| 16:30 Uhr

Faszinierend, in der Tat

Manfred Ewersbach hat zu jedem seiner Werke eine Geschichte. Und jede einzelne ist hörenswert.
Manfred Ewersbach hat zu jedem seiner Werke eine Geschichte. Und jede einzelne ist hörenswert. FOTO: Daniel Schauff
Guben. Vielleicht flunkert er ja auch, der Herr Ewersbach. Oder irgendwas stimmt nicht mit seiner Geburtsurkunde. Daniel Schauff

80 Jahre alt soll er sein, gerade geworden. Aus dem Anlass stellt das Stadt- und Industriemuseum gerade ein paar seiner Werke großflächig aus. "Faszination Landschaft" heißt die Ausstellung. Das RUNDSCHAU-Gespräch mit einem von Gubens bekanntesten Künstlern könnte unter dem Titel "Faszination Ewersbach" stehen. 80 Jahre - unglaublich.

Ewersbach steht vor seinen Werken und erzählt zu jedem einzelnen davon Geschichten. Nicht nur darüber, wie er mit Klappstuhl und -tisch regelmäßig irgendwo sitzt und das malt, was er sieht, sondern auch darüber, wie er sich langsam aber sicher an die verschiedenen Techniken gewagt hat. Auf einer Collage, die eine Straßenszene in Phuket (Thailand) zeigt, hat er sogar Zeitungsausschnitte verarbeitet. Vor und hinter ihm hängen Werke in Öl, Pastell, Aquarell.

"Ich male jeden Tag", sagt Ewersbach. "Das ist schon irgendwie professionell." Dabei war sein eigentlicher Beruf einer, der mit der Malerei zumindest auf den ersten Blick so gut wie nichts zu tun hat. Als Bio- und Chemielehrer ist der junge Ewersbach 1965 aus Berlin nach Guben gekommen - in eine "kleine, aufstrebende Stadt", sagt er. Die Abende seien lang gewesen, und um sich die Zeit zu vertreiben, hat er sich mit Kunst beschäftigt.

Einen Draht zum Zeichnen hatte er schon immer und hat während seines Studiums sogar die Zeichenaufgaben seiner Bio-Kommilitonen erledigt. "Was man sah, musste man abzeichnen", sagt Ewersbach über die Biologie vor hochtechnisierten Foto-Techniken. Während seiner Lehrertätigkeit knüpfte Ewersbach Kontakte zu anderen Künstlern in Guben und übernahm in den 80er-Jahren die Leitung des Malzirkels für Erwachsene im Chemiefaserwerk. In den frühen 90er-Jahren gründete er die Gubener Kunstgilde, die bis heute besteht.

"Nicht immer nur im eigenen Saft schmoren" will Ewersbach und tauscht sich regelmäßig mit anderen Künstlern aus - nicht nur denen in Guben und der Lausitz, sondern auch im Ausland. Einen engen Kontakt zu einem Londoner Künstler pflege er seit Jahren, sagt er. Regelmäßig fährt er mit Gleichgesinnten zu Ausstellungen nach Berlin oder andernorts, traut sich auch, Künstler nach ihrer Technik zu fragen. In dicken Fotoalben hält er fest, was er auf seinen Ausflügen und Reisen erlebt. Hin und wieder finden sich in den Alben die Landschaften auf Fotos, die er im Museum gemalt präsentiert.

Eigentlich müsste man noch fragen, ob Ewersbach angesichts seines Alters auch mal ans Aufhören denkt. Die Frage aber hat sich am Ende des Gesprächs erübrigt.

"Faszination Landschaft" ist bis zum 27. September dienstags bis freitags, 12 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 14 bis 17 Uhr zu sehen.