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| 01:39 Uhr

Forster Gleisreste als Pfad der Geschichte

Forst. Die Reste der Forster Stadteisenbahn sind ein einmaliges Denkmal und nicht nur Stolperfallen. Das ist der Standpunkt von Matthias Baxmann vom Landesamt für Denkmalpflege.

Deshalb steht er hinter den Plänen, viele Schienenreste zu erhalten und bringt einen Pfad der Forster Industriekultur ins Spiel.

Viele Leute empfinden die Schienenreste in der Stadt als Last. Warum soll das alte Eisen erhalten bleiben?

Weil die Schienen ein bedeutendes Denkmal der Stadt und ihrer Industriegeschichte sind. Forst hat da etwas ganz Besonderes in der Straße liegen.

Was ist so besonders?

Die Bahn war in ihrer Ausdehnung und der technischen Ausstattung in ganz Deutschland einmalig. Sie ist Beispiel für eine innovative Transportlösung während der Hochindustrialisierung. Die Nutzung von Rollböcken, um Ladungen von der Normalspur auf die Ein-Meter-Spur zu bringen, war ein Vorgriff auf die Roll-on-Roll-of-Technik.

Reicht es nicht, an einer Stelle ein Stück zu erhalten und die anderen Teile zu entfernen?

Das Besondere ist ja gerade, dass durch die Anzahl der Schienenreste noch ein Zusammenhang erkennbar ist. Insgesamt hat die Bahn einmal über 200 Betriebe in der Stadt angefahren. Der Verlauf der Strecke ist noch nachvollziehbar. Zudem gibt es den Bahnbetriebshof noch. Es handelt sich also um ein Denkmalensemble, mit dem die Bedeutung der ehemals hoch entwickelten Industriestadt Forst sichtbar wird.

Forst hat viele Industrieruinen und muss damit umgehen…

Industriedenkmale werden in ihrer Bedeutung noch nicht so wahrgenommen, wie ein barockes Baudenkmal. Wir leben allerdings in einer Zeit des Übergangs in die Wissens- und Informationsgesellschaft. Wir werden in den nächsten Jahren eine Hinwendung zur Indus-triegeschichte erleben. Das rückt immer mehr in den Vordergrund. Immerhin verdanken wir dem Industriezeitalter unseren heutigen Wohlstand.

Können tatsächlich alte Schienen bei der Erinnerung an eine Epoche helfen?

Ja. Wenn wir keine materiellen Zeugnisse der Industriekultur mehr vorweisen können, wird es rein akademisch. Das ist eine Frage der Vermittlung.

Können Sie Leute verstehen, die den Erhalt der Schienen als Gefahrenquelle sehen - und als Geldvernichtung?

Das ist eine Sache der Abwägung. Wir haben jetzt ein bestätigtes Kompromisspapier für den Umgang mit den Schienen. Allerdings ist ein Fahrradunfall nicht einfach einem Denkmal anzulasten. Außerdem gibt es Möglichkeiten, die Schienenspalten zu vergießen. So etwas ist mit Bahnresten gemacht worden - mit überschaubarem Aufwand.

Gibt es in anderen Städten Erfahrungen mit ähnlichen Denkmalen wie den Jule-Schienen?

Die Forster Stadtbahnreste sind einmalig. Allerdings gibt es ein Beispiel in Eberswalde, wie mit Industriegeschichte umgegangen wird. Dort entsteht ein Pfad der Industriekultur. Eberswalde war die Keimzelle der Industrialisierung im Land Brandenburg. Ein solcher Pfad könnte auch in Forst anhand der erhaltenen Schienenfragmente einen Zusammenhang zwischen erhaltenswerten Industriebauten herstellen. Das böte sich an und wäre wünschenswert. Forst identifiziert sich sehr über den Rosengarten. Dabei wird oft vergessen, dass der ein Ergebnis der Industrialisierung und dem daraus erwachsenen Bürgerstolz ist.

Die Jule-Gleise sehen Sie also als Chance für die Stadt?

Das kann man so sehen. Aber ich kann niemandem etwas vorschreiben. Allerdings dürfen wir uns dieses Erbes nicht einfach entledigen.

Mit Matthias Baxmann sprach Jan Selmons

Schlechter Scherz oder richtiger Umgang mit der Industriegeschichte? Ein Kompromisspapier zwischen Stadtverwaltung und Denkmalbehörde des Landes sieht vor, dass Teile der Jule-Schienenreste an mehreren Stellen beim Neubau der Straße wieder eingebaut werden müssen. Wie ist Ihre Meinung? Gehören die Schienen auf den Schrott, oder sind sie eine Chance, ein besonderes Stück Industriegeschichte der Stadt zu präsentieren?

Schicken Sie uns eine E-Mail an forst@lr-online.de oder per Post an Lausitzer Rundschau Redaktion, Albertstraße 1 d, 03149 Forst.