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Familiendrama schockt Guben

Die Polizei hat das Absperrband rund um das Haus, in dem sich das Familiendrama abspielte, gestern Mittag entfernt.
Die Polizei hat das Absperrband rund um das Haus, in dem sich das Familiendrama abspielte, gestern Mittag entfernt. FOTO: FOTO-Werner
Guben. Am Tag danach ist die Tötung einer 66-Jährigen Gesprächsthema Nummer eins in der Stadt. Wie konnte das geschehen? Viele kennen die Familie. Silke Halpick

Zwei Polizisten rollen das rot-weiße Markierungsband am Dienstag kurz vor Mittag ein. Für sie ist die Arbeit damit erledigt. Sie steigen in ihren Einsatzwagen und fahren los.

Das Mehrfamilienhaus in der Frankfurter Straße in Guben sieht nun wie jedes andere aus. Dass sich hier vor wenigen Stunden ein Familiendrama abgespielt hat, ist für Passanten, die die Einkaufsstraße entlangschlendern, nicht mehr ersichtlich.

Doch der Tod der 66-jährigen Gubenerin, den mutmaßlich der eigene Sohn verursacht hat, bewegt die Neißestädter. Ob im Café, auf der Straße oder vor der Stadtverwaltung: Überall wird darüber geredet. Die Menschen sind schockiert und betroffen. Auch in den sozialen Netzwerken wie Facebook laufen die Diskussionen über die Tat und das Motiv.

Als Augenzeuge vor Ort berichtet ein Nachbar, dass er am Montag kurz nach 23 Uhr auf die Vorkommnisse aufmerksam wurde. Die Feuerwehr rückte mit mehreren Fahrzeugen und einer Drehleiter im Eingang nebenan an. Aus Angst, dass möglicherweise ein Feuer ausgebrochen ist und er selbst davon betroffen sein könnte, beobachtete er das weitere Geschehen. Doch seine Befürchtung erwies sich schnell als unbegründet. "Natürlich haben wir spekuliert, was passiert sein könnte", erzählt der Mann, der anonym bleiben will.

Was sich tatsächlich hinter der Fassade des Mehrfamilienhauses abgespielt hat, weiß der Beobachter zu diesem Zeitpunkt nicht. Ähnlich ergeht es zunächst der Polizei, die durch Anwohner gegen 23 Uhr wegen des Verdachtes auf häusliche Gewalt gerufen wird. Niemand öffnet die Tür. Die Feuerwehr muss gewaltsam nachhelfen. Bis kurz nach drei Uhr sind die Einsatzkräfte vor Ort.

"Nicht mehr eilig" habe es die Notfallärztin gehabt, die kurze Zeit später eintraf, wie der Augenzeuge erzählt. Später sieht er noch, wie der 41-jährige Nachbar von der Polizei in Handschellen abgeführt wird. Der Mann gilt als tatverdächtig. Die Staatsanwaltschaft hat Dienstagmittag Haftantrag gegen ihn gestellt. Nach Aussage von Oberstaatsanwältin Petra Hertwig ist das Opfer durch einen scharfen Gegenstand zu Tode gekommen. Weitere Angaben macht sie nicht. Alles weitere müsse die Obduktion ergeben.

Die Gubener selbst sind entsetzt. Die Ratlosigkeit steht vielen ins Gesicht geschrieben. Die betroffene Familie ist bestens bekannt in der Stadt. Der Vater, der vor einigen Jahren durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben kam, war ein Gubener Urgestein. Er organisierte sportliche und kulturelle Veranstaltungen und holte dafür auch hochkarätige Prominenz in die Neißestadt. Seine Frau, die vor ihrem Ruhestand beim Finanzamt in Cottbus gearbeitet haben soll, wird von vielen als freundlich, aber zurückhaltend bezeichnet.

Der 41-jährige Sohn der beiden, mit dem die Mutter gemeinsam in der Wohnung in der Frankfurter Straße lebte, soll psychische Probleme haben. Das sei bekannt, wie die Nachbarn bestätigen. Schon vor einigen Jahren soll er nach einem Nachbarschaftsstreit von der Polizei abgeführt worden sein. Er soll über den ganzen Hof gebrüllt haben, dass er gegen seinen Willen mitgenommen wird, wie Augenzeugen von damals berichten.