Diese Gebührenerhöhung nennt selbst der Verbandsvorsteher des Gubener Wasser- und Abwasserzweckverbandes (GWAZ), Ronny Philipp, drastisch: Für die Entsorgung ihrer Fäkalien müssen Gubener Grundstücksbesitzer, die nicht an das Netz des GWAZ angeschlossen sind und die Sammelgruben verwenden, in diesem Jahr de facto das Doppelte zahlen als noch im Vorjahr. Lag die Grundgebühr vorher bei 56 Euro, so sind jetzt 100 Euro zu zahlen. Und die Mengengebühr stieg von 3,11 Euro pro Kubikmeter auf nunmehr 6,10 Euro.

Das sorgt natürlich für Ärger. Besonders groß ist die Verärgerung in Kaltenborn. Dort befinden sich gleich 63 der 124 Grundstücke, die in der Stadt betroffen sind. 27 Grundstücke liegen in Groß Breesen, die restlichen verteilen sich auf das Stadtgebiet.

Kein Wunder, dass das kleine Vereinsheim in Kaltenborn am Montag zur Einwohnerversammlung fast aus allen Nähten platzte. Neben Verbandschef Philipp war unter anderem auch Bürgermeister Fred Mahro (CDU) gekommen. Philipp und Mahro erläuterten, warum es zu der Gebührenerhöhung kam, und versuchten zugleich, die Wogen zu glätten.

Anschluss an das GWAZ-Netz ist nicht so einfach

Grund für die Erhöhung sei eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes Cottbus aus dem Vorjahr gewesen. Das hatte die seit 2014 praktizierte Vorgehensweise des GWAZ, einheitliche Gebühren für die Entsorgung per Leitung wie auch per Grube zu veranschlagen, bei einer Prüfung als nicht rechtmäßig eingestuft. Für beide Arten der Entsorgung seien unterschiedliche Kalkulationen aufzustellen. Zwar habe der Verband noch versucht, gegen dieses Urteil vor das Oberverwaltungsgericht zu ziehen, doch dieser Einspruch wurde nicht zugelassen. Somit habe der Verband eine extra Kalkulation für die Fäkalienentsorgung aufgestellt, die zu den genannten Gebühren geführt habe.

Und wie sieht nun die Perspektive für Kaltenborn aus? Bei der Versammlung im Vereinsheim wurde zunächst die Forderung „Dann schließen sie uns doch an!“ laut. Doch ganz so einfach wie gedacht ist die Angelegenheit nicht. Zwar sagte Philipp zu, dass der Verband die Planung eines solchen Anschlusses des Ortsteiles in diesem Jahr neu aufnehmen werde. Doch mit einer schnellen Lösung, das heißt einem baldigen Bau, sei nicht zu rechnen.

Ein Problem dabei: „Für derartige Erschließungen gibt es keine Fördermittel mehr“, so Philipp. Und: Auf jeden einzelnen Grundstücksbesitzer kämen Anschlusskosten zu, die oft bei mehreren Tausend Euro liegen würden.

Und die Interessenlage ist noch verzwickter: Eine weitere Alternative sind nämlich Kleinkläranlagen. Wer eine solche besitzt, ist für den Fall, dass der Ortsteil doch durch den GWAZ erschlossen wird, für 15 Jahre vom Anschluss befreit. Kaltenborns Ortsvorsteher Werner Soyke ist sich sicher, dass ein Anschluss an das Abwassernetz letztlich teurer ist als eine Kleinkläranlage.

Grundstückseigentümer müssen selber entscheiden

Und nun? Weiter auf die Sammelgrube setzen? Einen Anschluss ans Netz fordern? Eine Kleinkläranlage bauen? Letztlich muss jeder Grundstücksbesitzer für sich ausrechnen, was für ihn die praktikabelste Lösung ist. Aber auch Ronny Philipp empfiehlt: „Wer kann, sollte sich für eine Kleinkläranlage entscheiden.“

Noch eine andere Lösung wird übrigens für das etwas abgelegene Wohngebiet Kuckucksaue erwogen: In dem Fall soll noch einmal geprüft werden, ob diese Grundstücke nicht an das nahe gelegene Industriegebiet angeschlossen werden.

Am Ende der Versammlung betonte der Verbandsvorsteher noch, dass ein Vergleich mit umliegenden Verbänden ergeben habe, dass die Gebühren dort teurer sind. Natürlich, gestand Philipp, sei dies für die Kaltenborner aktuell nur ein geringer Trost.

Industriegebiet Guben-Süd Unternehmen müssen weniger zahlen

Guben

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So sieht es außerhalb Gubens aus


Der Gubener Wasser- und Abwasserzweckverband unterteilt sich in drei Versorgungsgebiete. Dabei ist die Entwicklung der Gebühren bezüglich der Fäkalienentsorgung sehr unterschiedlich. Während diese sich im gesamten Versorgungsgebiet um Guben ebenfalls nahezu verdoppelten, stellt sich die Situation in den Versorgungsgebieten II und III, also um Lieberose, Friedland und die Gemeinden Tauche und Schwielochsee, anders dar. Dort sei die Grundgebühr laut Verbandsvorsteher Ronny Philipp von ehemals 192,17 Euro beziehungsweise 157,69 Euro auf nunmehr 100 Euro gesunken.