Der Ortsverband Guben des Deutschen Amateurradioklubs ist nur einer von etwa 1000 regionalen Organisationen, die Gleichgesinnte vereinen. In Guben sind es 16, die sich mit dem Hobby des Amateurfunkens beschäftigen und vom "Hochfrequenzvirus" haben anstecken lassen.
Zu ihnen gehört Wolfgang Schneider. Mit fast 81 Jahren und einem riesigen Erfahrungsschatz im Selbstbau von Funkanlagen ist er der wohl dienstälteste Radioamateurfunker der Region. Bereits vor 52 Jahren reizten ihn selbst gebaute Funkgeräte. Schneider erreichte unter dem Dach der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) eine Perfektion, die ihm immer noch Anerkennung einbringt.
Heute sind die Amateurfunker weltweit organisiert, und im Fachhandel gibt es alles, was sich ein Amateurfunkerherz wünscht. Einer, dessen Herz für den Amateurfunk schlägt, ist der Jänschwalder Klaus Krönert. Er ist Vorsitzender des Amateurradioklubs Guben und im Berufsleben für die Wasseraufbereitung im Kraftwerk Jänschwalde zuständig.
Erst als sich nach der Wende die Zügel für den Amateurfunk lockerten, entschloss sich Krönert, der sich auf Antennen spezialisiert hatte, ein Ziel zu verfolgen, das zuvor nicht realisierbar war. Mit dem Wegfall der Abschottung gab es fast grenzenlose Möglichkeiten für Amateurfunker. Zwar gilt es ein Amateurfunkgesetz zu beachten und Lizenzen zu erwerben, mit denen alle Amateurfunker ihre Sachkenntnis nachweisen müssen, ehe sie selbst senden dürfen, doch das ist für engagierte Leute keine Hürde. Und so nahm sich Krönert vor, mit Amateurfunkern in allen 330 Funkländern Kontakt aufzunehmen. Das heißt, Krönert muss einen Funkspruch senden und dessen Empfang auch per QSL-Karte bestätigt bekommen.
"Da sind Kontakte per Funk dabei, die würden unter normalen Bedingungen nicht zustande kommen", schwärmt Krönert, der sich mit der Ausbreitung von Funkwellen bestens auskennt. Per Internet sind Verbindungen kein Problem, doch Funk, das ist für die Amateure die hohe Schule. Dabei nutzen sie physikalische Besonderheiten der Funkwellenausbreitung in der Atmosphäre, warten auf die reflektierende Wirkung von eintretenden Meteoriten oder gelangen via Mond mit ihren Funkwellen ans andere Ende der Welt.
Und dann sind da noch die Exoten unter den Funkländern, in denen es kaum Amateurfunker gibt, die antworten können, und Regionen, meist kleine Inseln, die nur zeitweilig mit Expeditionen besetzt sind. Dann muss Krönert warten und ist nur einer von vielen, die eine Bestätigung für eine zustande gekommene Funkverbindung erhoffen.
Ein anderes Beispiel ist die zu Griechenland gehörende Insel Athos. Dort leben nur Mönche, unter ihnen ein Amateurfunker namens Apollo. QSL-Karten von ihm sind sehr begehrt. Begehrt sind auch Funkverbindungen zur Internationalen Raumstation ISS während ihres etwa zehnminütigen Überfluges oder solche zu Forschungsstationen im ewigen Eis der Pole, zum funkenden Prinz von Thailand oder zum König von Jordanien.
Krönert ist auf der Jagd, die noch fehlenden 30 Länder per Funk zu erreichen. Er wartet jetzt auf Expeditionen, die von Inseln aus dem Pazifik funken, um verbleibende weiße Flecke auf seiner Weltkarte der bestätigten Funkverbindungen zu tilgen. Außerdem möchte er selbst einmal gern von den Cook-Inseln senden.
Sohn Patrick ist ebenfalls mit dem "Hochfrequenzvirus" infiziert, und Ehefrau Sylvia passt auf, dass das Familienleben nicht unter der Funkerei leidet. Manchmal ist sie mit dabei, wenn die Funker in ein Camp ziehen oder in geselliger Runde das Vereinsleben pflegen. Das kameradschaftliche Miteinander ist den Funkern wichtig. Im Ernstfall würden sie sogar ihre Technik für die Kommunikation zur Verfügung stellen - ganz so, wie es Amateurfunker in der Region der verheerenden Flutwelle zum Jahreswechsel gemacht haben. Sie gehörten mit zu den ersten, die Informationen sendeten und Hilfe organisierten, weiß Klaus Krönert.
Sein Verein ist an jungen Leuten interessiert, die sich dem Amateurfunk widmen, eine Lizenz erwerben und weltweit mit Gleichgesinnten Kontakt aufnehmen wollen. Eine Lizenz zu erwerben, ist leichter als die Fahrschule, macht Krönert jungen Leuten Mut. Und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten lassen sich auch mit dem Amateurfunk verbinden.
Interessenten wenden sich an Klaus Krönert, Telefon (035607) 7 31 83, E-Mail: klaus@dh2uak.de, oder informieren sich im Internet unter www.darc.de/y/26.

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