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Umwelt
Viel Lärm um Windräder

Bernd Völzke aus Krayne spricht von einer „rapide abnehmenden Akzeptanz gegenüber der Energiewende“. Fotos: FOTO-Werner
Bernd Völzke aus Krayne spricht von einer „rapide abnehmenden Akzeptanz gegenüber der Energiewende“. Fotos: FOTO-Werner FOTO: Foto-Werner
Krayne. Einwohner von Krayne diskutieren bei „LR vor Ort“ über die Riesen vor der Haustür. Von Silke Halpick

Ihrem Ärger über das permanente Rauschen der Windräder haben die Einwohner von Krayne am Donnerstagabend Luft gemacht. Rund 25 Interessierte kamen zur RUNDSCHAU-Diskussionsrunde in den Steinsaal. Die Windpark-Betreiber ihrerseits warben um Akzeptanz und verwiesen auf eingehaltene Lärmgrenzwerte.

„Alle, die hier wohnen, hören Geräusche und klagen über den Schattenwurf“, sagt Ortsvorsteher Jürgen Bursch. Im Vorjahr wurden vier neue, circa 140 Meter hohe Windräder aufgestellt. Diese seien ein Dauerthema bei den Bewohnern. „Für die Menschen ist das kaum zu ertragen“, betont Bursch.

„Windräder gehören nicht direkt vor die Haustür“, sagt auch Susi Kunze, Ortsvorsteherin im benachbarten Grano. Ihr Dorf liegt dichter am Windpark als Krayne. Susi Kunze geht es auch darum, den Windanlagenbetreibern das Gefühl zu vermitteln, wie es den betroffenen Menschen ergeht. Sie befürchtet, dass die durch die Anlagen verursachten Geräusche in den kommenden Jahren durch den technischen Verschleiß noch zunehmen könnten.

Von einer „rapide abnehmenden Akzeptanz“ gegenüber der Energiewende spricht Bernd Völzke. Er lebt seit 27 Jahren in Krayne und empfindet nicht nur die Geräusche, sondern auch das „penetrante Blinken“ der Windräder in der Nacht als äußerst störend. Er krisitiert die hohen Strompreise, mit denen der Ausbau der Windenergie überhaupt erst ermöglicht wurde und die letztlich ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil für ansässige Unternehmen seien.

Nach Angaben des Landesumweltamtes liegt die Lärmbelastung durch die Windräder in Krayne bei 40,5 Dezibel und damit unter den geltenden Grenzwerten. Der Ort ist als Mischgebiet im Flächennutzungsplan ausgewiesen, daher sind hier bis zu 45 Dezibel nachts erlaubt. Nur in reinen Wohngebieten gilt die 40-Dezibel-Grenze. „Wo Windräder stehen, hört man sie auch“, räumt Guido Hedemann, Geschäftsführer der UKA-Niederlassung in Cottbus, ein. Allerdings gebe es Orte, an denen die Lärmbelastung höher als in Krayne sei, sagt er.

Der Trend zu immer höheren Windrädern, die immer effektiver arbeiten, ist den Betreibern zufolge auch dem harten Preiskampf geschuldet. Mittlerweile werden neue Windpark-Projekte staatlich ausgeschrieben, um die Einspeisevergütung möglichst zu drücken. Mitunter werde „um 0,5 Cent gerangelt“, so Lutz Schneider, Geschäftsführer der Prokon-Niederlassung Potsdam.

Prokon will den bereits bestehenden Windpark in Sembten um vier weitere Räder erweitern. Allerdings steht eine Anlage möglicherweise 25 Meter außerhalb des Eignungsgebietes. Deshalb haben auch die Gemeindevertreter nicht zugestimmt, wie Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern erklärt. Nun muss die Genehmigungsbehörde entscheiden. „Wir sind wild entschlossen, die Windräder bereits 2018 zu bauen“, kündigt Schneider an.

Nur knapp zwei Prozent der Gesamtfläche im Land Brandenburg stehen überhaupt für Windräder zur Verfügung. 42 ausgewiesene Eignungsgebiete gibt es im neuen Teilregionalplan für den Bereich Lausitz-Spreewald. Zu diesen gehören auch die beiden Windparks in Schenkendöbern und Sembten. Tabu sind hingegen ehemalige Truppenübungsplätze wie der in der Lieberoser Heide, weil diese dem Naturschutz unterliegen.

Kritik an der in Brandenburg geltenden Abstandsregelung weist Carsten Maluszczak, Leiter der Regionalen Planungsstelle, zurück. „Für die 1000 Meter haben wir gekämpft“, sagt er. Vor 20 Jahren sei es sogar noch um Abstände von 500 Metern zur Wohnbebauung gegangen. „Wenn Anlagen die dreifache Höhe entfernt stehen, gilt das als zumutbar“, sagt Lutz Schneider.

In anderen Bundesländern ist das allerdings anders: In Bayern gilt beispielsweise die 10-H-Regel. Demnach muss der Abstand zwischen Windrad und Wohnhaus mindestens zehn Mal so weit sein wie die Anlage hoch ist. Und selbst im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen soll ab 2018 eine neue Abstandsregelungen für Neuanlagen kommen: 1500 Meter sind vorgesehen.

LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR

Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern
Andreas Stahlberg von der Gemeindeverwaltung Schenkendöbern FOTO: Roswitha Werner
Lutz Schneider, Geschäftsführer der Prokon-Niederlassung in Potsdam
Lutz Schneider, Geschäftsführer der Prokon-Niederlassung in Potsdam FOTO: Roswitha Werner
Guido Hedemann, Geschäftsführer der UKA-Niederlassung in Cottbus
Guido Hedemann, Geschäftsführer der UKA-Niederlassung in Cottbus FOTO: Roswitha Werner
Carsten Maluszczak, Leiter der Regionalen Planungsstelle
Carsten Maluszczak, Leiter der Regionalen Planungsstelle FOTO: Roswitha Werner
Jürgen Bursch, Ortsvorsteher von Krayne
Jürgen Bursch, Ortsvorsteher von Krayne FOTO: Roswitha Werner