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| 16:00 Uhr

Einkaufen
Experten-Check im Supermarkt

Ernährungsberaterin Diana Marwitz zeigt auf das neue EU-Biosiegel, das vielen Verbrauchern noch unbekannt ist: Weiße Sterne, angeordnet in der Form eines Blattes sind auf grünem Untergrund zu sehen.
Ernährungsberaterin Diana Marwitz zeigt auf das neue EU-Biosiegel, das vielen Verbrauchern noch unbekannt ist: Weiße Sterne, angeordnet in der Form eines Blattes sind auf grünem Untergrund zu sehen. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben. Ernährungsberaterin Diana Marwitz geht mit Gubenern einkaufen und erklärt Verkaufstricks.

„Für deutsche Produkte gibt es keine Lebensmittelampel“, sagt Diana Marwitz. Das ärgert die Ernährungsberaterin der Verbraucherzentrale in Cottbus. „Wir haben lange in Brüssel dafür gekämpft“, betont sie. Doch die Lebensmittellobby sei stärker gewesen. „Großbritannien hat mit der Ampel sein Übergewichtsproblem  gelöst“, sagt sie.

Mit vier Seniorinnen  steht Marwitz am Montagvormittag in der Kaufland-Filiale in der Kaltenborner Straße in Guben. Regelmäßig geht sie mit Interessierten auf Einkaufstour, in Cottbus, Spree-Neiße oder auch Elbe-Elster. Dabei gibt sie Tipps zur gesunden Ernährung und deckt Verkaufstricks der Lebensmittelindustrie auf.

In der Hand hält die Ernährungsberaterin jetzt eine Packung Cornflakes. „Diese Produkte sind nicht nur bei Kindern beliebt“, sagt Marwitz. Doch ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt: Gesund ist das nicht. In 100 Gramm stecken zehn Gramm Fett, 25 Gramm Zucker und sogar ein Gramm Salz. Mithilfe der Ampel-Checkkarte der Verbraucherzentrale wird die Frühstücksmischung als Zuckerbombe entlarvt. Gleich im Regal nebenan sind  gesunde Produkte zu finden.

„Der Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich wirklich“, betont Marwitz. Auch wenn das zunächst zeitaufwändig erscheint. „Doch man findet schnell seine individuellen Favoriten, auf die man immer wieder zurückgreift“, sagt die Expertin. Wichtig sei, immer auf die 100-Gramm- und nicht auf Portionsangaben zu achten. Letztere seien Schönrechnungen der Hersteller.

In der Obst- und Gemüseabteilung verweist Marwitz auf das neue EU-Bio-Siegel: weiße Sterne in Form eines Blattes auf grünem Hintergrund. Das Label gibt es seit 2010 und ist vielen Verbrauchern noch immer unbekannt. Für Bioprodukte spricht aus ihrer Sicht, dass die Produzenten auf den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln verzichten. Als Beispiel nennt sie Zitronen. Herkömmliche Früchte werden mit Konservierungsmitteln behandelt. Deren Schalen sollte nicht zum Backen verwendet werden, warnt Marwitz.

Gefahr für die Gesundheit geht aber auch von Einweg-Plastikverpackungen aus. Diese dürfen keinesfalls wiederverwendet werden. „Joghurtbecher werden nur für den einmaligen Gebrauch produziert“, sagt Marwitz. Wenn diese später mit Kartoffelsalat befüllt werden, können sich Plastikpartikel lösen und ins Essen gelangen. Der Griff zu Glas ist für die Expertin ohnehin immer die bessere Wahl.

„Auch der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und dem Hinweis ‚zu verbrauchen bis’ ist vielen nicht klar“, sagt Marwitz. Bei letzterem sollte das Produkt nach Ablauf der angegebenen Frist nicht mehr verzehrt werden. Das Mindeshaltbarkeitsdatum ist hingegen kein Stichtag, sondern nur eine Garantie des Herstellers. Die Lebensmittel seien noch „viel, viel länger“ essbar, so Marwitz. Hier empfiehlt sie, „die eigenen Sinne einzusetzen“.

„Das war wirklich interessant“, sagt Andrea Forberg. Die Fachberaterin des Selbsthilfe- und Informationszentrums (Sekiz) Spree-Neiße hatte die zwei 1,5-stündigen Supermarktrunden mit der Ernährungsberaterin organisiert. „Kaufland und Rewe gestatten uns diese Touren“, sagt Marwitz. Abgelehnt werden ihre Anfragen hingegen von Discountern.