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| 13:46 Uhr

Guben
„Einer muss den Anfang machen“

Irmgard Schneider (Mitte) und Günter Quiel (r.) nehmen die Glückwünsche von Museumschefin Heike Rochlitz entgegen.
Irmgard Schneider (Mitte) und Günter Quiel (r.) nehmen die Glückwünsche von Museumschefin Heike Rochlitz entgegen. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Die Gubener Urgesteine Irmgard Schneider und Günter Quiel feiern gemeinsam ihren 160. Von Silke Halpick

Ein „kleiner Gag“ ist die Geburtstagsfeier für Irmgard Schneider, wie sie vor den mehr als 80 Gästen in der Ruine der Stadt- und Hauptkirche betont. Die Gubenerin hatte vor wenigen Tagen ihren 85. Geburtstag, Günter Quiel kommt auf 75 Jahre. Zusammen sind das schöne runde 160. „Ein fast schon biblisches Alter“, wie der amtierende Bürgermeister Fred Mahro mit einem Augenzwinkern sagt.

Irmgard Schneider und Günter Quiel gelten als Gubener Urgesteine. Beide sind seit 24 Jahren Stadtverordnete, er als Sozialdemokrat, sie im Bürgerbündnis GUB-SPN. Beiden liegt vor allem das Miteinander der Deutschen und Polen am Herzen. Quiel ist Mitbegründer und Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche. Schneider ist das Herz des Vereins Pro Guben. Mit dem Förderverein Gubiner Berge will sie zudem alte Apfelplantagen wiederbeleben.

„Für uns geht es immer vorwärts“, sagt Quiel, der sich grundsätzlich als Optimist sieht. Sein nächstes Ziel ist beispielsweise die Instandsetzung des Turmkranzes, damit die Besucher künftig in luftiger Höhe rund um den Turm der Stadt- und Hauptkirche gehen und den grandiosen Blick auf die Doppelstadt dies- und jenseits der Neiße genießen können.

Die Sanierung der gesamten Kirchruine kostet den Planungen zufolge zehn Millionen Euro. Doch selbst von einer so hohen Investitionssumme lässt sich Quiel nicht abschrecken. Er hofft auf deutsche und polnische Fördertöpfe, will den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier als Schirmherren mit ins Boot holen und für die Aufnahme des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gotteshauses in die polnische Denkmalschutzliste kämpfen.

Für sein gesellschaftliches Engagement wurde Günter Quiel als „Ehrenamtler des Monats“ im Mai 2014 vom Land Brandenburg ausgezeichnet. Irmgard Schneider bekam im Vorjahr den Brandenburgischen Landesverdienstorden. Auch einen Bundesverdienstorden nennt sie seit 2004 ihr Eigen. Auf solche Auszeichnungen sei sie schon „stolz“, wie Schneider sagt. Möglich seien die Erfolge aber nur im Team, wie sie immer wieder gern betont.

38 Partner hat mittlerweile auch der Verein Pro Guben, der  von der Stadt mit der Umsetzung des umweltpolitischen Aktionsprogramms Agenda 21 beauftragt wurde. Ziel ist die Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes. Im Vergleich zum Jahr 2000 konnte das Treibhausgas in Guben bereits um mehr als 40 Prozent reduziert werden. Damit ist die Neißestadt Vorreiter. Deutschland will diese Marke bis zum Jahr 2030 schaffen, Europa bis 2040.

„Einer muss immer den Anfang machen“, betont auch Günter Quiel. Ob man die Erfolge selbst noch erleben darf, sei letztlich gar nicht so entscheidend, findet er. Seine große Vision ist die einer deutsch-polnischen Doppelstadt Guben-Gubin im Herzen Europas mit nur einem Bürgermeister. „Wir beide sind überzeugte Europäer“, sagt er mit Blick auf Irmgard Schneider. Deshalb will er sich, „noch so lange es geht“, im Interesse der Stadt engagieren.

Diese „Hartnäckigkeit“, mit der selbst die „unmöglichsten Ziele“ angegangen werden, schätzt Mathias Berndt, Pfarrer in Ruhestand, an den beiden Jubilaren. Der Gubener CDU-Fraktionschef Karl-Heinz Mischer ist beeindruckt, wie „aktiv“ sie noch sind. Fred Mahro bewundert den „Mut und die Kraft“, mit der an Zielen trotz Kritik festgehalten wird. Für Monika Wachsmann vom Gubener Stadtchor sind die beiden Abgeordneten „immer präsent“ und leben ihre Überzeugungen.

Der Stadtchor Guben gratuliert musikalisch.
Der Stadtchor Guben gratuliert musikalisch. FOTO: Silke Halpick / LR