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Eine Stippvisite mit Schönheitsfehlern

Bundesbauminister Manfred Stolpe und Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner im Gespräch mit dem Hauskomitee aus der Akazienstraße.
Bundesbauminister Manfred Stolpe und Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner im Gespräch mit dem Hauskomitee aus der Akazienstraße. FOTO: Foto: Jürgen Hennig
Guben.. Zu einem rund zweistündigen Besuch weilte gestern Bundesbauminster Manfred Stolpe in Guben. Schwerpunktthema seines Aufenthaltes war der Stadtumbau an der Neiße. Während seiner Vor-Ort-Visite im Wohnkomplex am Reichenbacher Berg bekam Stolpe aber auch zu hören, dass nicht alle Pläne die uneingeschränkte Zustimmung der Bewohner finden. Von Thomas Engelhardt

Zunächst gab es erst einmal den theoretischen Teil. Im Ludwig-A.-Meyer-Haus informierte sich Stolpe über das Gubener Konzept des Stadtumbaus.
Gegen 14.45 Uhr folgte dann die praktische Vorführung. Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner erläuterte im ehemaligen Böhmischen Ring, wie das Terrain in den letzten Monaten sein Aussehen veränderte und was demnächst vorgesehen ist.
Anschließend ging es in den Märkischen Ring, wo der Minister offiziell den Startschuss für den dritten Abschnitt der Abrissarbeiten geben sollte. Auf dem Weg dorthin kam er mit einigen Mietern ins Gespräch. Doch nicht alle fanden nur lobende Worte. Kritik übten Bewohner des Hauses Akazienstraße 1-9, deren teilsanierter Block nach neuesten Plänen auch abgerissen werden soll. Als erster drückte Günter Fix sein Unverständnis aus. Er befürchte, dass durch den massiven Abriss ein Wohnungsnotstand entstehen könne, der höhere Mieten zur Folge haben werde. Im Märkischen Ring selbst warteten dann schon die Mitglieder des Hauskomitees der Akazienstraße. Sie machten deutlich, dass viele Bewohner des Blockes in den letzten Jahren jede Menge Geld in ihre Wohnungen investiert hätten und nun befürchteten, dass das umsonst gewesen sei.
Während Manfred Stolpe verdeutlichte, dass es immer noch zu viele Wohnungen in den Städten im Osten gebe, versuchte Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner zu beschwichtigen: „Bis wir den Block in der Akazienstraße abreißen, gibt es noch zahlreiche Gespräche.“
Dennoch war das Hauskomitee stocksauer. Grund: Am Mittwoch, also nur zwei Tage zuvor, war den Mitgliedern eine Einladung der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) in die Briefkästen geflattert. Für gestern, 13.30 Uhr, also fast parallel zum Stolpe-Besuch, hatte die Guwo zu einer Gesprächsrunde geladen. „Wir sind uns sicher, dass man uns so von Herrn Stolpe fernhalten wollte“ , machte Gabriele Scholz ihrem Unmut Luft.
Anschließend kam es zum symbolischen Akt des Auftaktes der Abrissarbeiten am Block an der Johann-Crü ger-Straße. Der Minister stieg zwar persönlich auf den Bagger, die Bedienung des sensiblen Gerätes überließ er dann aber doch dem Fachmann vom Baubetrieb.
Gegenüber der Presse machte Stolpe danach deutlich, dass der Stadtumbau auch künftig eine zwingende Aufgabe im Osten Deutschlands bleiben müsse. „Wir müssen es schaffen, dass die Städte an Attraktivität gewinnen.“ An Städten wie Guben und Frankfurt (Oder) sehe man, wie sinnvoll das Geld vom Bund eingesetzt werde.
Von Guben aus düste Stolpe weiter nach Zittau - und zwar im Dienstwagen. Vom gefährlichen Stau am Grenzübergang bei Klein Gastrose bekam der Minister allerdings nichts mit - es gab gestern nämlich keinen. Wie schon mehrfach, wenn sich Politiker aus Potsdam oder Berlin angesagt hatten, lief die Abfertigung an der Grenze so zügig und reibungslos, dass der Verkehr auf der B 112 problemlos rollen konnte.