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| 01:36 Uhr

Fliegenfallen treiben Gubener Imker um

Adalbert Gloyna
Adalbert Gloyna FOTO: FOTO-Werner
Guben..  „Durch die Kirschfruchtfliegenfallen sterben Bienenvölker nicht aus“  Adalbert Gloyna, Imker Benjamin Seidemann


Die gelben Kirschfruchtfliegenfallen, die in Gastroser Bäumen hängen, sorgen jetzt für richtig Zoff unter Imkern und Naturfreunden. Während sich der Bienenliebhaber Kurt Schulz über die gelben Plastikschilder, die Fliegen von den Früchten fernhalten sollen, ärgert, weil seiner Ansicht nach Bienen genauso darin gefangen werden, wie andere Insekten (die RUNDSCHAU berichtete), sieht das Imker Adalbert Gloyna anders.
„Alles Schwachsinn. Durch die Kirschfruchtfliegenfallen sterben Bienenvölker nicht aus“ , so der 73-Jährige aus Bärenklau. Bienen seien genauestens auf eine Pflanze eingespielt, an der sie Nektar sammeln. „Eine Biene, die zum Beispiel nur auf Rapspflanzen sammelt, wird niemals in einen Kirschbaum fliegen“ , erklärt der Imker. Trachterkunder flögen aus und suchten nach Nektar. Fänden sie diesen, kämen sie zurück zur Wabe und führten einen Schwänzeltanz auf. Dieser zeige Entfernung, Richtung und Art der Tracht genauestens an, so der Bärkenklauer. „Selbst wenn eine Biene auf dem Weg zur Tracht an einem Kirschbaum vorbeifliegt, würde sie das nicht interessieren.“
Bienen, die auf Kirschenblüten eingestellt seien, achteten auf die Farbe. „Bienen sind nicht farbenblind. Sie sehen lediglich mit einem anderen Farbspektrum“ , so der Bienenexperte. Ginge eine Biene auf Sammelflug und sei auf Kirschenblüten eingestellt, so würde sie nur die weißen Blüten beachten und die gelben Plastikschilder mit der klebrigen Masse links liegen lassen. „Sicherlich kommt es vor, dass mal eine Biene auf eine solche Kirschfruchtfliegenfalle gerät und verendet“ , so Gloyna. Es sei aber nicht die Masse. „Und deswegen sterben auch keine ganzen Völker weg.“
Auch Kurt Schulz' Behauptung, dass die Orientierung der Bienen durch die Funkmasten in der Region gestört werde, will Adalbert Gloyna nicht so richtig Glauben schenken. „Es gibt dafür keine Beweise - nur jede Menge Gegenbeweise“ , sagt Gloyna. In Bärenklau, wo der Imker seine Wirkungsstätte eingerichtet hat, stehe in 200 Metern Entfernung ein Funkmast. „Wenn die Wellen und Strahlen wirklich Auswirkungen auf die Bienen hätten, dann hätte ich schon lange keine Bienen mehr“ , erklärt der Imker. Ein ihm bekannter Kollege habe versucht, in Atterwasch, 100 Meter neben einem Funkmast, ein Bienenvolk zu beheimaten. „Er hat die Bienen dort einfach hingestellt - auf ein Grundstück, dass definitiv von den Strahlen betroffen ist“ , führt Gloyna aus.
„Heute lebt das Volk immer noch. Es ist nicht kaputt gegangenen. Also haben die Strahlen keine Auswirkungen auf die Bienen“ , schlussfolgert er.
Gloyna ist der Ansicht, dass die Völker nicht durch Strahlungen oder durch Kirschfruchtfliegenfallen eingegangenen seien, sondern vielmehr durch die Varatose-Milbe befallen sind. „Die Milbe ist ein wirkliches Problem. Wir verlieren immer mehr Bienenvölker, denn sie breitet sich potentiell nach oben aus.“ Einen wirklichen Schutz gebe es nicht.
Ein weiteres Problem seien die Menschen selbst. „Jeder von uns will zum Beispiel, dass kein Löwenzahn auf unserem Rasen wächst und dass er schön kurz geschoren ist.“ Das sehe zwar schön aus, nehme aber der Biene jegliche Nahrungsgrundlage. „Eine Massenhaltung, bei der ein Sterben eines Volkes nicht solche Auswirkungen hat, wie bei der begrenzten Zahl der Völker, die im Moment existieren, ist genau aus diesem Grund nicht möglich und wird es wohl auch nie sein, wenn die Menschen nicht ihre Ansichten ändern.“