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Weihnachten in anderen Kulturen
Endlich friedliche Feiertage

Auch bei Familie Al Ali seht im Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum. Vater Hamza Al Ali hat ihn aufgestellt und geschmückt. Flüchtlingspate Horst Wetzel ist gerne zu Besuch und fungiert als Ersatz-Opa.
Auch bei Familie Al Ali seht im Wohnzimmer ein Weihnachtsbaum. Vater Hamza Al Ali hat ihn aufgestellt und geschmückt. Flüchtlingspate Horst Wetzel ist gerne zu Besuch und fungiert als Ersatz-Opa. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Weihnachten – für die meisten ein vertrautes Ritual. Ein reich geschmückter Baum, Kerzenglanz, Geschenke und gutes Essen. Doch wie feiern muslimische Flüchtlinge das Fest? Die RUNDSCHAU hat sich mit Familie Al Ali getroffen und einmal nachgefragt. Von Michéle-Cathrin Zeidler

Ein Schatten legt sich über Hamza Al Alis Gesicht, wenn er an sein letztes Weihnachtsfest in Syrien denk. „In meiner Heimatstadt Qamishli haben Muslime und Christen über Jahrhunderte hinweg friedlich zusammen ihre Feste gefeiert“, erzählt der Familienvater. Auch die muslimischen Al Alis haben zu Weihnachten ihren Balkon mit Lichterketten und Sternen dekoriert, Familie und Freunde  eingeladen und etwas Gutes gegessen.  „Die jungen Leute haben Weihnachten immer viel auf der Straße gefeiert, es gab Umzüge und Musik“, so Hamsa Al Ali weiter.

Doch dann kam der Krieg und der IS wurde in Qamishli aktiv. „Weihnachten 2015 sind in unserem Viertel drei Autobomben auf einmal explodiert“, sagt Hamza Al Ali, der 25 Jahre lang als Physik- und Chemielehrer in seiner Heimat tätig war. „Viele Menschen starben. Auch mein Sohn war nicht weit von der Explosion entfernt. Er hatte Glück, einige seiner Freunde leider nicht.“ Daher ist Hamza Al Ali einfach nur froh, seine Familie nun in Sicherheit zu wissen. „Für meine Kinder wünsche ich mir ein schönes und friedliches Leben“, legt er seinen einziger Wunsch zu Weihnachten dar. „Sie sollen eine gute Bildung erlangen und später eine Ausbildung machen oder studieren gehen.“

Für die 14-Jährige Nobarin Al Ali ist es das erste Weihnachtsfest in der Fremde. Zusammen mit ihrer Mutter und ihren vier Geschwistern ist sie seit Januar 2016 in Deutschland. „In Syrien habe ich mir zu Weihnachten immer Frieden gewünscht“, erzählt die Gymnasiastin. „Hier herrscht kein Krieg. Das ist das Beste.“ An der Weihnachtszeit gefällt ihr der Schmuck in der Stadt besonders gut. „Alles leuchtet so schön, und auch die Weihnachtsmärkte sind toll“, sagt Nobarin Al Ali. In ihrem Brief an den Weihnachtsmann stehen in diesem Jahr Schokolade und Süßigkeiten. „Außerdem wünsche ich mir schon lange ein schönes Kleid“, erzählt Nobarin Al Ali. Auch ihr jüngere Bruder muss nicht lange überlegen. „Ich wünsche mir Lego, damit spiele ich am liebsten“, erzählt Havnd Al Ali.

Im muslimischen Glauben gibt es ein Fest, das mit Weihnachten vergleichbar ist: das Zuckerfest. „Alle muslimischen Kinder in Syrien freuen sich auf das Zuckerfest“, sagt Nobarin Al Ali. Drei Tage lange werde dann das Fastenbrechen nach Ramadan gefeiert. „Es gibt viel süßes Gebäck, Kuchen und Bonbons. Die Familien treffen sich und Freunde, Verwandte und Nachbarn werden zum Essen eingeladen“, erklärt sie. „Ganz wie hier zu Weihnachten gibt es für uns Kinder viele Geschenke.“

Noch ist es nicht sicher, ob Familie Al Ali dieses Weihnachten in Guben feiert. „Wir ziehen bald nach Nordrhein-Westfalen um“, sagt Hamza Al Ali. Dort lebe sein Bruder mit seiner Familie. „Leider haben wir in Guben keine passende Wohnung gefunden“, erklärt er. Aktuell lebt die siebenköpfige Familie auf zwei Wohnungen verteilt. „Ich möchte in NRW weiterhin Sprachkurse belege“, so Hamza Al Ali. Sein Ziel ist es, wieder als Lehrer zu arbeiten.

„Ich freue mich schon auf das Wiedersehen mit meinen Verwandten“, sagt Nabarin Al Ali. Trotzdem wird sie angesichts der gepackten Kisten auch traurig: „Ich habe hier viele Freunde gefunden. Die werden ich vermissen.“