ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:36 Uhr

Ensemble berichtet von hitziger Tour

Die Mitglieder der Ensemble der Klosterkirche haben am gestrigen Sonntag ihr Abschlusskonzert des diesjährigen Tour International in der Gubener Klosterkirche gegeben.
Die Mitglieder der Ensemble der Klosterkirche haben am gestrigen Sonntag ihr Abschlusskonzert des diesjährigen Tour International in der Gubener Klosterkirche gegeben. FOTO: Jana Pozar/zar1
Guben. Die Mitglieder der Ensemble der Klosterkirche haben eine erlebnisreiche Woche hinter sich. Ihre 45. Tour International führte sie in diesem Jahr nach Ungarn. Sechs Konzerte gaben die Gubener dort. Doch diese Fahrt hatte es in sich. Jana Pozar / zar1

Insgesamt etwa 2200 Kilometer haben die mehr als 70 Musiker und Sänger im Alter von sechs bis 76 Jahren zurückgelegt. Die Ensemblemitglieder um Hansjürgen Vorrath wussten, dass sie in den sonnigen, warmen Süden fahren. Woran sie allerdings nicht dachten, war die hohe Luftfeuchtigkeit von durchgehend 85 Prozent. "Die Tour war in jeder Hinsicht schweißtreibend. Das Wasser lief schon, wenn man einfach nur stand", erzählt Vorrath schmunzelnd. Nach jedem Konzert waren die Chorhemden nass. "Uns sie wurden einfach nicht mehr trocken", so der Kantor. Für ihn sei es das erste Mal gewesen, dass er all seine mitgenommene Auftrittskleidung verschlissen hatte. Die kleinen Kirchen, in denen die Gubener auftraten, taten ihr Übriges für stehende, feuchte Luft. "Aber alle unsere Auftritte waren einfach fantastisch. Es kamen zwar nicht so viele Leute, was auch den kleinen Kirchen geschuldet war, aber die Atmosphäre war jedes Mal der Wahnsinn", erzählt Hansjürgen Vorrath.

Dieses Mal wurde nicht in Massenunterkünften geschlafen. "Eine Nacht waren wir sogar in einem Hotel", sagte Hella Wiepke. Die 14-Jährige war zum zweiten Mal bei der Tour dabei. "Es ist einfach schön. Klar, wir haben auch Stress, aber das gemeinsame Musizieren und der gesellige Zusammenhalt machen einfach Spaß", so die Violinistin. Vom Balaton, an dem die Gubener auch Station machten, allerdings war die junge Musikerin enttäuscht: "Er ist total dreckig und der Strand ist einfach überfüllt." Auch Vorrath gab zu, dass es ihm dort vor Jahren besser gefallen hat.

Wie immer wurden die Musiker aus der Neißestadt verwöhnt. "Allerdings war das Essen gewöhnungsbedürftig. Die Tomatensuppe zum Beispiel war viel zu süß", verrät Hella Wiepke augenzwinkernd.

Eine kleine Panne allerdings ist wohl auf jeder Tour Pflicht. Ein Ensemblemitglied war verschwunden. Mit Disziplin, Logik und ohne Hektik wurde der junge Musiker aber bald wiedergefunden. "Er war zu langsam in der Kirche und wurde eingeschlossen. Anderthalb Stunden harrte er dort aus", erzählt Hansjürgen Vorrath. Für den Kirchenmusiker sei wichtig, dass es nicht nur in goldene Regionen, wo sprichwörtlich immer die Sonne scheint, geht. "Ich will vor allem den Kindern und Jugendlichen Länder zeigen, wo es nicht so golden ist. Und dazu gehört eben auch Ungarn", erklärt er. Und gerade in ärmeren Regionen wird die Herzlichkeit groß geschrieben. Und manchmal ist es dann auch im Bus eine Weile ganz still - weil die Gubener einmal mehr Armut und Leid mit eigenen Augen gesehen haben.

Die Heimfahrt hat Hansjürgen Vorrath so in Erinnerung: "Es war ganz still im Bus. Wahrscheinlich waren alle nur müde. Schließlich war es bei allem Spaß auch wieder eine anstrengende Tour."

Das Programm der Tour wurde am gestrigen Sonntag traditionell in der Gubener Klosterkirche als krönender Abschluss präsentiert. Und traditionell war das Gotteshaus gut gefüllt. Mit mehrstimmiger Vokal- und Instrumentalmusik alter Meister, sakraler Popmusik, arrangiert von Kantor Vorrath begeisterten sie letztlich auch das Gubener Publikum. Natürlich darf während solcher Konzert auch die Kantate "Jesu, meine Freude" von Johann Franck und Johann Crüger, die beide aus Guben stammten, nicht fehlen. "Das ist immer ein besonderer Gruß aus Guben", erklärt Hansjürgen Vorrath.

Der Chor der Klosterkirche war schon zu DDR-Zeiten auf Tour gegangen - damals nur innerhalb der Grenzen. Seit 1990 gehen die Ensemble alljährlich auf große Fahrt. Unter anderem gaben sie in St. Petersburg, Oslo, Bordeaux und Barcelona Konzerte.