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Eiswein von einer Kaltenborner Nordwand

Wolfgang Preißner bei der Lese von Gutedel Wein an der Nordseite seines Hauses. Fotos: B. Remus, 4
Wolfgang Preißner bei der Lese von Gutedel Wein an der Nordseite seines Hauses. Fotos: B. Remus, 4
Kaltenborn. Weinlese war am gestrigen Montagmorgen bei Wolfgang Preißner in Kaltenborn angesagt. Noch braucht er zum Schneiden der Reben nur unter dem Vordach des Hofeinganges auf die Leiter zu steigen. Doch der 61-Jährige will den Weinanbau im kommenden Jahr erweitern. Von Barbara Remus

„Dem Gubener Weinbauverein in Grano will ich aber keine Konkurrenz machen. Ich will richtig alte Gubener Sorten anbauen. Zehn Sorten habe ich bisher im Garten. So an die 500 Liter Wein könnten es im Jahr werden“, sagt Wolfgang Preißner. Dabei beeilt er sich an diesem Montagmorgen, die Trauben des Gutedel Weinstockes unter dem Dach der Hofeinfahrt zu schneiden. Dass der Sonne liebende Wein bei ihm auch auf der Nordseite des Hauses wächst und gedeiht, merkt der Landwirt im Nebenerwerb besonders an. „Bis minus 15 Grad Celsius hält die Traube aus. Doch bevor sie wieder auftaut, muss sie geschnitten werden“, erklärt Preißner. Das Pressen der Trauben und das Befüllen der Gärgefäße folgen. Im altertümlich anmutenden Keller mit gewölbter Decke, zu dem von der Küche aus eine Falltür führt, sollen auch die Edelgut- Tropfen gedeihen. Sie werden sich dort in guter Gesellschaft befinden. Denn mehrere Hundert Liter Obstwein in Glasballons und in Holzfässern harren dort jetzt schon der heimischen Genießer. Dabei geht Preißner bei der Weinbereitung nach eigener Darstellung eher unkonventionell zu Werke. „Gärröhrchen sind mir zu aufwendig. Ich stülpe Plastetüten zum Abgasen über die Ballons und schöpfe von Zeit zu Zeit den Gärschaum ab und verfüttere ihn“, so Preißner. Für die Gutedel-Weinherstellung wolle er die Beigabe von Mispelfrüchten ausprobieren. „Einen ganzen Sonntag habe ich nach diesem Strauch gesucht und ihn endlich in Gubin, in der Nähe des einstigen Bismarckturmes, gefunden. Wild wachsende Mispeln sind auch sehr selten geworden“, so Preißner. Die süßsauren, rundlichen, gelbbraunen kleinen Früchte seien sehr aromatisch und würden ebenfalls nach dem ersten Frost geerntet.

Doch nicht nur die Gutedel-Trauben, sondern auch einen Teil der Äpfel von seinen mehr als 100 Bäumen mit rund 30 Sorten hat Preißner erst in diesen Tagen gepflückt.

Den gelben Lanes Prinz Albert zum Beispiel, den habe er bei minus 15 Grad geerntet. Der Apfel mache sich gut als Vogelweide. Stolz verweist Preißner auf den dunkelroten Gubener Kaschacker. „Weihnachts- oder Klapperapfel wird er auch genannt“, so der Obstkenner. In ungezählten Holzstiegen in einem kühlen Raum lagert das Obst. Immer wieder wird es, wie an diesem Montagmorgen, verlesen. Als „Futter für den Biber oder für Rehe“ führt es Wolfgang Preißner einem guten Zweck zu.