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| 18:00 Uhr

Guben/Gubin
Erfolgreiches Geschäftsmodell und Vorzeigeobjekt

Czeslaw Fiedorowicz (Mitte) gilt als der geistige Vater der gemeinsamen Abwasserbehandlungsanlage. Wolfram Nelk war jahrelang Geschäftsführer des GWAZ.
Czeslaw Fiedorowicz (Mitte) gilt als der geistige Vater der gemeinsamen Abwasserbehandlungsanlage. Wolfram Nelk war jahrelang Geschäftsführer des GWAZ. FOTO: LR / Silke Halpick
Guben/Gubin. 20 Jahre Guben-Gubiner Klärwerk werden gefeiert.

Auch nach 20 Jahren Betriebszeit ist die gemeinsame Abwasserbehandlungsanlage der Städte Guben und Gubin ein Vorzeigeobjekt für die deutsch-polnische Zusammenarbeit – und ein erfolgreiches Geschäftsmodell, wie Gubins Bürgermeister Bartłomiej Bartczak auf dem Festempfang am Donnerstag betont. „Die Anlage bringt jedes Jahr rund eine Million Zloty an Gewinn“, begründet er. „Hochachtung“ habe er für die Leistung seines Vorgängers Czeslaw Fiedorowicz, der die kühne Vision umsetzen konnte, ohne „in den Knast zu kommen“.

„Es hätte auch anders ausgehen können“, bestätigt Fiedorowicz. Der heutige Vorsitzende des Regionalparlaments der Wojewodschaft Lebuskie (Sejmiks) war vor 20 Jahre Gubiner Bürgermeister und wird an diesem Tag noch mehrmals als „Vater“ der gemeinsamen Kläranlage bezeichnet. Die Genehmigung für den Betrieb der Anlage habe er erst einen Tag vor Inbetriebnahme bekommen, erzählt Fiedorowicz gut gelaunt. Im Vorfeld habe er gegen viele Vorurteile kämpfen müssen. „Meine Feinde von damals sind heute die größten Anhänger“, sagt er.

Mehr als zehn Millionen Euro sind in den Bau der gemeinsamen Abwasserbehandlungsanlage auf polnischem Gebiet geflossen. Unterstützt wurde das Projekt durch Fördermittel aus der EU, aus Deutschland und Brandenburg. Aktuell werden hier drei Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr aufgearbeitet und anschließend in die fließenden Gewässer der Region geleitet, wie Michael Feige, Geschäftsführer des Gubener Wasser- und Abwasserzweckverbandes (GWAZ), erklärt.

Die Auslastung der Anlage liegt bei 60 Prozent. Das sei der gesunkenen Einwohnerzahl geschuldet, wie Feige einräumt. Allerdings wird hier auch hoch belastetes Industrieabwasser beispielsweise aus dem Industriegebiet Guben-Süd gereinigt, sodass die Auslastung bei der Schmutzfracht mit 98 Prozent angegeben wird. Die eigens gegründete POS GmbH ist Betreiber des Klärwerkes und wiederum ein Gemeinschaftsunternehmen des GWAZ und der Stadt Gubin.

„Das Werk ist ein Wunder“, sagt Fiedorowicz. Die Ausgangsbedingungen vor 20 Jahren waren alles andere als erfolgversprechend: Polen gehörte noch nicht zur EU. Die Gubiner Stadtverordneten wollten keinesfalls „deutsches Abwasser nach Polen reinlassen“. Und auf dem Tisch der Gubener lag zu diesem Zeitpunkt bereits ein fertiges Konzept für ein Klärwerk auf deutscher Seite. Doch das scheinbar Unmögliche gelang: am 2. Mai 1998 ging die gemeinsame Anlage in Betrieb.

„Das Klärwerk ist für beide Seiten wichtig“, sagt Feige. Die Deutschen profitieren von günstigen Abwasserpreisen. Die Gubener bezahlen für die Entsorgung ihres Schmutzwassers aktuell 2,72 Euro pro Kubikmeter. Auf der polnischen Seite ist die Gebühr geringer, weil hier auch die Einkommen unter denen auf deutscher Seite liegen. Konkrete Zahlen werden jedoch nicht genannt.

70 Prozent des Strombedarfes zum Betrieb des Klärwerkes stammt aus erneuerbaren Energiequellen. Dieser Anteil soll in Zukunft weiter steigen, kündigt Geschäftsführer Darius Bochenski an. Geplant ist, die bereits vorhandene Photovoltaik­anlage zu erweitern sowie die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe.