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| 18:43 Uhr

Firma macht aus Müll Energie

Ein Mitarbeiter der Global EnerTec AG befüllt die semi-industrielle Testanlage mit Hausmüll. Daraus werden Gas, Öl und Koks gewonnen.
Ein Mitarbeiter der Global EnerTec AG befüllt die semi-industrielle Testanlage mit Hausmüll. Daraus werden Gas, Öl und Koks gewonnen. FOTO: S. Halpick
Guben. Jürgen Fechner steht vor einem Container, der gefüllt ist mit Hausmüll. "Der stammt aus London", sagt der Betriebsleiter der Global EnerTec AG in Guben. Silke Halpick / sha

Der klein geschredderte Dreck ist Futter für die Recyclingtestanlage. Herausgefunden werden soll, wie auch nicht getrennter Müll verwertet werden kann. "Das Verfahren muss immer den jeweiligen Inputstoffen angepasst werden", erklärt Fechner. Noch ist der Londoner Abfall aber zu feucht, er muss erst trocknen.

Das als Aktiengesellschaft organisierte Unternehmen stellt aus den organischen Bestandteilen des Haus- und Industriemülls sowie alten Autoreifen hochwertiges Gas, Öl und Koks her - umweltschonend und ohne Reste. Grundlage ist die GlobaTec-Technologie (GTT). Vor zwei Jahren ging die Pilotanlage im Industriegebiet Süd in Betrieb. Aus Fechners Sicht ist sie ein voller Erfolg. Nun sollen die ersten industriellen Projekte folgen. Die Interessenten stammen vorwiegend aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika, Ländern wie Jordanien, Katar, Israel und Botswana.

Den Durchbruch in Deutschland will Global EnerTec mit einer Recycling-Anlage in Thüringen schaffen. Diese wird den Angaben zufolge vom Unternehmen und seinen Partnern betrieben und finanziert. Als Ausgangsstoffe dienen Altreifen und Kfz-Recyclingmaterial wie Plastik oder Schaumstoffe. Mit der Inbetriebnahme rechnet Fechner frühestens in zwei Jahren. Als Grund nennt er unter anderem die langwierigen Genehmigungsverfahren in Deutschland.

Mit der Verwertung alter Autoreifen hat Global EnerTec bereits hinreichend Erfahrung. "Das funktioniert, das wissen wir", sagt der Betriebsleiter. Altreifen waren auch der Ausgangspunkt für die Entwicklung des GTT-Verfahrens. Der dabei entstehende Koks habe einen hohen Kohlenstoff-Anteil und werde in der Industrie als Filtermaterial für die Abwasser- und Rauchgasreinigung eingesetzt und, um Plastikprodukte dauerhaft schwarz einzufärben. Fechner deutet auf die Kaffeekanne auf dem Tisch. "Wie diese hier", sagt er.

Seit sich das Unternehmen, das über private Kapitalgeber finanziert wird, vor drei Jahren im Industriegebiet Süd angesiedelt hat, wird es auch mit Skepsis konfrontiert. "In der Vergangenheit sind viele Versuche in Deutschland schiefgegangen", räumt Fechner ein. Experten zufolge ist Teer, der sich neben der gewünschten Produktion im Röhrensystem absetzt, das Hauptproblem. Die gescheiterten Projekte, in die oft hohe staatliche Fördersummen geflossen sind, hätten dem "Ruf der Technologie geschadet", bedauert Fechner.

"Viele sind absolut überrascht, wenn sie unsere Anlage sehen", sagt der Betriebsleiter. Die Dekra als eine der weltweit führenden Prüfgesellschaften für Kraftfahrzeuge und technische Anlagen habe die Entwicklung von Anfang an begleitet. In das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Guben sind bisher 1,8 Millionen Euro geflossen, darunter 380 000 Euro an Fördermitteln für die Forschung und Entwicklung von der Investitionsbank des Landes Brandenburg.

Einen großen Markt sieht das Unternehmen auch in der Verwertung von Styroporabfällen. Der Schaumkunststoff, der im Bauwesen gern als Dämm-Material verwendet wird, ist mit hochgiftigen Flammschutzmitteln belastet und kann nicht verbrannt werden. Global EnerTec hat dafür ein neues Verfahren entwickelt, das jetzt kurz vor der Industriereife steht, wie Fechner betont.

Zum Thema:
Bei der GlobaTec-Technologie (GTT) werden Haus-, Industriemüll oder Altreifen unter Zugabe von Katalysatoren auf etwa 550 Grad erhitzt. "Das ist unterhalb des Verbrennungspunktes", erklärt Jürgen Fechner. Mithilfe dieser Katalysatoren entstehen Reingas, Öl und Koks. Die Schadstoffbildung wird durch die Katalysatoren unterbunden. Es entstehen Salze, die aufgrund der enthaltenen Spurenelemente als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Nach Angaben des Unternehmens können aus 1000 kg Altreifen 380 kg Rohöl, 152 kg Rohgas und 460 kg Koks gewonnen werden. (sha)