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| 17:47 Uhr

Natur
Biber-Ärger in Deulowitz

Sehr tief sind die Löcher, die der Biber im Garten von Mario Neumann hinterlässt.
Sehr tief sind die Löcher, die der Biber im Garten von Mario Neumann hinterlässt. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau
Guben. Ein 42-jähriger Familienvater kämpft seit eineinhalb Jahren gegen den Nager auf seinem Grundstück - bisher jedoch ohne Erfolg. Silke Halpick

Angst hat Mario Neumann jetzt vor allem um seine Kinder, die beim Spielen auf dem Grundstück in tiefe Löcher einbrechen könnten. Diese Befüchtung ist nicht unbegründet. Neumann stand schon selbst „bis zur Taille tief“ im Erdreich, wie er berichtet. Unter ihm hatte der Biber einen Gang gegraben, der Boden darüber sackte ab. Schon für ihn war das ein großer Schreck. Was einem Vierjähriger in einer solchen Situation möglicherweise passiert, daran will der Familienvater gar nicht denken.

Das Einfamilienhaus an Rande des Naturschutzgebietes hat die Familie vor zwei Jahren gekauft. Die idyllische Lage habe auch ihnen gut gefallen, räumt Neumann ein. Doch damals gab es hier keinen Biber. „Zum Anfang fanden wir das auch noch spaßig“, erzählt er. Gemeinsam mit den Kindern habe er geschaut, ob man das Tier sehen kann. Mittlerweile ist er schlichtweg frustriert. „Mir reicht’s“, sagt Neumann.

Vor allem ärgert ihn, dass „man immer wieder von vorne anfängt“. Erst Anfang des Jahres sei ein 1,8 Meter tiefer Biberbau weggebaggert worden, immer wieder fülle er freigelegte Gänge mit Sand auf. Doch den Biber hat das bisher nicht vergrämt (fachmännisch für vertreiben). Selbst vor der Thujahecke macht der Nager nicht halt. „Das ist für ihn offenbar leichtes Baumaterial“, vermutet Neumann.

„Im Bereich in und um Guben gibt es viele Aktivitäten von Bibern, da die Tiere flächendeckend verbreitet sind“, bestätigt auch Doris Holtz, Umwelt-Fachbereichsleiterin des Landkreises Spree-Neiße auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Den konkreten Fall kenne sie zwar nicht. Betroffenen empfiehlt sie aber grundsätzlich, sich bei ihrer Behörde zu melden. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Biberbeauftragten könne dann ein Besichtigungstermin vor Ort vereinbart werden. Dabei sei auch ein Beurteilung der bereits durchgeführten Maßnahmen möglich.

Seit Juli 2017 hat der Landkreis Spree-Neiße vier ehrenamtliche Biberbeauftragte. Diese sollen nicht nur in Sachen Prävention beraten, sondern auch beim Vollzug von konkreten Maßnahmen helfen. Laut Brandenburgischer Biberverordnung dürfen Biberbauten und -burgen nur verfüllt und beseitigt werden, wenn durch die Tiere Gefahren für die Gesundheit des Menschen beziehungsweise erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erwarten sind.

Erst wenn diese Versuche „über einen längeren Zeitraum ohne Erfolg bleiben“, ist es laut Biberverordnung gestattet, den Biber umzusiedeln. Allerdings gibt es im gesamten Spree-Neiße-Kreis keine freien Reviere mehr. Alle Habitate sind bereits besetzt. Doch für den Abschuss ist eine Ausnahmegenehmigung nötig. Diese hat der Landkreis Spree-Neiße eigenen Angaben zufolge bisher nur in einem einzigen Fall erteilt. Betroffen war damals eine Teichwirtschaft, heißt es.

Zu DDR-Zeiten war der Biber in Brandenburg fast ausgerottet. Mittlerweile gibt es wieder mehr als 3300 Tiere landesweit. Der Bestand wächst jährlich um zehn bis 20 Prozent. Für die einen ist dies ein Beleg für eine erfolgreiche Naturschutzarbeit. Für die Betroffenen hingegen wird der Nager mehr und mehr zum Problem.

Auch für Mario Neumann ist der Biber längst „eine Plage“. Ihm persönlich wäre es am liebsten, wenn das Tier gefangen und umgesiedelt wird. Naturschutz sei ihm wichtig, betont er. Doch auch Rehe und Wildschweine werden geschossen, wenn deren Population zu groß wird, argumentiert der Familienvater.

Im Gegensatz zu diesen Tieren ist der Biber allerdings laut europäischen Naturschutzrecht streng geschützt und darf nicht gejagt werden. Dagegen kämpft unter anderem auch der Bauernbund Brandenburg. Von den Biberschäden sind oft auch Landwirte betroffen. Die Nager vernichten Bäume, setzen Wiesen und Felder unter Wasser und richten damit Schäden in Millionenhöhe an, heißt es. Kritisiert wird vom Verband auch der hohe finanzielle und personelle Aufwand, den das Land Brandenburg betreibt, um die Biberplage zu verwalten.

Ihrem Ärger über Biberschäden haben auch die Einwohner von Groß Breesen beim RUNDSCHAU-Forum „LR vor Ort“ im September 2017 Luft gemacht. Viele von ihnen fühlen sich von der Politik im Stich gelassen, die über den Schutz des Bibers völlig die Interessen der Menschen vergesse. So sehen das zumindest die Betroffenen.