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Klima
Eisspeicher verbessert CO2-Bilanz

Die Wohnhäuser entlang der Hegelstraße in Guben stehen unter Denkmalschutz und sollen unter energetischen Gesichtspunkten saniert werden.
Die Wohnhäuser entlang der Hegelstraße in Guben stehen unter Denkmalschutz und sollen unter energetischen Gesichtspunkten saniert werden. FOTO: Halpick
Guben. "Dort drüben soll der Eisspeicher hinkommen", sagt Matthias Bärmann von gleichnamigen Ingenieurbüro. Er steht an der Tür des Beratungsbüros in der Friedrich-Engels-Straße in Guben und deutet auf das Gelände gegenüber. Silke Halpick

Direkt hinter dem Spielplatz des Freibades soll das "Herzstück" des Klimaquartiers Hegelstraße stehen - unterirdisch und sobald die beantragten Fördermittel von sechs Millionen Euro für das autarke Nahwärmeversorgungsprojekt von der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) bewilligt sind.

"In Brandenburg wäre das der erste Eisspeicher überhaupt", sagt Bärmann. Die relativ junge Technologie setzt auf die Kristallisationswärme, die beim Übergang von Wasser zu Eis entsteht. Experten zufolge setzt Wasser, das bei null Grad Celsius vom flüssigen in den festen Zustand wechselt, genauso viel Energie frei wie 80 Grad heißem Wasser entzogen wird, bis es null Grad Celsius kalt ist. Der bisher größter Eisspeicher der Welt steht in Hamburg und dient quasi als Vorbild für die Gubener.

Mit der klimafreundlich produzierten Wärme sollen anschließend die rund 520 Wohneinheiten im Klimaquartier Hegelstraße mit Nahwärme versorgt werden. Der in den 1920er- und 1950er-Jahren gebaute Wohnkomplex in der westlichen Altstadt von Guben ist ein sogenanntes Flächendenkmal. "Jede Laterne, jeder Pflasterstein steht unter Schutz", erklärt Silvia Reichenstein von der Stadtverwaltung.

Wärmedämmung an den Hausfassaden ist deshalb tabu. Auch Solarfelder für die Warmwasserversorgung sind nur auf ausgesuchten Dächern erlaubt. Doch mithilfe der Eisspeicher-Technologie kann das selbst gesetzte Ziel, den Kohlendioxid-Ausstoß im Quartier um 50 Prozent zu senken, dennoch erreicht werden. Der Eisspeicher soll von der Energieversorgung Guben (EVG) betrieben werden. An dem Unternehmen ist die Stadt mit 51 Prozent beteiligt.

Auf eine Fördermittelzusage möglichst noch in diesem Jahr hofft Matthias Bärmann, dessen Büro bereits seit drei Jahren als Sanierungsmanager tätig ist. Aufwändige Konzepte für das Klimaquartier Hegelstraße wurden erarbeitet und auf zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt. "Keiner hat geahnt, dass die Umsetzung so langwierig sein wird", sagt Bärmann. Der Verlängerung des Vertrages mit Bärmanns Büro für weitere zwei Jahre haben die Stadtverordneten vor Kurzem zugestimmt.

Das Wohngebiet in der Altstadt-West ist für die Stadt von strategischer Bedeutung. Hier liegt der Schwerpunkt für die künftige Stadtentwicklung. Möglichst viele attraktive Wohnungen sollen entstehen, damit die Gubener, die heute noch in der Obersprucke leben, zum Umzug bewegt werden können. Dafür gab es von Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) einen 1,3-Millionen-Euro-Scheck für die Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo). Mit dem Geld sollen unter anderen die Wohnblöcke in der Karl-Marx-Straße saniert werden.

Zum Thema:
Das Land Brandenburg setzt beim neu aufgelegten Förderprogramm Stadtumbau III verstärkt auf den Klimaschutz und verpflichtet die Kommunen, bei der Stadtentwicklung Energiethemen zu berücksichtigen. Als Positivbeispiel wird in einem Rundbrief des Infrastrukturministeriums Spremberg mit dem Blockheizkraftwerk auf dem Georgenberg genannt, das soziale Infrastruktureinrichtungen versorgt und 492 Tonnen Kohlendioxid (CO) jährlich einspart. Das Klimaquartier Hegelstraße in Guben umfasst 12,5 Hektar Fläche. Hier wohnen 700 Menschen in 520 Wohnungen.