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Politik
Etappensieg für Camp Deulowitz

Frank Retzlaff (l.) ist Geschäftsführer des Vereins „Ferieninitiative Grenzenlos“, sein Bruder Berndt als Clown Retzi bekannt.
Frank Retzlaff (l.) ist Geschäftsführer des Vereins „Ferieninitiative Grenzenlos“, sein Bruder Berndt als Clown Retzi bekannt. FOTO: Richter
Guben. Gubens Stadtverordnete lehnen die Ausschreibung für den Touristenstützpunkt erneut ab. Von Silke Halpick

Die Erleichtung ist Frank Retzlaff ins Gesicht geschrieben. Der Geschäftsführer des Vereins „Ferieninitiative Grenzenlos“ sitzt in den Zuschauerreihen der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend. Erst kurz vor 19 Uhr ist klar, dass der Touristenstützpunkt am Deulowitzer See nicht zum Verkauf ausgeschrieben wird. 16 von insgesamt 25 Stadtverordneten stimmen gegen die Vorlage, vier enthalten sich.

„Mit so einem klaren Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, sagt Retzlaff. Für ihn ist das jetzt ein „eindeutiges Bekenntnis“, über das er sich freut. Persönlich empfand er die Ausschreibung eher als Kritik an seiner Arbeit. Frei nach dem Motto: Erst mal sehen, ob ein Besserer kommt. Das allerdings wurde nie gesagt. Vielmehr ist man sich sogar fraktionsübergreifend einig, dass der Verein einen guten Job macht.

Doch selbst das gebetsmühlenartige Wiederholen, dass mit der Ausschreibung noch längst nicht der Verkauf besiegelt ist, hat die Abgeordneten nicht überzeugt. Zu groß scheint die Angst vor einem Investor, der das 1,6 Hektar große Areal am idyllisch gelegenen See, der gern auch als Gubens Badewanne bezeichnet wird, einverleibt und kommerzialisiert.

Mit der Klausel, dass der Verkauf nur zum Zweck der Erholung und Freizeitnutzung erfolgt, sollte dies ausgeschlossen werden. Doch die Einschränkung geht vielen der Abgeordneten nicht weit genug. Beliebt ist das Camp auch deshalb, weil sich den Urlaub hier sogar sozial schwache Familien leisten können und es pädagogische Angebote für Kinder gibt.

Zweifel an den Argumenten der Stadt hegt auch Frank Kramer, Fraktionschef der Wählergruppe „Wir Gubener Bürger“. Er ist nicht sicher, ob Bewerber tatsächlich im Nachgang vom Verfahren ausgeschlossen werden können. „Wir haben hier ein haushalterisches Problem“, stellt er klar. Allerdings habe für ihn die Jugend „Vorrang vor fiskalischen Zwängen“.

Das Hauptproblem ist tatsächlich der Gubener Haushalt, der bis zum Jahr 2021 konsolidiert sein soll. Zu den dafür erforderlichen Sparmaßnahmen gehört unter anderem der Verkauf des Touristenstützpunktes. Der Verkehrswert liegt laut Gutachten bei 118 000 Euro, hinzu kommt ein Investitionsstau am Objekt in Höhe von 170  000 Euro.

Wird die Anlage nicht verkauft, klafft im Gubener Haushalt eine Lücke von rund 300 000 Euro. Diese muss durch andere geeignete Maßnahmen geschlossen werden, erklärte der amtierende Bürgermeister in der Vergangenheit bereits mehrfach. Welche Alternativen es gibt, ist nach wie vor unklar.

Fest steht aber auch, dass die „Ferieninitiative Grenzenlos“ als gemeinnütziger Verein nicht über so viel Geld verfügt, um das Objekt zu kaufen. Frank Retzlaff selbst wünscht sich einen möglichst „langfristigen Pachtvertrag“. Dann kann er weiter seine Arbeit machen. Ein Erbbaupachtvertrag sei keine Option, weil der Verein die Kosten für den Investitionsstau nicht schultern könne.

Der Pachtvertrag mit der Stadt läuft erst Ende 2018 aus. Laut der Vereinbarung sei eine nochmalige Verlängerung um weitere drei Jahre möglich, sagt Fred Mahro.