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| 02:37 Uhr

Forster Musikwissenschaftler Wolfgang Hanke ist gestorben

Wolfgang Hanke, Journalist und Musikwissenschaftler aus Forst, ist überraschend verstorben.
Wolfgang Hanke, Journalist und Musikwissenschaftler aus Forst, ist überraschend verstorben. FOTO: Scholz
Forst. Überraschend für alle, die ihn kannten, ist Wolfgang Hanke nach nur kurzem Krankenlager in Berlin-Buch am 8. Dezember verstorlen. Der 84jährige Wissenschaftler, Musikkritiker und Publizist und Experte für Kirchenmusik wurde 1930 in Forst geboren und ist hier aufgewachsen. An ihn erinnert Ingrid Ebert mit einem Nachruf.

Mit Wolfgang Hanke hat Forst einen Menschen verloren, der wie kaum ein anderer in der Kirchenmusik zu Hause war. Er verfügte nicht nur über die vielleicht größte private Bibliothek in Forst, sondern auch über fundiertes Wissen. Stets akribisch ging er ans Werk, begnügte sich nie mit Halbheiten und zeichnete sich dabei durch große Bescheidenheit aus.

Wolfgang Hanke dokumentierte Kirchenmusikgeschichte, publizierte in Fachzeitungen und war zeit seines Lebens ein unermüdlicher Forscher. Seine Liebe aber galt vor allem der Orgel. Der Konzertkritiker suchte immer wieder die Nähe zur Königin der Instrumente. Schon als 14-Jähriger spielte er die Heinze-Orgel in der Stadtkirche St. Nikolai. Als diese im Krieg zerstört wurde, suchte er Gelegenheiten, an der Mulknitzer Orgel zu spielen und als Kantor in der Noßdorfer Kirche tätig zu sein. Damit überbrückte er auch die Wartezeit bis zum Studium.

Orientalistik und Musikwissenschaften hat er studiert und später für den Union-Verlag als Musikkritiker und Journalist gearbeitet, wo ich ihn kennen und schätzen lernte. Der Autor zahlreicher Bücher unter anderem über die Thomaner und über Chemnitzer Musikstätten schrieb, als er längst im Ruhestand war, ein Buch über die Geschichte der Forster Kirchenorgeln mit dem Titel "Gott loben ist unser Amt". Auch das ist etwas, was den Forstern bleibt.

Vieles wäre noch zu sagen. Wenige Tage vor seinem Tod am ersten Advent saß Wolfgang Hanke mit seiner Frau Brigitte zusammen und beschäftigte sich mit dem Violinkonzert von Alban Berg, der Musik des Sterbens und der Verklärung. Sein Blick blieb am Zitat des Bach-Chorals hängen, das Alban Berg verwendet hatte. Das wollte er jetzt hören, nichts anderes. "Es ist genug, es ist genug." Sein Leben hat sich vollendet.

Am kommenden Montag, dem 5. Januar, findet in der evangelischen Kirche Noßdorf ab 13 Uhr ein musikalischer Abschlussgottesdienst statt, bei dem der Komponist und Kirchenmusiker Lothar Graap die Orgel zum Gedenken an einen guten Freund spielen wird.