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EVG zieht Preise für Gaskunden an

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Die Kunden der Energieversorgung Guben (EVG) müssen ab dem 1. Mai mehr Geld für Erdgas zahlen. Der allgemeine Grundpreis orientiert sich künftig an der Abnahmemenge. Zudem legt der Grundversorger zwei neue Sonderprodukte auf. Die RUNDSCHAU erklärt, was das für den Verbraucher bedeutet.

Welche Preise zahlen die Kunden bisher für Erdgas?
Im allgemeinen Tarif müssen die Privatkunden bisher einen Arbeitspreis von 7,56 Cent je Kilowattstunde und einen Grundpreis von 52,80 Euro jährlich zahlen. Daneben gab es auch Sondertarife wie "NeißeGas Flex2" oder "NeißeGas FlexJ", die laut EVG jetzt aber auslaufen sollen.

Wie ändern sich die Preise ab dem 1. Mai?
Ab Mai wird es im allgemeinen Tarif drei unterschiedliche Preisstufen geben, die sich nach dem Gasverbrauch der Kunden richten. Bei einer jährlichen Abnahme von bis zu 1000 Kilowattstunden liegt der Arbeitspreis bei 8,08 Cent je Kilowattstunde und der Grundpreis bei 65,21 Euro pro Jahr. Wer 1001 bis 8000 Kilowattstunden bezieht, zahlt künftig einen Arbeitspreis von 7,74 Cent je Kilowattstunde und einen Grundpreis von 65,21 Euro pro Jahr. Bei einem Verbrauch von mehr als 8000 Kilowattstunden liegt der neue Arbeitspreis bei 7,44 Cent pro Kilowattstunde und der Grundpreis bei 89,01 Euro pro Jahr.

Was bedeutet das konkret für eine Beispielfamilie?
Eine Familie mit einem 100 Quadratmeter großem Haus verbraucht durchschnittlich 12 000 Kilowattstunden Gas pro Jahr. Bisher zahlte die Familie dafür 960 Euro pro Jahr. Ab dem 1. Mai werden es 981,81 Euro sein. Das entspricht einer Steigerung von acht Prozent. Wer hingegen nur 1000 Kilowattstunden Gas pro Jahr bezieht, hatte bisher Kosten in Höhe von 128,40 Euro zu tragen. Ab dem 1. Mai werden es 146,01 Euro und damit 13 Prozent mehr sein.

Gibt es ab Mai auch neue Sondertarife?
Ja. Zwei neue Sondertarife sind im Angebot. Der "NeißeGas Flex" bietet den Kunden mit einer Kündigungsfrist von einem Monat die "höchste Flexibilität" laut EVG. Hier liegt der Arbeitspreis bei 6,36 Cent pro Kilowattstunde und der Grundpreis bei 148,75 Euro pro Jahr. Der Tarif "NeißeGas Fix" garantiert stabile Preise bis Ende 2016. Der Arbeitspreis beträgt 6,20 Cent pro Kilowattstunde, der Grundpreis 148,75 Euro pro Jahr. Die Preise gelten für Kunden mit einem Gasverbrauch von bis zu 20 000 Kilowattstunden jährlich.

Was sind die Gründe für die Preiserhöhung?
Das Unternehmen, dessen Gesellschafter die Städtischen Werke Guben mit 55 Prozent und enviaM mit 45 Prozent ist, will sich zu den Gründen für die "Preisanpassung" gegenüber der RUNDSCHAU nicht äußern. In bisherigen Veröffentlichungen wird darauf hingewiesen, dass man darum bemüht ist, die Kunden zuverlässig und kostengünstig mit Erdgas zu versorgen und man die Preise in den vergangenen vier Jahren konstant halten konnte.

Wie groß ist der Kreis der Betroffenen?
Die EVG ist Gas-Grundversorger in Guben hat eigenen Angaben zufolge 4743 Kunden (Stand: Juli 2014). Das entspricht einem Marktanteil von 90 Prozent.

Was können Kunden tun, die mit der Preiserhöhung nicht einverstanden sind?
Grundsätzlich haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht nach einer solchen Preiserhöhung. Darauf weist Wolfgang Baumgarten, Jurist bei der Verbraucherzentrale in Cottbus, hin. Davon können die Kunden 14 Tagen nach Zugang der Benachrichtung Gebrauch machen. Fällt der letzte Tag der Kündigungsfrist auf einen Feiertag (wie Ostern), verlängert sich Baumgarten zufolge die Frist entsprechend.

Was ist bei einem Anbieterwechsel zu beachten?
Im Internet gibt es zahlreiche Vergleichsportale. Von Angeboten mit Vorauszahlungen oder Kaution rät der Verbraucherschützer jedoch grundsätzlich ab. Auch bei Boni für Neukunden sei Vorsicht geboten. Häufig seien die Konditionen im zweiten Jahr deutlich schlechter, so Baumgarten. Die Verbraucherzentrale in Cottbus bietet Beratungen zum Strom- und Gasanbieterwechsel an. Termine können über das landesweite Termintelefon unter 0331/98229995 vereinbart werden. Beratungen zu den neuen Tarifen gibt es aber auch bei der EVG.