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| 16:09 Uhr

Auszeichnung
Erst spät zum großen Wurf

Nadine Koch und Tochter Laura trainieren zusammen beim SV Chemie Guben.
Nadine Koch und Tochter Laura trainieren zusammen beim SV Chemie Guben. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Nach 20 Jahren Pause kämpfte sich Nadine Koch mit hartem Training an die Spitze. Von Michèle-Cathrin Zeidler

Locker geht Nadine Koch mit einem Speer in der Hand über den Sportplatz der Gubener Obersprucke. Während ihre Trainingsgruppe noch ein paar Runden auf der Bahn läuft, will sie mit Tochter Laura schon einmal ein paar Würfe üben. Immer an der Seite des Mutter-Tochter-Gespanns: Hund Bonito.

„Seit den Landesmeisterschaften im März trete ich ein wenig kürzer“, erzählt Nadine Koch. Auf dem Gubener Frühlingsfest wurde die 40-Jährige mit dem Titel „Sportlerin des Jahres 2017“ ausgezeichnet. „Ich habe mich während des Wettkampfes im Weitsprung überstreckt und danach hat mein Körper gestreikt“, so die Athletin. Vorher trainierte Nadine Koch vier Mal in der Woche bis zu zwei Stunden nach einem Plan von Gubens Leichtathletik-Trainer-Urgestein Hildegard Petter. Zusätzlich ging es am Wochenende mit Tochter und Hund auf die Laufstrecke.

Ihre Disziplin und das harte Training zeichneten sich 2017 aus. Nadine Koch holte auf den Deutschen Meisterschaften der Senioren in Zittau den Titel im Speerwurf und schaffte es im Weitsprung auf den zweiten Platz. „Mit diesem Erfolg ging für mich ein Kindheitstraum in Erfüllung“, erzählt die Leichtathletin. Ihre sportliche Karriere begann bereits im Alter von acht Jahren. „Als Schülerin hatte ich recht erfolgreich an Spartakiaden und Bezirksmeisterschaften teilgenommen“, blickt die Gubenerin zurück. Damals sei der Leitungsdruck groß gewesen und nach einem Sportunfall war für viele Jahre erst einmal Schluss mit der Leichtathletik.

Nadine Koch in Aktion.
Nadine Koch in Aktion. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler

Wiederentfacht wurde ihre Leidenschaft für den Sport auf einem Wettkampf ihrer Tochter. Dort sah sie Senioren im Starterfeld. „Kurz darauf stand ich völlig außer Puste am oberen Treppenende“, erinnert sich Nadine Koch. Ab diesem Moment wollte sie etwas für ihre Fitness machen: „Also habe ich nach 20 Jahren Pause mit 35 Jahren wieder angefangen zu trainieren“, sagt die Rechtsanwalts-Fachangestellte. Dabei habe allerdings immer der Spaß am Sport im Vordergrund gestanden.

Anfangs trainierte Nadine Koch ohne Gruppe in ihrem Alter beim SV Chemie Guben. „Es war zwar schön, aber meine Leistung stagnierte mit der Zeit“,  so die zierliche Sportlerin. Doch dann sei eine Trainingsgruppe entstanden und die anderen Sportlerinnen hätten sie zu mehr Leistung angespornt. „Ohne meine Trainingsgruppe wäre ich im vergangenen Jahr nie so erfolgreich gewesen“, ist Nadine Koch überzeugt.

Auf diese sportlichen Erfolge ihrer Mutter ist auch Tochter Laura stolz. „Ich finde das toll“, sagt die 17-Jährige. „Sie ist eine erfahrene Athletin und hat im Training immer ein paar Tipps für mich.“ Ihren entscheidenden Durchbruch verdankt Nadine Koch zum Teil auch ihrer Tochter. „Durch ein Referat für die Schule hat mich Laura auf andere Wurftechniken aufmerksam gemacht“, erzählt die Gubenerin. „Mit dem Zangengriff flog der Speer dann plötzlich deutlich weiter.“ Heute liegt ihre persönliche Bestleistung bei 32 Metern.

Im Jahr nimmt Nadine Koch an rund sieben Wettkämpfen teil. „Es macht mir Spaß, mich mit anderen zu messen“, erklärt die Mutter ihre Leidenschaft. Außerdem seien die Wettkämpfe immer ein großes Wiedersehen. „In der Altersklasse haben wir ein freundschaftliches Verhältnis zur Konkurrenz und feuern uns gegenseitig an“, verrät Nadine Koch. Trotzdem wird sie in diesem Jahr wohl an keinem Wettkampf teilnehmen. Denn auch wenn sie langsam mit dem Training wieder anfangen kann, merkt sie ihren Rücken noch immer. „Ich werde eben nicht jünger“, lacht Nadine Koch. Die Turnschuhe ganz an den Nagel hängen kommt für sie allerdings auch nicht in Frage. „Ein Leben ohne Sport kann ich mir nicht mehr vorstellen“, betont Koch. Und auch Tochter Laura will ihre Mutter so lieber nicht erleben: „Ohne Sport wird sie ganz unausgeglichen und bekommt Kribbeln in den Füßen.“