Gubenern ist das Lachen damals vergangen, weil sie um das positive Image der Stadt bangten. Nun setzt man offenbar  ganz bewusst auf den Wiedererkennungs-Effekt.

„Die Postkarten gibt es in zwei Varianten“, erklärt Geilich. Der Unterschied ist auf der Rückseite zu finden. Während die eine Version als Postkarte mit dem Aufdruck „Komm zurück nach Guben, denn ...“ an Bekannte verschickt werden kann, gibt es auch eine weitere, mit der bereits ganz gezielt Informationen zu Jobs und Wohnungen abgefragt werden können.

Die Gubener Rückkehrer-Initiative ist im März 2017 an den Start gegangen. Das Projekt wird mit 52 000 Euro von der Staatskanzlei des Landes Brandenburg unterstützt. Anlaufpunkt für Interessierte ist die Willkomensagentur, die mit der Koordinatorin Linda Geilich beim MuT angesiedelt ist. Hier soll das Netzwerk aufgebaut werden, das potenzielle Rückkehrer mit Informationen und Angeboten versorgt.

„Die Nachfrage ist groß“, erzählt Kerstin Geilich. Nicht nur junge Familien, sondern auch Menschen um 50 oder älter wollen wieder zurück. „Weil sie nicht heimisch geworden sind und Guben vermissen, sagen sie“, betont Geilich. Was viele bisher vom Umzug abhält, ist der fehlende Job. Mit einer Arbeitslosenquote von knapp zehn Prozent gehört Guben zu den Schlusslichtern im Spree-Neiße-Kreis. Allerdings soll es selbst hier 200 unbesetzte Stellen geben, wie Bürgermeister Fred Mahro (CDU) informiert.

Auf der Internetseite der Rückkehrerinitiative unter www.guben-tut-gut.de können ab sofort auch Unternehmen ihre Jobangebote veröffentlichen. Aktuell sind es allerdings erst vier. Gesucht werden eine Pflegefachkraft, ein Gerüstbauer, ein Koch und ein Auszubildender für die Altenpflege. Das Portal soll ausgebaut werden.

„In den nächsten Wochen werden wir ganz gezielt die  Unternehmen anschreiben“, sagt Geilich. In der Förderperiode 2018 können die Leistungen der Initiative noch kostenfrei genutzt werden. In der Projektphase von 2019 bis 2021 werden Gebühren je nach gewähltem Partnerpaket und Leistungsumfang zwischen 100 Euro und 3000 Euro erhoben.

Ergänzt wird die Internetseite durch Wohnungsangebote (aktuell: sechs) sowie Informationen zum Leben in Guben. Auch auf Facebook ist die Rückkehrer-Initiative seit vergangenem Freitag vertreten. „93 Abonennten haben wir schon“, freut sich Kerstin Geilich.