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| 12:40 Uhr

Schüler machen Aktion im Theater
Gubener verwirren Theaterpublikum

Gubener Gymnasiasten singen während eines Flashmobs das Steigerlied und sorgen mit ihrem Auftritt für Verwirrung.
Gubener Gymnasiasten singen während eines Flashmobs das Steigerlied und sorgen mit ihrem Auftritt für Verwirrung. FOTO: Sebastian Matschke
Cottbus/Guben. Seminarkurs improvisiert zum Thema Kohle und die Lausitz vor der Premiere von „Brass off“ in Cottbus.

Erleichtert, aber auch erstaunt kamen die Schüler des Seminarkurses „Zwischen Theater und Pädagogik“ des Gubener Pestalozzi-Gymnasiums am Samstag aus der Premierenvorstellung „Brassed Off – Mit Pauken und Trompeten“ des Cottbuser Staatstheaters. Sie hatten ihren Auftritt vor dem eigentlichen Stück.

Etwa einen Monat vor der Premiere stellten die Zwölftklässler ihre Ideen Regisseur Lukas Pohlmann vor. Das Thema waren die Arbeit und das Leben, welche an der Kohle hängen. Das sollte in einem kurzen Auftritt vor der eigentlichen Premiere deutlich gemacht werden. Der Regisseur war begeistert, dass die Besucher „nicht nur ihr Sektchen trinken, in die Vorstellung gehen, ihren Mantel holen und dann wieder nach Hause fahren“, sondern auch zum Nachdenken angeregt werden.

Grundlage für Stück und Performance war der Film „Brassed Off“, in dem es um die letzte Zechenschließung in Mittelengland Mitte der 90er-Jahre ging, und dass Musik Leuten in solch einer Krisenzeit Halt gibt. Deshalb wurde das „Steigerlied“ für die kleine Improvisationsinszenierung verwendet und diente als Rahmen für den „Flashmob“. Die Schüler hatten sich aussagekräftige Sätze über Zukunft, Perspektive, Hoffnungslosigkeit in der Lausitz und ihr Verhältnis zur Kohle ausgedacht. Für diese Art des spontanen Auftritts zu proben, ist schwer, denn es kommt immer auch auf die Reaktionen der Anwesenden an. Hobbyfußballer dienten bei einer Probe  in der Aula des Gubener Gymnasiums als eine Art Test-Publikum.

Dennoch machten sich die Schüler mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg ins Theater. Punkt 19.10 Uhr ging das Licht im Foyer des Theaters aus. „Keine Bange! Das kennen wir schon hier in der Lausitz“, wurde in die Menge gerufen und das Steigerlied gesungen. Die verdutzen Besucher wurden angesprochen: „Haben Sie Arbeitsplätze? Ich brauch einen Arbeitsplatz!“ oder „Die sind oben und wir sind hier unten.“ Währenddessen ging Florian Lieske mit einem Sack mit der Aufschrift „Verantwortung“, eine Last, umher. „Dieser im grauen Anzug“ repräsentierte einen Politiker.

Die fünf Minuten waren schneller vorbei, als sich die Theaterzuschauer von ihrer Verwirrung lösen konnten. „Die verwirrten Blicke sind sehr gut, denn jetzt setzen sich die Leute damit auseinander“, sagte Lehrer Ole Deuter. Astrid Proske, die Tutorin des Kurses, zeigte sich erleichtert. Nach dem geglückten Flashmob gingen alle in die Vorstellung.

(sms)